Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Zelte und ein kleines Wohnmobil stehen auf den bewaldeten Stellplätzen des Kendesnii Campground nahe den Seen.

Wrangell - St. Elias mit dem Wohnmobil: Campgrounds, Regeln und Tipps

Von Erika Müller · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Wrangell - St. Elias

Wrangell - St. Elias in Alaska ist der größte Nationalpark der USA: etwa 5,3 Millionen Hektar, also mehr Fläche als die gesamte Schweiz. Hier ist das Wohnmobil kein Luxus, sondern oft die einzig sinnvolle Möglichkeit. Unterkünfte gibt es nur wenige, die Entfernungen sind gewaltig und die Straßen im Park beschränken sich auf eine Handvoll Strecken. Deshalb übernachtet die große Mehrheit der Besucher, die sich über das Visitor Center hinauswagen, in einem Camper.

Die wichtigste Einschränkung, die du vor der Buchung deines Rigs kennen solltest: Die beiden Hauptachsen des Parks sind unbefestigte Schotterpisten. Mit einem kompakten Motorhome kommst du zurecht, mit einem zwölf Meter langen Gespann deutlich weniger.

Kannst du in Wrangell - St. Elias mit dem Wohnmobil fahren und campen?

Ja, wenn du deine Erwartungen anpasst. Der Park erhebt keinen Eintritt, was bei einem Gebiet dieser Größe im US-Nationalparksystem selten ist. Das Straßennetz im Park besteht allerdings nur aus zwei Strecken: Nabesna Road im Norden, etwa 72 km Schotterpiste ab Slana, und McCarthy Road im Süden, etwa 100 km Schotterpiste ab Chitina. Die Richardson Highway verläuft westlich am Park entlang und ist asphaltiert. Das Copper Center Visitor Center liegt acht Meilen südlich der Kreuzung von Glenn Highway und Richardson Highway.

Grundsätzlich darfst du mit dem Wohnmobil auf diesen Straßen fahren. Welche Abschnitte du tatsächlich erreichst, hängt aber von der Fahrzeuggröße ab. Kompakte Rigs, etwa Campervans sowie kurze Class B oder Class C, kommen auf dem Schotter meist ohne größere Schwierigkeiten voran. Mit großen Class A oder Gespannen über sieben bis acht Metern musst du enge Kurven, den Straßenzustand und die begrenzten Parkmöglichkeiten einplanen.

Einschränkungen und regulierte Straßen für Wohnmobile

Die McCarthy Road ist für große Fahrzeuge die schwierigste Strecke. Sie folgt dem früheren Verlauf der Bahnlinie Copper River & Northwestern Railroad. Unter dem Schotter können Metallteile liegen, die Reifen beschädigen, und manche Brücken haben Gewichtsbeschränkungen. Gespanne, also ein Wohnmobil mit Auto oder Anhänger, sind auf dieser Strecke offiziell dringend nicht empfohlen. Das NPS rät dir, vor der Fahrt die aktuellen Straßenwarnungen auf seiner Website zu prüfen.

Am Ende der McCarthy Road ist die private Piste nach Kennecott für private motorisierte Fahrzeuge gesperrt. Du musst dein Wohnmobil auf dem kostenpflichtigen Parkplatz am Kennicott River abstellen, dann zu Fuß oder mit dem Shuttle nach McCarthy und anschließend zu den historischen Minen weitergehen. Plane für dein Rig ausreichend Platz auf diesem Parkplatz ein, bevor du den Abschnitt in Angriff nimmst.

Die Nabesna Road ist für mittelgroße Rigs meist besser befahrbar, doch zu Beginn und am Ende der Saison können tiefe Spurrillen auftreten. Erkundige dich vor der Fahrt beim Visitor Center in Slana nach dem Straßenzustand, besonders nach starken Regenfällen.

Für die saisonalen Bedingungen auf diesen Straßen findest du weitere Informationen im Zufahrtsguide für Wrangell - St. Elias.

Die offiziellen Campgrounds des Parks

Kendesnii Campground

Kendesnii liegt an der Nabesna Road, einige Kilometer vom Eingang bei Slana entfernt, und ist der für Wohnmobile am leichtesten erreichbare NPS-Campground. Die Stellplätze sind einfach: Es gibt weder Stromanschlüsse (Hookups) noch fließendes Wasser. Die Sites bieten Platz für Rigs in vernünftiger Größe, aber keinen angelegten Pull-through-Stellplatz für besonders lange Fahrzeuge. Trockentoiletten stehen zur Verfügung. Das Campen ist kostenlos oder kostet nur eine symbolische Gebühr. Informiere dich vor deiner Reise auf der NPS-Website über die aktuell geltenden Preise.

Primitive Stellplätze entlang der Nabesna Road

Das NPS erlaubt entlang der Nabesna Road in mehreren ausgewiesenen Bereichen verstreutes Campen. Diese Spots bieten keinerlei Ausstattung: Du kommst an, stellst dich hin und nimmst beim Aufbruch alles wieder mit. Es empfiehlt sich, dich vorher beim Visitor Center in Slana anzumelden, damit bekannt ist, dass du im Park unterwegs bist.

