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Siebdruck-Illustration: Ein Nēnē läuft nahe dem Gipfel des Kīlauea zwischen Gras und Vulkangestein.

Tierwelt in Hawaiʻi Volcanoes: Welche Tiere du siehst und wo

Von Erika Müller · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Hawaiʻi Volcanoes

Die Tierwelt in Hawaiʻi Volcanoes ist wie der Park selbst: einzigartig und empfindlich. Fünf Arten zeigen, was der Park besonders Wertvolles zu bieten hat: die Nēnē (die hawaiianische Gans und Wappentier des Bundesstaats), der ʻApapane (der leuchtend rote Waldvogel), der Pueo (die heimische Eule), der ʻĪo (der hawaiianische Falke) und die ʻŌpeʻapeʻa (die hawaiianische Fledermaus, das einzige einheimische Landsäugetier des gesamten Archipels). Keine Bären, keine Pumas, keine Schlangen: Die hawaiianische Tierwelt hat sich über Millionen Jahre abgeschottet entwickelt. Genau das macht sie so außergewöhnlich und zugleich so verletzlich.

Charakteristische Tiere in Hawaiʻi Volcanoes

Die Nēnē, hawaiianische Gans

Siebdruck-Illustration: Ein Nēnē läuft nahe dem Gipfel des Kīlauea zwischen Gras und Vulkangestein.

Die Nēnē (Branta sandvicensis) ist der offizielle Vogel des Bundesstaats Hawaiʻi. Sie stammt von einer Kanadagans ab, die vor mehreren hunderttausend Jahren auf den Archipel gelangte, und hat sich an die Lava angepasst. Ihre Füße sind teilweise ohne Schwimmhäute, sodass sie besser über vulkanisches Gelände laufen kann.

Bis vor Kurzem galt sie als „stark gefährdet“, doch dank der Zuchtprogramme im Park nimmt ihr Bestand heute deutlich zu. Rund um das Kīlauea Visitor Center begegnet sie dir oft unerwartet am Straßenrand oder in der Nähe von Picknickplätzen. Sie meidet Menschen nicht, weshalb sie am leichtesten zu beobachten ist, aber auch besonders gefährdet wird, wenn sie sich an Fütterungen gewöhnt.

Der ʻApapane, der häufigste heimische Waldvogel

Siebdruck-Illustration: Ein leuchtend roter ʻapapane sitzt zwischen den Blüten der ʻōhiʻa lehua im ursprünglichen Wald.

Der ʻApapane (Himatione sanguinea) ist der heimische Singvogel, den du am ehesten hören und sehen wirst. Sein karminrotes Gefieder und sein heller, wiederholter Gesang verraten ihn in den ʻŌhiʻa-Lehua-Wäldern. Er ernährt sich fast ausschließlich vom Nektar dieser roten Blüten, die für die hawaiianische Vulkanlandschaft typisch sind.

Suche ihn in Kīpukapuaulu (genannt „Bird Park“). Dort liegt eine alte, durch die Topografie vor der Lava geschützte Waldinsel, in der die Dichte heimischer Vögel bemerkenswert ist. Regelmäßig werden neben dem ʻApapane auch der gelbgrüne ʻAmakihi, der kleine braune ʻElepaio und der hawaiianische ʻOmaʻo beobachtet.

Der Pueo, die tagaktive Eule

Siebdruck-Illustration: Ein Pueo sitzt im offenen Grasland von Kahuku im klaren Tageslicht.

Der Pueo (Asio flammeus sandwichensis) ist eine endemische Unterart der Sumpfohreule. Anders als die meisten nachtaktiven Greifvögel jagt er auch bei hellem Tageslicht, was deine Chancen auf eine Beobachtung erhöht. In der hawaiianischen Kultur gilt er als aumakua, als schützender Geist der Familie.

Halte in offenen Gebieten, am Kraterrand und an grasbewachsenen Hängen im Morgengrauen oder am späten Nachmittag nach ihm Ausschau. Sein tiefer Flug und die unregelmäßigen Flügelschläge machen ihn gut erkennbar.

Der ʻĪo, der einzige endemische Falke

Siebdruck-Illustration: Ein ʻio, ein endemischer hawaiischer Falke, beobachtet den Wald von einem ʻōhiʻa-Zweig aus.

Der ʻĪo (Buteo solitarius) ist der einzige ausschließlich auf Hawaiʻi endemische Greifvogel. Es gibt ihn in zwei Farbmorphen, mit dunklem oder hellem Gefieder. Das führt bei unerfahrenen Beobachtern manchmal zu Verwechslungen. Der als „bedrohte Art“ (threatened) eingestufte Falke brütet hauptsächlich in den feuchten Wäldern der Kīlauea-Region.

