Tiere im Death Valley: Welche Tiere du sehen kannst und wo
Man stellt sich den Park leer, verbrannt und lebensfeindlich vor. Tatsächlich ist es ganz anders: Im Death Valley National Park leben mehr als 400 Tierarten, darunter mehrere endemische Arten, die es nirgendwo sonst auf der Erde gibt. Die fünf bekanntesten Tiere des Parks sind das Dickhornschaf, der Kojote, die Wüstenkängururatte, der Salt Creek Pupfish und die Wüstenschildkröte. Jedes von ihnen hat seine eigene Lösung für die trockenste Herausforderung des Kontinents gefunden: ohne verfügbares Wasser bei Temperaturen zu leben, die am Talboden über 50 °C steigen können.
Die bekanntesten Tiere im Death Valley
Das Dickhornschaf

Das Dickhornschaf (Ovis canadensis nelsoni) ist die große Symbolfigur des Parks. Ausgewachsene Männchen tragen gebogene Hörner, die allein bis zu 14 kg wiegen können, also etwa 10 % ihres gesamten Körpergewichts. Ihre Hufe haben in der Mitte eine weiche Sohle und außen einen harten Rand. Damit kommen sie über Felswände voran, die man ohne Seil kaum bewältigen würde.
Im Sommer steigen die Herden in den Panamint Mountains höher hinauf, um der Hitze am Talboden zu entkommen. Im Herbst und Winter kehren sie an die tiefer gelegenen Hänge zurück. Die zuverlässigsten Beobachtungszeiten sind die Dämmerung am Morgen und am Abend.
Der Kojote

Der Kojote (Canis latrans) ist das Tier, das du im Park am häufigsten sehen wirst, manchmal sogar mitten am Tag rund um Furnace Creek. Als Allesfresser und Opportunist hat er sich perfekt an die Anwesenheit von Menschen angepasst und streift gern um Picknicktische. Genau deshalb darfst du ihn niemals füttern: Ein Kojote, der ans Betteln gewöhnt ist, kann aggressiv werden und muss manchmal eingeschläfert werden. Seine Anwesenheit zeigt ein gesundes Ökosystem. Er reguliert im gesamten Park die Bestände von Nagetieren und Hasen.
Die Wüstenkängururatte

Die Wüstenkängururatte (Dipodomys deserti) ist ein Lehrstück biologischer Ingenieurskunst. Sie trinkt niemals frei verfügbares Wasser. Ihren gesamten Flüssigkeitsbedarf deckt sie, indem sie trockene Samen verstoffwechselt. Ihre Nieren konzentrieren den Urin auf eine Weise, die gewöhnliche Säugetiere nicht leisten können, und ihre Nasenhöhlen gewinnen einen Teil der Feuchtigkeit aus ihrer eigenen Atemluft zurück.
Sie ist strikt nachtaktiv. Tagsüber bleibt sie in einem Bau, den sie in den Sand gegraben und gut abgedichtet hat. Bei Einbruch der Dunkelheit kann sie dank ihrer langen Hinterbeine unregelmäßig springen, um Klapperschlangen und Eulen zu entkommen. Suche nach ihren kleinen, punktierten Spuren im Dünensand, nachdem die Sonne untergegangen ist.
Der Salt Creek Pupfish

Der Salt Creek Pupfish (Cyprinodon salinus) ist vielleicht der erstaunlichste Bewohner des Parks. Dieser 3 bis 5 cm kleine Fisch überlebt in einem Bach, dessen Salzgehalt doppelt so hoch wie der von Meerwasser ist und dessen Temperatur im Sommer über 36 °C steigen kann. Er stammt von einer Population ab, die vor etwa 10.000 bis 20.000 Jahren im Tal eingeschlossen wurde, als der alte Lake Manly allmählich austrocknete.
Der Salt Creek trail, erreichbar über den östlichen Abschnitt des Highway 190, ist ganzjährig geöffnet. Von Februar bis April laichen die Fische besonders aktiv und bewegen sich im flachen Wasser wenige Zentimeter unter der Oberfläche. Das ist eine der unkompliziertesten und zugleich erstaunlichsten Beobachtungen im Park.
Salt Creek Pupfish oder Devil's Hole Pupfish: Verwechsle sie nicht

Im Death Valley lebt eine zweite, noch seltenere Art: der Devil's Hole Pupfish (Cyprinodon diabolis). Seine gesamte Population passt in eine wenige Meter breite geothermische Höhle in einer Parkenklave in Nevada. Es handelt sich um eine eigenständige Art, die zu den am stärksten bedrohten der Welt gehört. Ihr Lebensraum ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Was du am Salt Creek trail beobachtest, ist daher ausschließlich der Salt Creek Pupfish.
Die Wüstenschildkröte

