Tierwelt auf Virgin Islands: Welche Tiere du siehst und wo du sie beobachtest
Der Virgin Islands National Park auf der Insel St. John vereint zwei Welten: dichten Tropenwald an Land und spektakuläre Korallenriffe unter Wasser. Fünf Tiere begegnen dir fast sicher: die Grüne Meeresschildkröte in den Schnorchelbuchten, der Grüne Leguan auf allen Wegen, der Braunpelikan über den Buchten, der Bananenpieper, der häufigste Vogel des Parks, und der Ammenhai, der harmlos am Grund der Lagunen liegt. Dieser Guide zeigt dir, wo du sie findest, wie du sie erkennst und wie du sie beobachtest, ohne sie zu stören.
Typische Tiere auf Virgin Islands
Die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas)

Die Grüne Meeresschildkröte ist das Wassertier schlechthin im Park. Ein ausgewachsenes Tier wird bis zu 1,5 m lang und wiegt bis zu 200 kg. Der gewölbte, grünlich-braune Panzer und der kleine, runde Kopf machen sie leicht erkennbar. Sie verbringt den größten Teil ihres Lebens damit, Seegraswiesen und Algen abzuweiden. Zwischen Mai und Oktober kommen die Weibchen nachts meist an die Sandstrände, um ihre Eier abzulegen.
Trunk Bay, Hawksnest Bay und Leinster Bay sind ihre bevorzugten Futterplätze. Beim Schnorcheln lässt dich eine grasende Schildkröte in Ruhe, wenn du mindestens 10 m Abstand hältst und hektische Bewegungen vermeidest.
Grüne Meeresschildkröte und Echte Karettschildkröte unterscheiden

Auch die Echte Karettschildkröte (Eretmochelys imbricata) kannst du sehen, sie ist kleiner und seltener. Das wichtigste Merkmal ist ihr schmaler, hakiger Schnabel, der an einen Greifvogel erinnert. Beim Panzer der Karettschildkröte überlappen sich die Schuppen wie Dachziegel, während der Panzer der Grünen Meeresschildkröte glatt und gleichmäßig ist. Beide Arten stehen unter Schutz. Für die Beobachtung gilt derselbe Abstand.
Der Grüne Leguan (Iguana iguana)

Der Grüne Leguan prägt die Landschaft an Land. Ein ausgewachsenes Tier kann vom Maul bis zur Schwanzspitze mehr als 1,8 m lang werden und über 4 kg wiegen. Als Pflanzenfresser ist er meist wenig scheu. Den Tag verbringt er damit, sich auf Felsen, niedrigen Ästen oder an Wegrändern von der Sonne aufwärmen zu lassen. Du siehst ihn überall: an Waldrändern, in Strandnähe und auf Trockenmauern.
Seine Farbe verändert sich mit dem Alter. Jungtiere sind leuchtend grün, erwachsene Tiere werden eher graubraun, und Männchen zeigen während der Paarungszeit orange Töne an Kehle und Flanken. Die Art wurde vor mehreren Jahrhunderten eingeführt und ist inzwischen vollständig in das Inselökosystem integriert.
Der Braunpelikan (Pelecanus occidentalis)

Mit einer Spannweite von 1,8 bis 2,3 m und seinem langen gelben Kehlsack ist der Braunpelikan nicht zu übersehen. Er jagt, indem er sich aus mehreren Metern Höhe im Sturzflug auf Fischschwärme fallen lässt. Dieses Schauspiel kannst du dir immer wieder ansehen. Zwischen zwei Tauchgängen verdaut er auf Bojen, Felsen oder Stegen.
Geschützte Buchten wie Coral Bay und Hurricane Hole sowie Mangrovengebiete sind seine üblichen Jagdreviere. Du siehst auch prächtige Fregattvögel (Fregata magnificens) vorbeiziehen. Du erkennst sie an ihrem langen, V-förmigen Schwanz und daran, dass sie andere Vögel bedrängen, um ihnen die Beute abzujagen.
Der Bananenpieper (Coereba flaveola)

Zwölf Zentimeter groß, leuchtend gelber Bauch und ein deutlich ausgeprägter weißer Überaugenstreif: Der Bananenpieper ist der häufigste Vogel auf St. John. Du hörst ihn schon bei Tagesanbruch überall im Park pfeifen, vom Trockenwald bis zu den Restaurantterrassen. Er ernährt sich von Nektar, Fruchtfleisch und Zucker. Auf Frühstückstischen bedient er sich ohne lange zu fragen. Seine Anwesenheit garantiert dir, dass du St. John nicht verlässt, ohne einen Vogel des Parks gesehen zu haben.
Der Ammenhai (Ginglymostoma cirratum)