Du siehst ihn vor allem über dem Kronendach kreisen, während er nach Ratten, kleinen Vögeln oder Eidechsen sucht. In einem Waldgebiet kündigen die Alarmrufe der Singvögel seine Anwesenheit oft an.

Die ʻŌpeʻapeʻa, einziges heimisches Landsäugetier des Archipels

Siebdruck-Illustration: Eine ʻōpeʻapeʻa fliegt in der Dämmerung über dem Wald am Gipfel des Kīlauea.

Die ʻŌpeʻapeʻa (Lasiurus semotus), die hawaiianische Fledermaus, ist das einzige einheimische Landsäugetier im gesamten Bundesstaat Hawaiʻi. Kein anderes Säugetier, weder Bär noch Hirsch noch Kaninchen, besiedelte den Archipel aus eigener Kraft, bevor Menschen eintrafen.

Sie jagt in der Dämmerung Insekten, oft über den Übergangszonen zwischen Wald und vulkanischer Heide. Wenn du nach 18 Uhr noch unterwegs bist, schau nach oben: Ihr ruckartiger Flug ist kleiner als der einer nachtaktiven Schwalbe und lässt sich erkennen, sobald du ihn einmal gesehen hast.

Wo du die Tiere in Hawaiʻi Volcanoes sehen kannst

Kīpukapuaulu (Bird Park) ist der wichtigste Beobachtungsort. Der etwa 2 km lange Loop durch einen unberührten heimischen Wald beherbergt fast alle endemischen Singvögel des Parks. Komm früh am Morgen, wenn die akustische Aktivität ihren Höhepunkt erreicht.

Das Kīlauea Visitor Center und seine Umgebung sind die besten Plätze für Nēnē, die praktisch das ganze Jahr über hier vorkommen. Die nahe gelegenen Picknickplätze werden regelmäßig von ihnen passiert.

Der Crater Rim Drive bietet auf den befahrbaren Abschnitten freie Sicht und gute Chancen, Pueo und ʻĪo im Flug zu beobachten. Besonders ergiebig sind klare Morgen nach einer regnerischen Nacht.

Die Chain of Craters Road führt durch fast sterile, von junger Lava geprägte Landschaften, die für Tiere wenig geeignet sind. Beim Abstieg zur Küste kannst du an den schwarzen Lavastränden jedoch manchmal Grüne Meeresschildkröten (honu) beobachten. Im forstwirtschaftlichen Sinn liegen diese Schildkröten nicht „im“ Park, ihre Ruheplätze gehören aber zum geschützten Gebiet.

Für die Zufahrten zu diesen Gebieten und die Entfernungen vom Eingang sieh dir die Wanderungen in Hawaiʻi Volcanoes und die Parkkarte an.

Wann du die Tierwelt beobachten solltest

Waldvögel sind das ganze Jahr über aktiv, doch der Zeitraum von 6 bis 10 Uhr morgens bleibt ideal: Dann ist der Gesang am intensivsten und das Licht zum Fotografieren sanft.

Die Höhe des Kīlauea-Gipfels (etwa 1.200 m) beeinflusst das Verhalten der Arten. An kühlen, feuchten Morgen siehst du im Kronendach oft mehr Bewegung als in der Tagesmitte, wenn Hitze und Wind einsetzen.

Nach Pueo und ʻŌpeʻapeʻa hältst du in der Dämmerung Ausschau, je nach Jahreszeit zwischen 17:30 und 19:30 Uhr. Der Guide Wann du Hawaiʻi Volcanoes besuchen solltest hilft dir bei der Planung nach Jahreszeit und Lichtverhältnissen und gibt Monat für Monat Orientierung.

Eingeschleppte Arten: die eigentliche Bedrohung des Parks

Hawaiʻi Volcanoes ist auch Schauplatz eines unsichtbaren, andauernden Kampfes gegen eingeschleppte Arten. Viele Besucher bemerken ihn nicht, doch er erklärt, warum manche Gebiete eingezäunt oder nur mit Begleitung zugänglich sind.

Die Manguste (Herpestes auropunctatus) wurde 1883 eingeführt, um Ratten in Zuckerrohrplantagen zu bekämpfen, und hat sich über die ganze Insel verbreitet. Sie frisst die Eier und Küken bodenbrütender Vögel, darunter die Nēnē.

Verwilderte Schweine wühlen den Boden des heimischen Waldes auf, zerstören Farne und endemische Pflanzen und schaffen stehende Tümpel, in denen sich Vögelmalaria übertragende Mücken vermehren. Diese durch Mücken übertragene Vogelkrankheit ist eine der Hauptursachen für den Rückgang hawaiianischer Waldvögel.