Die Wüstenschildkröte (Gopherus agassizii) verbringt den größten Teil ihres Lebens unter der Erde. Von November bis März hält sie Winterschlaf, im Sommer fällt sie in eine Trockenstarre, um die heißesten Zeiten zu überstehen. Wenn sie aktiv ist, kann sie bis zu 40 % ihres Körpergewichts als Wasser in ihrer Blase speichern. Dieser Vorrat hilft ihr, mehrere Monate ohne eine Wasserstelle auszukommen.
Eine unumstößliche Regel: Berühre sie niemals. Eine gestresste Schildkröte entleert ihren Wasservorrat innerhalb weniger Sekunden. In einer so trockenen Umgebung wie dem Death Valley kann das für sie tödlich enden.
Der Kolkrabe

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist im gesamten Park allgegenwärtig und wahrscheinlich der Vogel, dem du am häufigsten begegnest. Er ist intelligent, erkennt einzelne menschliche Gesichter und durchsucht ohne zu zögern vergessene Taschen. Bei einem morgendlichen Besuch am Zabriskie Point wurde beobachtet, wie er minutenlang mit den warmen Aufwinden spielte und mühelos über den goldenen Graten schwebte. Ein kostenloses Schauspiel, das niemand vergisst.
Wo du im Death Valley Tiere sehen kannst
Die Tierwelt des Parks verteilt sich entlang der Höhenlage sowie der Salz- und Feuchtigkeitsverhältnisse.
Salt Creek trail (östlicher Abschnitt des Highway 190): Von Februar bis April ein Muss für den Salt Creek Pupfish. Komm früh am Morgen, dann kannst du auch Watvögel und ziehende Singvögel auf dem Durchzug sehen.
Mesquite Flat Sand Dunes: Das ideale Gebiet für nachtaktive Tiere. Bei Einbruch der Dunkelheit erzählen die Spuren im Sand, wer unterwegs war: Wüstenkängururatte, Kitfuchs oder Klapperschlange. Verwende eine Stirnlampe mit schwachem Rotlicht und bewege dich sehr langsam.
Furnace Creek und Umgebung: Die Pflanzen in den Gärten und an den Palmen ziehen überraschend viele Vögel und kleine Säugetiere an. Kojoten und Kolkraben sind dort zu jeder Tageszeit beinahe garantiert.
Wildrose Road und die Panamint Mountains: Mit zunehmender Höhe verändert sich die Tierwelt radikal. Hier sind die Chancen am größten, ein Dickhornschaf zu beobachten, besonders bei Tagesanbruch an den felsigen Hängen. Die Straße steigt auf etwa 2.300 m an und führt dadurch in eine deutlich kühlere Umgebung.
Cottonwood Canyon und die tiefer gelegenen Ebenen: Im Frühling gute Gebiete für die Wüstenschildkröte und am Vormittag für Echsen, etwa Zebra-tailed Lizard und Leopard Lizard, sobald sich der Fels erwärmt.
Für die Trails, die in diese Gebiete führen, findest du mehr Informationen im Wanderführer für Death Valley.
Wann du Tiere beobachten kannst
Im Sommer (Mai bis September) verschwinden tagaktive Tiere während der heißen Stunden fast vollständig. Die beiden ergiebigsten Zeitfenster sind die Morgendämmerung (vor 8 Uhr) und der Sonnenuntergang (nach 18:30 Uhr). Die Nacht gehört den nachtaktiven Arten: Wüstenkängururatte, Skorpion, Klapperschlange und Kitfuchs.
Der Frühling (März bis April) ist die günstigste Jahreszeit: angenehme Tagestemperaturen, ziehende Vögel auf dem Durchzug und Salt Creek Pupfish mitten in der Fortpflanzungszeit. Der Herbst (Oktober bis November) bietet ähnliche Bedingungen bei weiterhin langen Tagen.
Im Winter bremsen die kalten Nächte die Aktivität der Reptilien, doch die Säugetiere bleiben aktiv. Das flache Licht eignet sich besonders gut, um Tiere aus der Entfernung zu beobachten. Für eine monatliche Übersicht über die allgemeinen Bedingungen schau dir die beste Reisezeit für Death Valley an.
Raubtiere und große Tiere im Death Valley
Der Puma (Puma concolor) lebt in den felsigen und bergigen Bereichen des Parks. Sichtungen sind selten: Er jagt in der Morgen- und Abenddämmerung und geht dem Kontakt mit Menschen aktiv aus dem Weg. Wenn du ihm auf einem abgelegenen Trail begegnest, lauf nicht weg. Mach dich möglichst groß, sprich mit fester Stimme und geh langsam zurück, ohne ihm den Rücken zuzuwenden.
Das große Raubtier, das du in der Praxis sehen wirst, ist der Kojote. Er jagt Schwarzwedelhase (Lepus californicus), Nagetiere und gelegentlich bodenbrütende Vögel.