Die McCarthy-Seite

Entlang der McCarthy Road und in Kennecott gibt es keinen ausgebauten NPS-Campground. Einige private Betreiber bieten direkt in McCarthy Stellplätze an. Sie sind erst erreichbar, nachdem du dein Wohnmobil am Parkplatz am Kennicott River abgestellt hast. Die meisten Besucher, die mit einem Camper nach Kennecott fahren, übernachten am Parkplatz oder auf ausgewiesenen Flächen außerhalb des Parks.

Wildcampen und Stellplätze rund um Wrangell - St. Elias (Boondocking)

Hier unterscheidet sich der Park besonders deutlich von anderen Reisezielen. Wildcampen ist in Alaska tief verwurzelt, und die an den Park angrenzenden Bundesflächen von NPS und BLM bieten hervorragende Möglichkeiten zum Boondocking. Abseits der inneren Schotterstraßen kannst du dich auf ausgewiesenen Seitenstreifen oder Ausweichflächen hinstellen, solange du den Verkehr nicht behinderst und die Leave-No-Trace-Grundsätze beachtest.

An der Richardson Highway auf der Copper-River-Seite hast du direkten Blick auf Gletscher. Dort gibt es informelle Parkflächen, die von Wohnmobilreisenden regelmäßig genutzt werden. Weiter östlich kannst du auf den BLM-Flächen rund um Tok kostenlos in vollständig wilder Umgebung übernachten. In unserem Guide zur Region findest du Stellplätze rund um das Dreieck Glennallen/Tok/Valdez.

Entsorgung, Wasser und Services (Dump Stations)

Im Park gibt es praktisch keine Dump Stations und kaum Trinkwasserstellen. Plane deine Vorräte und Tankfüllstände sorgfältig, bevor du auf die Schotterstraßen fährst. Auf Nabesna Road oder McCarthy Road sind 70 bis 100 Kilometer hin und zurück ohne jeden Service normal.

Die nächsten Services findest du in Glennallen an der Richardson Highway: Tankstellen, einen Supermarkt und Dump Stations. Auch Tok weiter nordöstlich bietet diese Möglichkeiten für Wohnmobilreisende auf dem Weg ins Landesinnere Alaskas. Valdez südwestlich an der Richardson Highway ist eine Alternative, wenn du zum Golf von Alaska weiterfährst. Prüfe die Öffnungszeiten in der Hauptsaison frühzeitig, denn manche Angebote gibt es nur saisonal.

Welcher Stellplatz passt zu dir?

Du möchtest eine unkomplizierte Basis mit zugänglichen Wanderungen? Dann wählst du den Kendesnii Campground an der Nabesna Road. Von dort erreichst du die Trails in der nördlichen Hälfte des Parks, und die Piste bleibt für ein kompaktes Rig gut befahrbar.

Du träumst von Kennecott und den Gletschern? Dann fährst du die McCarthy Road mit einem kurzen Class B oder C ohne Gespann hinunter, stellst dich auf den Parkplatz am Kennicott River und erkundest die Gegend zu Fuß oder mit dem Shuttle. In diesem Gebiet gibt es keinen NPS-Campground. Plane daher eine Übernachtung an der Richardson Highway ein oder wähle einen privaten Betreiber in McCarthy.

Du willst völlige Einsamkeit? Beim verstreuten Campen auf den NPS-Flächen entlang der Nabesna Road kannst du Nächte verbringen, ohne dass ein Nachbar in Fernglasreichweite auftaucht. Melde dich vorher beim Visitor Center in Slana an.

Für Zeltplätze und Lodges ergänzen der Campingguide für Wrangell - St. Elias und der Überblick über die Unterkünfte diese Auswahl.

Ein Wohnmobil für Wrangell - St. Elias mieten

Fast alle Vermieter sitzen in Anchorage, fünf bis sechs Autostunden entfernt, wenn du zunächst die Glenn Highway und anschließend die Richardson Highway fährst. Das ist der naheliegende Ausgangspunkt für deine Routenplanung. Vor der Unterschrift musst du drei Punkte unbedingt prüfen:

Erlaubnis für Schotterstraßen. Viele Vermieter verbieten in ihren Verträgen die Nutzung auf unbefestigten Straßen. Steht diese Klausel in deinem Vertrag, bist du auf die Richardson Highway beschränkt. Nabesna Road und McCarthy Road fallen dann weg.

Fahrzeuggröße. Für die Schotterstraßen ist ein kompaktes Rig unter sieben Metern, Class B oder kurze Class C, deutlich vielseitiger als ein großes Class A. Die bessere Wendigkeit wiegt den geringeren Komfort meist problemlos auf.

