Allein durch die USA reisen: der Guide für eine entspannte Reise
Welche Städte sich eignen, wo du schläfst, wie du dich fortbewegst und abends ausgehst: alles für eine entspannte Solo-Reise durch die USA, inklusive Budget.
Von Erika Müller · · 10 Min. Lesezeit
New York im Morgengrauen, einen dampfenden Kaffee in der Hand, ein spontanes Konzert in New Orleans, ein ausgedehntes Brunch in San Francisco, weil dich nirgends jemand erwartet. Allein durch die USA zu reisen bedeutet vor allem genau das: ein riesiges Land und der Luxus, es in deinem eigenen Tempo zu erkunden.
Die USA gehören außerdem zu den unkompliziertesten Zielen für die erste große Solo-Reise. Du sprichst dort eine Sprache, die du vermutlich schon ein wenig beherrschst, buchst alles bequem per Smartphone und allein am Tresen eines Restaurants zu essen, ist völlig normal. Bleiben die praktischen Fragen, die wir uns alle vor der Buchung stellen: Wohin, wo schlafen, wie kommst du abends zurück, was kostet das? Hier beantworten wir sie eine nach der anderen.

Die USA: wie gemacht für Solo-Reisen
Die Amerikaner haben eine ausgeprägte Kultur des „party of one“, die es in Europa so nicht gibt. Einen Tisch für eine Person zu bestellen, löst keine verwunderten Blicke aus, die Restauranttresen sind dafür gemacht und innerhalb von dreißig Sekunden kommt man mit der Sitznachbarin, dem Barista oder der Frau beim Gassigehen ins Gespräch. Dieser ständige Small Talk hat für allein Reisende einen großen Vorteil: Du bist nie wirklich isoliert und findest immer jemanden, den du nach dem Weg oder einem Tipp fragen kannst.
Was die Sicherheit betrifft, gleicht das Land jedem anderen großen westlichen Reiseziel: Die allermeisten Aufenthalte verlaufen ohne den kleinsten Zwischenfall, und die sinnvollen Vorsichtsmaßnahmen sind dieselben wie in Paris, Lyon oder Barcelona. Der eigentliche Unterschied ist die Größe. Die Städte sind weitläufig, die Entfernungen zwischen zwei Vierteln werden in Kilometern gemessen und die Stimmung kann sich von einem Block zum nächsten ändern. Wie entspannt deine Reise wird, hängt daher vor allem von zwei Entscheidungen ab: dem Viertel, in dem du übernachtest, und der Art, wie du abends zurückkehrst.
Wohin reisen: sieben Städte, die sich für Solo-Reisen eignen
Für deine erste Reise allein solltest du Städte wählen, in denen du ohne Auto auskommst. Dort findest du ein dichtes Verkehrsnetz, Hostels, geführte Besichtigungen und viele Gelegenheiten, andere Menschen kennenzulernen.
| Stadt | Warum sie sich für Solo-Reisen eignet | Gut zu wissen |
|---|---|---|
| New York | U-Bahn rund um die Uhr, alles zu Fuß erreichbar, tausend Dinge, die du allein unternehmen kannst | Teure Unterkünfte: früh buchen oder in Brooklyn beziehungsweise Queens schlafen |
| Boston | Kompakt, studentisch geprägt, vollständig zu Fuß zu erkunden | Harte Winter, besser von Mai bis Oktober reisen |
| Chicago | Hochbahn, Architektur, See und Strände im Sommer | Im Zentrum und in den nördlichen Vierteln bleiben |
| San Francisco | Überschaubare Viertel, Straßenbahnen, offene Atmosphäre | Tenderloin meiden, auch im August eine Jacke einpacken |
| Seattle und Portland | Cafés, Buchhandlungen, Natur in einer Stunde erreichbar, sehr solo-freundliche Kultur | Häufiger Regen von Oktober bis April |
| New Orleans | Überall Musik, einzigartige Küche, leicht ins Gespräch kommen | Abends auf den belebten Straßen bleiben und per Fahrdienst zurückfahren |
| Washington | Kostenlose Museen, unkomplizierte U-Bahn, ruhiges touristisches Zentrum | Außerhalb einiger Viertel wenig Nachtleben |
Wenn New York den Auftakt deiner Reise bildet, helfen dir unsere Guides für deine erste Nacht vor Ort und zum Besuch der Stadt in vier Tagen, typische Anfängerfehler zu vermeiden. Und falls du bald Lust auf weite Landschaften bekommst, was schnell passiert, lassen sich die Nationalparks wunderbar mit einer oder zwei dieser Städte verbinden: Auf gut besuchten, von Rangern betreuten Wegen triffst du viele allein reisende Frauen.