Greifvögel sind im Park gut vertreten: Wanderfalke (Falco peregrinus), Steinadler (Aquila chrysaetos) und mehrere Bussardarten gehören zu den dokumentierten Beobachtungen. Suche sie am Vormittag über den Canyons, wenn die Thermik beginnt, sie zu tragen.
Die Klapperschlangen (Gattung Crotalus) verdienen besondere Aufmerksamkeit. Die Pacific Rattlesnake und die Mojave Rattlesnake leben in felsigen Gebieten und zwischen Kreosotbüschen. Im Sommer sind sie nachts aktiv und suchen tagsüber unter Steinen Schutz vor der Hitze. Eine Regel genügt: Steck niemals die Hand unter einen Felsen, ohne zuerst nachzusehen.
Tiere sicher beobachten
Halte die folgenden Mindestabstände ein:
- Kleine Säugetiere und Reptilien: mindestens 10 m.
- Dickhornschafe und große Pflanzenfresser: mindestens 30 m.
- Puma: Wenn du einen siehst, entferne dich mit Blick zum Tier, ohne zu rennen, und mach dich so groß wie möglich.
Füttere niemals ein Tier. Es gibt keine Ausnahme. Ein gefütterter Kojote verliert sein natürliches Misstrauen und wird für andere Besucher gefährlich. Ein gefütterter Kolkrabe beginnt irgendwann, Rucksäcke zu durchsuchen. Auch das Dickhornschaf bringt sich in Gefahr, wenn es sich Straßen zu stark nähert.
Achte darauf, wohin du Hände und Füße setzt. Fast alle Schlangenbisse passieren durch unachtsame Bewegungen: eine Hand auf einen Felsen legen, ohne darunter zu sehen, oder über einen Baumstumpf steigen, ohne hinzuschauen. Auf felsigen Trails solltest du knöchelhohe Schuhe tragen.
Schüttle morgens deine Schuhe aus. Skorpione, besonders der Arizona-Rindenskorpion (Centruroides sculpturatus), sind nachtaktiv und mögen dunkle, warme Räume. Ein kurzer Schlag mit dem umgedrehten Schuh, bevor du ihn anziehst, verhindert die meisten bösen Überraschungen.
Nimm ausreichend Wasser mit. Ein dehydrierter Mensch trifft schlechte Entscheidungen und geht vielleicht zu nah an ein Tier heran, um es zu fotografieren. Für eine gute Vorbereitung auf deine Reise findest du in unserem kompletten Death-Valley-Guide weitere Informationen.
Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie findest
| Art | Bester Ort | Beste Zeit |
|---|---|---|
| Dickhornschaf | Wildrose, Panamint Mountains | Morgendämmerung, Herbst und Winter |
| Kojote | Furnace Creek | Den ganzen Tag |
| Wüstenkängururatte | Mesquite Flat Sand Dunes | Nacht |
| Salt Creek Pupfish | Salt Creek trail | Februar bis April, morgens |
| Wüstenschildkröte | Canyons und tiefer gelegene Ebenen | Frühling, Morgendämmerung |
| Kolkrabe | Zabriskie Point, Furnace Creek | Morgen |
| Puma | Abgelegene felsige Gebiete | Morgendämmerung und Abenddämmerung, selten |
Häufige Fragen
Welche Tiere leben im Death Valley?
Im Death Valley leben mehr als 400 Tierarten: Säugetiere wie Kojote, Dickhornschaf, Puma und Wüstenkängururatte, Reptilien wie Klapperschlangen, Wüstenschildkröte und Echsen, endemische Fische wie der Salt Creek Pupfish, Amphibien sowie mehr als 340 dokumentierte Vogelarten.
Vor welchen Tieren muss ich mich im Death Valley in Acht nehmen?
Besonders aufmerksam solltest du bei Klapperschlangen sein, die im Sommer nachts aktiv sind und unter Felsen liegen können, bei Arizona-Rindenskorpionen, die du morgens in deinen Schuhen finden kannst, und bei Kojoten. Halte Abstand und füttere sie niemals. Pumas leben im Park, Begegnungen sind jedoch außerordentlich selten.
Was kann im Death Valley überleben?
Die Arten, die im Death Valley überleben, haben präzise Anpassungen entwickelt: Nagetiere sind strikt nachtaktiv, die Wüstenkängururatte gewinnt Wasser aus trockenen Samen, die Wüstenschildkröte speichert es in ihrer Blase und der Salt Creek Pupfish verträgt extreme Salzgehalte und Hitze. Die Wüste ist nicht leer, sondern wählerisch.
Gibt es Schlangen im Death Valley?
Ja, im Death Valley leben mehrere Schlangenarten, darunter zwei giftige: die Pacific Rattlesnake und die Mojave Rattlesnake. Beide haben einen dreieckigen Kopf, wärmeempfindliche Gruben zwischen Auge und Nasenloch sowie eine Rassel am Schwanzende. Die praktische Regel bleibt einfach: Steck niemals die Hand unter einen Felsen, ohne zuerst nachzusehen, trage auf felsigen Trails knöchelhohe Schuhe und bleib auf den markierten Wegen.