Ersatzrad und Reifenpannen-Set. Die McCarthy Road ist für scharfkantige Schotterstücke bekannt. Ein funktionierendes Ersatzrad und ein einfaches Reparaturset sind unverzichtbar, denn die nächste Werkstatt kann mehr als 100 Kilometer entfernt sein.

Budget, Tiere und Reservierung: Das musst du wissen

Budget. Wrangell - St. Elias ist einer der wenigen großen US-Nationalparks ohne Eintrittsgebühr. Die vorhandenen NPS-Campgrounds sind kostenlos oder sehr günstig. Rechne aber mit den Treibstoffkosten, denn die Entfernungen in Alaska sind groß, möglichen Shuttle-Gebühren nach Kennecott und Übernachtungen auf privaten Plätzen in McCarthy.

Haustiere. Tiere sind auf den Straßen und in den Campgrounds erlaubt, müssen aber jederzeit an einer höchstens 1,80 m langen Leine bleiben. Außerhalb der ausgebauten Bereiche dürfen Hunde nicht auf den markierten Trails laufen. Wichtig in Alaska: Schwarzbären und Grizzlys sind im Park unterwegs. Behalte deine Tiere im Blick und bewahre Lebensmittel im Kofferraum oder in einer zugelassenen Bear Box auf.

Reservierung. Die NPS-Campgrounds von Wrangell - St. Elias funktionieren nach dem Prinzip First come, first served. Eine Reservierung im Voraus ist für diese Stellplätze nicht möglich. Komm im Juli oder August früh am Tag an. Für Boondocking-Spots auf BLM-Flächen brauchst du keine Reservierung. Die Einrichtungen sind grob von Mai bis Mitte September geöffnet. Außerhalb dieses Zeitraums schließen die Visitor Center, und die Straßenverhältnisse können schwierig sein.

Unser Guide Wann du nach Wrangell - St. Elias reisen solltest liefert dir Monat für Monat die wichtigsten Anhaltspunkte für die Planung dieser Reise.

Zusammenfassung: Unser Wohnmobilplan für Wrangell - St. Elias

Wrangell - St. Elias eignet sich sehr gut für eine Reise mit dem Wohnmobil, wenn du mit dem passenden Fahrzeug und vollen Tanks ankommst. Wähle ein kompaktes Rig ohne Gespann, damit du die Schotterstraßen befahren kannst. Nutze den Kendesnii Campground oder verstreute Stellplätze an der Nabesna Road als Basis, um den nördlichen Parkteil zu erkunden. Ist Kennecott dein Ziel, fährst du mit einem kurzen Rig die McCarthy Road hinunter, parkst am Kennicott River und gehst zu den historischen Minen zu Fuß oder mit dem Shuttle. Fülle in Glennallen Wasser auf und entsorge deine Abwässer, bevor du in den Park fährst. Im Park gibt es dafür keinen Service.

Für einen Überblick über den Park, bevor du deine Route planst, ist unser kompletter Guide zu Wrangell - St. Elias der beste Ausgangspunkt.

Häufige Fragen

Lohnt sich der Wrangell - St. Elias National Park?

Wrangell - St. Elias lohnt sich für alle, die ein ursprüngliches Alaska ohne Menschenmassen und ohne schwere touristische Infrastruktur suchen. Der Park vereint mehr Gletscher als jeder andere US-Nationalpark und vermittelt ein Gefühl von Weite, das du anderswo nur schwer findest. Der logistische Aufwand ist real. Genau das hält die Warteschlangen auf null.

Kannst du mit dem Wohnmobil zum Wrangell - St. Elias National Park fahren?

Ja. Du erreichst ihn über die asphaltierte Richardson Highway bis zum Copper Center Visitor Center und von dort über zwei Schotterstraßen ins Parkinnere, Nabesna Road und McCarthy Road. Kompakte Rigs kommen meist ohne größere Schwierigkeiten voran. Mit großen Motorhomes und Gespannen solltest du dich auf die Richardson Highway beschränken oder ein deutlich höheres Reifenpannenrisiko und schwierige Manöver in Kauf nehmen.

Kannst du dein Wohnmobil in Wrangell - St. Elias überall abstellen?

Nein, freies Parken ist nicht überall erlaubt. Entlang der inneren Schotterstraßen weist das NPS Bereiche zum Parken und zum verstreuten Campen aus. Am Ende der McCarthy Road darfst du dein privates motorisiertes Fahrzeug nur auf dem kostenpflichtigen Parkplatz am Kennicott River abstellen. Die Straße dahinter ist für Privatfahrzeuge gesperrt.

Wie groß ist Wrangell - St. Elias?

Wrangell - St. Elias umfasst etwa 5,3 Millionen Hektar und ist damit der größte Nationalpark der USA, größer als die Schweiz. Diese gewaltige Fläche erklärt, warum du auf den Schotterstraßen mehrere Tage unterwegs sein kannst, ohne andere Besucher zu treffen, und warum das Wohnmobil die passendste Art ist, den Park über einen kurzen Blick hinaus zu erleben.