Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Ein Auto fährt auf eine Straßengabelung zwischen roten Canyons, Wäldern, Seen, schneebedeckten Bergen und Küste zu

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So wählst du dein nächstes Roadtrip-Ziel

Sechs konkrete Fragen für die Wahl deines nächsten Roadtrips: echte Reisedauer, Jahreszeit, Autofahren, Budget, Landschaften und Lust auf Natur oder Städte.

Von Erika Müller · · 4 Min. Lesezeit

Ein Roadtrip-Ziel auszuwählen bedeutet oft, eine Wunschliste mit den Einschränkungen des Kalenders abzugleichen. Sechs konkrete Fragen reichen aus, um diese Liste auf ein oder zwei ernsthafte Optionen zu verkürzen. Wir gehen sie der Reihe nach durch und nennen konkrete Beispiele.

Wie viele Tage hast du wirklich?

Die verfügbare Zeit inklusive Flug ist der erste Filter. Mit zehn effektiven Tagen vor Ort ist Island durchaus machbar: Die komplette Ring Road mit rund 1.300 km lässt sich bei einem vernünftigen Tempo in sieben bis acht Tagen fahren. Neuseeland kann dagegen bei weniger als 14 Tagen enttäuschend sein: Die Entfernungen im Land sind groß, und Anschlussflüge aus Europa verschlingen zwei Reisetage.

Ein geparkter SUV an einer Straße zwischen Wüste und schneebedeckten Bergen, davor Karte, Kompass und Anzeige auf einem Felsen

Der Westen der USA lässt sich flexibler planen. 15 Tage reichen für eine entspannte Rundreise durch Nevada, Utah und Arizona, und drei Wochen machen die Pazifikküste und die Rocky Mountains möglich. Als Faustregel gilt: Zieh die Transittage ab, plane für die Ankunft eine ruhige Nacht ein und setze für den Rückreisetag keine Etappe an.

Welche Jahreszeit passt zu deinem Reisezeitraum?

Die Jahreszeit verändert alles, manchmal sogar mehr als das Reiseziel selbst. Schottland zeigt sich im Mai und September von seiner hellen Seite, mit wenigen Besuchern und tief stehender Sonne, während es im Juli und August wegen der Midges und der überfüllten NC500 wirklich anstrengend wird. Norwegen teilt sich in zwei Reisezeiten: Fjorde von Juni bis August, Nordlichter von Oktober bis März. Die Bergstraßen sind dort von November bis Mai gesperrt.

Portugal eignet sich praktisch das ganze Jahr über zum Autofahren. Alentejo und Algarve sind von März bis November angenehm, mit deutlich weniger Besuchern im Mai und Oktober. Im Südwesten der USA ist es im Juli und August schwierig, Zion, Bryce Canyon und Monument Valley zu besuchen: In Moab werden dann regelmäßig mehr als 40 °C erreicht.

Fühlst du dich beim Fahren vor Ort wohl?

Linksverkehr ist ein echter Entscheidungsfaktor. Schottland, Neuseeland und Irland erfordern an den ersten beiden Tagen eine gründliche Umgewöhnung. Die einspurigen Straßen mit ihren „passing places“ in Schottland verlangen Geduld und ein gewisses Selbstvertrauen. In Norwegen sorgen Unterwassertunnel und Fähren für einen anderen Rhythmus, gefahren wird aber weiterhin rechts.

In den USA überraschen die großen Abstände zwischen den Tankstellen viele Europäer. Auf manchen Abschnitten des Highway 101 in Oregon gibt es auf 80 bis 100 km keine Tankstelle. Sobald die Tankanzeige unter die Hälfte fällt zu tanken, ist eine Gewohnheit, die manchen Schreckmoment verhindert.

Welches Budget solltest du für Benzin und Unterkunft einplanen?

Island ist das teuerste Reiseziel auf dieser Liste: Der Liter Kraftstoff kostet dort etwa 2,50 EUR (2024), und eine ordentliche Unterkunft beginnt bei 120 bis 150 EUR pro Nacht. Neuseeland ist ähnlich teuer, bietet aber ein gut ausgebautes Campingplatznetz mit Preisen von etwa 20 bis 30 NZD pro Nacht.

Norwegen ist bei Hotelübernachtungen teuer, doch wildes Campen ist dank des Jedermannsrechts (allemannsretten) legal und kostenlos. Portugal und Schottland gehören zu den günstigsten Zielen: Außerhalb der Saison findest du problemlos Unterkünfte für 60 bis 80 EUR. Für die amerikanischen Nationalparks lohnt sich der Jahrespass America the Beautiful (etwa 80 USD) bereits ab dem dritten Park. Eine Campingnacht in den Nationalparks kostet ungefähr 20 bis 35 USD.

Welche Landschaften begeistern dich?

Die Frage scheint offensichtlich, trennt die Reiseziele aber sehr schnell voneinander. Rote Wüsten und Sandsteinbögen: Der Westen der USA mit Utah und Arizona ist in diesem Maßstab einzigartig. Gletscher und aktive Vulkane auf engem Raum: Island. Fjorde: Norwegen liegt selbstverständlich vorn. Moore, Lochs und schroffe Küstenklippen: Schottland. Warmes Licht, Weinberge und Atlantikküste: Portugal.

Unser Rat: Versuch nicht, alles in einer einzigen Reise zu verbinden. Ein gelungener Roadtrip folgt einer visuellen Linie. Zwei oder drei prägende Landschaftstypen reichen aus, um eine stimmige Route zusammenzustellen, die in jeder Hinsicht funktioniert.

Unberührte Natur oder Städte unterwegs?

Ein Park wie Denali oder Death Valley hat wenig zu bieten, wenn du am liebsten durch Markthallen schlenderst und Restaurants in verschiedenen Vierteln ausprobierst. Umgekehrt kann ein Pflichtstopp in einer Großstadt den Rhythmus einer Reise durch abgelegene Natur bremsen.

Der Westen der USA verbindet beides besonders flexibel. Unsere Routen starten häufig in Las Vegas oder Los Angeles, zwei Städten mit Direktverbindungen ab Paris-Charles-de-Gaulle, und führen schon bald weiter zu den Parks. Norwegen und Island lassen sich nur schwer mit einem dicht gefüllten Stadtprogramm verbinden. Portugal und Schottland hingegen kombinieren Hauptstädte wie Lissabon und Edinburgh problemlos mit Landstraßen.

Wenn du diese sechs Fragen ehrlich beantwortet hast, schrumpft die Liste der Reiseziele ganz von selbst. Übrig bleibt, wozu du wirklich bereit bist, und nicht nur das Bild, das du dir davon auf dem Sofa gemacht hast.

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