Dem Ammenhai begegnest du beim Schnorcheln oder Tauchen am ehesten. Tagsüber bleibt der nachtaktive Hai reglos auf dem sandigen Grund oder unter Korallenüberhängen liegen. Er kann 3 m lang werden, ernährt sich aber von Kraken, Krebstieren und kleinen Grundfischen. Du interessierst ihn nicht. Berühre ihn nicht, denn wenn er gestört wird, kann er zubeißen, und halte Abstand. Leinster Bay und Waterlemon Cay sind gute Plätze, um ihn zu beobachten, ohne gezielt nach ihm zu suchen.
Wo du Tiere auf Virgin Islands siehst
Meeresschildkröten: Leinster Bay mit Waterlemon Cay ist der zuverlässigste Platz im Park. Du gehst zu Fuß über den Waterlemon Cay Trail, etwa 1,5 km von der Hauptstraße entfernt, und schwimmst anschließend bis zum Cay. Hawksnest Bay und der markierte Unterwasserweg in Trunk Bay eignen sich besonders gut für Anfänger.
Riffische: Trunk Bay mit seinem 225 m langen Unterwasserweg und Bestimmungstafeln ist ideal für Familien. In Salt Pond Bay findest du eine größere Korallenvielfalt in einer wilderen Umgebung.
Leguane und Landtiere: Der Reef Bay Trail führt auf etwa 4,5 km ab Route 10 durch Feucht- und Trockenwald. Leguane und Vögel sind dort häufig. Der Cinnamon Bay Trail ist leichter zugänglich und am frühen Morgen ebenso ergiebig.
Pelikane und Fregattvögel: Die erhöhten Aussichtspunkte an der North Shore Road bieten einen Panoramablick auf mehrere Buchten zugleich. Vom Kajak oder Boot aus Coral Bay beobachtest du sie auf Augenhöhe über dem Wasser.
Fledermäuse: In der Dämmerung triffst du sie auf Waldwegen oder in der Nähe der Höhlen an der Ostküste. Sie sind die einzigen einheimischen Landsäuger der Insel. Auf St. John leben mehrere frucht- und insektenfressende Arten.
Wann du Tiere beobachten solltest
Die Trockenzeit von Dezember bis April ist ideal zum Schnorcheln: Die Sicht unter Wasser ist ausgezeichnet, Passatwinde halten die Temperaturen an der Oberfläche bei etwa 25 bis 27 °C, und das Meer ist ruhiger. Das ist die beste Zeit für Grüne Meeresschildkröten, Ammenhaie und Riffische.
Die Regenzeit von Mai bis November bringt kurze, aber heftige Schauer und ab August ein unruhigeres Meer. Sie fällt mit der Eiablage der Meeresschildkröten zusammen. Die Weibchen kommen von Mai bis Oktober nachts an die Strände, mit einem Höhepunkt im Juni und Juli. Wenn du die Eiablage beobachten möchtest, nimm an einem vom Park genehmigten Schutzprogramm teil und verwende ausschließlich rotes Licht.
Die Landtiere sind das ganze Jahr über aktiv. Bei sonnigem Wetter siehst du Leguane häufiger, weil sie ihre Körpertemperatur regulieren. Singvögel hörst du vor allem bei Tagesanbruch und in der Dämmerung. Wenn du deinen Besuch nach anderen Kriterien wie Wetter, Besucherandrang oder Hurrikans planen möchtest, findest du im Guide zur besten Reisezeit für Virgin Islands einen Monatskalender.
Raubtiere und große Tiere auf Virgin Islands
Keine Bären, keine Berglöwen und keine einheimischen Giftschlangen auf St. John. Das ist eine Besonderheit der Insel. Die meisten Schlangen verschwanden im 19. Jahrhundert, nachdem man das eingeführte Mungo zur Bekämpfung der Schlangen in den Zuckerrohrplantagen ausgesetzt hatte. Der Mungo (Herpestes auropunctatus) gehört inzwischen selbst zu den Tieren, die du im Park am häufigsten siehst. Er ist klein, etwa so groß wie ein Eichhörnchen, schnell und läuft am frühen Morgen oft über die Wege. Für Wanderer ist er harmlos, aber als Räuber von Vogel- und Schildkrötennestern am Boden sehr erfolgreich.
Das größte Landtier des Parks ist der Weißwedelhirsch (Odocoileus virginianus), den dänische Kolonisten im 17. Jahrhundert eingeführt haben. Ohne natürliche Feinde hat sich die Population gut entwickelt. Bei Tagesanbruch und in der Dämmerung siehst du die wenig scheuen Tiere auf den Waldwegen.