Polynesische und Schwarze Ratten, die mit den ersten Kanus und den Schiffen der Kolonialzeit eintrafen, plündern Nester in Bäumen.

Der Coqui (Eleutherodactylus coqui), ein aus Puerto Rico eingeschleppter Frosch, bedroht Vögel nicht unmittelbar, beansprucht aber einen Teil der Gliederfüßer, von denen sich die Singvögel ernähren.

Wahrscheinlich hörst du den Coqui nachts rund um Volcano Village. Sein wiederholter Ruf („ko-kee“) klingt zwar sympathisch, doch sein Einfluss auf die lokale Nahrungskette ist erheblich. Fördere seine Ausbreitung nicht.

Tierbeobachtung mit Sicherheit

Die NPS-Regeln gelten strikt, und das hat gute Gründe.

Halte mindestens 6 m Abstand zur Nēnē. Die wenig scheue hawaiianische Gans kommt bereitwillig näher, wenn du sie fütterst. Eine Nēnē zu füttern ist verboten und schadet ihr: An Menschen gewöhnte Tiere verlieren ihren Fluchtinstinkt und sterben häufig, weil sie auf der Straße überfahren werden oder chronisch mangelernährt sind.

Komm Wildschweinen niemals zu nahe. Eine Bache mit Frischlingen kann angreifen. Wenn du ihnen auf einem Trail begegnest, bleib stehen, sprich ruhig und geh langsam zurück.

Sammle keine Federn oder Eier auf. Das Bundesrecht schützt alle einheimischen Arten und auch ihre Überreste.

Bleib auf den markierten Trails. Die empfindliche Vegetation der Lavafelder regeneriert sich sehr langsam. Wenn du querfeldein gehst, zertrittst du Moose und endemische Farne, die mehrere Jahrzehnte alt sein können.

Für die weiteren Besuchsregeln und Hinweise zum vulkanischen Gelände führt dich die allgemeine Vorstellung von Hawaiʻi Volcanoes zu allen Rubriken des Parks.

Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie suchst

Die Nēnē findest du ohne Mühe rund um das Kīlauea Visitor Center. Heimische Waldvögel, allen voran der ʻApapane, konzentrieren sich früh am Morgen in Kīpukapuaulu. Pueo und hawaiianische Fledermäuse zeigen sich in der Dämmerung in offenen Gebieten. Beim ʻĪo über dem Kronendach der Kraterregion brauchst du etwas Geduld. Grüne Meeresschildkröten ruhen sich unten an der Chain of Craters Road auf den Lavastränden aus. Dafür brauchst du nur ein Hilfsmittel: Komm früh, bleib leise und halte das Fernglas griffbereit.

Häufige Fragen

Welche Tiere gibt es auf Hawaiʻi?

Die einheimischen Wildtiere Hawaiʻis sind fast ausschließlich endemische Vögel und Insekten sowie eine einzige heimische Landfledermaus, die ʻŌpeʻapeʻa. Grüne Meeresschildkröten (honu) und hawaiianische Mönchsrobben leben an den Küsten. Die meisten vorkommenden Säugetiere, darunter Schweine, Mangusten, Ratten und Hirsche, wurden eingeschleppt.

Welche Tiere gibt es speziell in Hawaiʻi Volcanoes?

In Hawaiʻi Volcanoes leben vor allem heimische Vögel wie Nēnē, ʻApapane, Pueo, ʻĪo, ʻAmakihi und ʻElepaio sowie die hawaiianische Fledermaus. Auch eingeschleppte Arten wie Schweine, Mangusten, Ratten und Coquis kommen vor, gelten aber als Bedrohung für das Ökosystem.

Welche invasiven Tiere gibt es auf Hawaiʻi?

Zu den wichtigsten invasiven Tieren auf Hawaiʻi gehören die Manguste, die Eier und Küken jagt, das verwilderte Schwein, das die heimische Vegetation zerstört, polynesische und schwarze Ratten sowie der Coqui, ein Frosch aus Puerto Rico. Zusammen sind sie die Hauptursache für den Rückgang endemischer Vögel.

Welches Tier lebt in Vulkanen?

Im aktiven Vulkan selbst lebt kein Tier. Die erstarrten Lavafelder und Wälder rund um den Kīlauea beherbergen dagegen eine bemerkenswerte Tierwelt: Die Nēnē läuft über junge Lavaströme, und Waldvögel besiedeln die kīpuka, alte, von Ausbrüchen verschonte Vegetationsinseln. Auf nackter Lava kehrt das Leben sehr langsam zurück, zuerst Flechten, dann Farne und schließlich Vögel.