In manchen Gebieten, vor allem im Osten der Insel, streifen verwilderte Esel und Ziegen umher. Sie sind ein Überbleibsel der kolonialen Landwirtschaft. Die neugierigen Tiere können sich Picknicks nähern.
Tiere sicher beobachten
Mindestabstände: Halte zu jeder Meeresschildkröte an der Oberfläche oder am Strand 10 m Abstand und zu Leguanen 2 m. Ein ausgewachsenes Tier kann kräftig zubeißen, wenn es sich in die Enge getrieben fühlt. Versperre niemals einer Schildkröte den Weg, wenn sie nach der Eiablage zum Meer zurückkehrt.
Füttere kein Tier. Im Park ist es verboten, Leguane, Hirsche, Esel oder Ziegen zu füttern. Dadurch werden sie aggressiv, abhängig und gefährlich für andere Besucher.
Beim Schnorcheln und Tauchen: Berühre weder Korallen noch Tiere. Tauche nicht mit Futter in Reichweite. Wenn du einem Ammenhai begegnest, bleib ruhig und halte Abstand. Keine hektischen Bewegungen und kein Versuch, ihn zu berühren.
Meeresschildkröten nachts beobachten: Wenn du an einem Strand bist und ein Weibchen zur Eiablage an Land kommt, bleib leise. Leuchte es nicht mit weißem Licht an, sonst kehrt es ins Wasser zurück, und stelle dich nicht zwischen das Tier und das Meer. Filmen mit Blitz ist verboten.
Mungos und Ziegen: Lass an Picknickplätzen kein Essen zugänglich liegen. Die Tiere schnappen es sich schnell. Die allgemeinen Sicherheitsregeln im Park zu Wegen, Meeresströmungen und Flüssigkeitszufuhr findest du im kompletten Guide zu Virgin Islands.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen
Fünf Prioritäten für dein Beobachtungsnotizbuch:
- Grüne Meeresschildkröte: Schnorcheln in Leinster Bay, Hawksnest Bay oder Trunk Bay.
- Grüner Leguan: Auf den Wegen überall, sobald die Sonne aufgegangen ist, besonders am Reef Bay Trail.
- Braunpelikan: Geschützte Buchten, Küstenfelsen und Mangrovenränder in Coral Bay.
- Bananenpieper: Vom Tagesanbruch an allgegenwärtig, vom Wald bis zu den Terrassen.
- Ammenhai: Sandige Gründe bei Waterlemon Cay und Leinster Bay, beim Schnorcheln.
Ergänze deine Liste mit Riffischen wie Papageifischen, Sergeant Majors, Trompetenfischen und Streifenbarschen. So erhältst du ein vollständiges Bild der Tierwelt. Der Guide zu den Wanderungen auf Virgin Islands stellt die Wege vor, auf denen du Wandern und Tierbeobachtung am besten verbindest.
Häufige Fragen
Welche Tierwelt gibt es auf den US Virgin Islands?
Zur Tierwelt der US Virgin Islands gehören Meeresschildkröten, darunter Grüne Meeresschildkröten, Echte Karettschildkröten und Lederschildkröten, Grüne Leguane, Braunpelikane, eine große Vielfalt tropischer Riffische, Ammenhaie, Bananenpieper und weitere Vögel. Dazu kommen eingeführte Säugetiere wie Hirsche, Mungos, Esel und Ziegen sowie mehrere Fledermausarten, die einzigen einheimischen Landsäuger der Insel.
Gibt es Bären auf den Virgin Islands?
Nein, auf den US Virgin Islands gibt es keine Bären. Im Virgin Islands National Park leben keine großen Landraubtiere, also weder Bären noch Berglöwen oder einheimische Giftschlangen. Die Landtiere sind hier deutlich weniger imposant als in den amerikanischen Parks auf dem Festland.
Wo liegt der Virgin Islands National Park?
Der Virgin Islands National Park liegt auf St. John, auf den US Virgin Islands, einem amerikanischen Gebiet in der Karibik. Du erreichst die Insel über den Cyril E. King Airport auf St. Thomas, anschließend per Fähre oder Wassertaxi nach St. John. Auf St. John gibt es keinen Flughafen.
Wie kamen die Hirsche auf die Virgin Islands?
Dänische Kolonisten führten die Weißwedelhirsche (Odocoileus virginianus) im 17. Jahrhundert auf St. John ein, als die Insel landwirtschaftlich genutzt wurde. Da natürliche Feinde fehlten, konnte sich die Population dauerhaft etablieren. Heute gehören die Hirsche zum gewohnten Bild auf den Waldwegen des Parks.