Wo schlafen: drei Varianten kombinieren
Die Unterkunft belastet das Budget bei einer Solo-Reise am stärksten, denn ein Hotelzimmer kostet für eine Person genauso viel wie für zwei. Am besten wechselst du während der Reise zwischen drei Varianten.
Das Hostel. Das HI-USA-Netzwerk und unabhängige Hostels gibt es in allen großen Städten. Sie bieten Frauen-Schlafsäle, Schließfächer und oft organisierte Touren oder Abende an. Rechne je nach Stadt mit 40 bis 80 Dollar pro Nacht im Schlafsaal. Nirgendwo findest du leichter Gesellschaft für den nächsten Tag.
Das gut gelegene Hotel. Ideal, um zwischen zwei Hostelaufenthalten durchzuatmen. Investiere zuerst in die Lage, nicht in den Standard: Ein schlichtes Hotel in einem zentralen, lebendigen Viertel ist besser als ein schönes Zimmer an einer Schnellstraße. Prüfe, ob die Rezeption die ganze Nacht besetzt ist, und lies aktuelle Bewertungen anderer allein reisender Frauen.
Bei einer Gastgeberin. Diese Variante ist weniger bekannt und vielleicht die schönste. NomadSister, ein 2019 unter dem Namen La Voyageuse in Bordeaux gegründetes Netzwerk, bringt Reisende mit Gastgeberinnen zusammen, die sie kostenlos bei sich aufnehmen. Die Plattform hat mehr als 40.000 Mitglieder in rund hundert Ländern. Ihr Konzept beruht auf drei Regeln: ausschließlich Frauen, ein bei der Anmeldung für jedes Profil erforderlicher Identitätsnachweis und ein von den Reisenden bezahlter Jahresbeitrag zur Finanzierung der Moderation. Die Aufenthalte sind kurz gedacht, idealerweise ein bis zwei Nächte und höchstens vier, was perfekt zu einem Zwischenstopp in einer US-Stadt passt. Nebenbei bekommst du etwas, das kein Hotel verkaufen kann: eine Einheimische, die dir das richtige Diner, Straßen, die du meiden solltest, und die Buslinie verrät, die Touristen nie nehmen.
Wie bei jeder privaten Unterkunft solltest du die Anfragen gut vorbereiten: Schicke sie drei bis vier Wochen vor der Abreise mit einem vollständigen Profil und einer persönlichen Nachricht. Wenn dir das Konzept gefällt, stellt unser Vergleich der Couchsurfing-Dienste und ihrer Alternativen die anderen, diesmal gemischten Netzwerke vor.
Stressfrei unterwegs, tagsüber wie nachts
In den sieben genannten Städten reichen die öffentlichen Verkehrsmittel tagsüber aus. Zwischen den Städten ist der Amtrak an der Ostküste komfortabel, etwa zwischen Boston, New York und Washington. Anderswo übernehmen Inlandsflüge diese Aufgabe. Bei Fernbussen solltest du Verbindungen am Tag bevorzugen: Busbahnhöfe sind um Mitternacht selten die angenehmsten Orte.
Abends ist ein Fahrdienst per App dein bester Verbündeter. Ein paar Gewohnheiten genügen:
- Prüfe vor dem Einsteigen Kennzeichen, Automodell und Fahrerfoto. Lass den Fahrer deinen Vornamen nennen, statt ihn ihm selbst zu sagen.
- Teile die Fahrt live mit einer vertrauten Person über die App. Diese Funktion gibt es bei Uber ebenso wie bei Lyft.
- Warte im Bar- oder Restaurantinneren auf das Auto, nicht auf dem Gehweg.
- Lyft bietet in den USA eine Option, die weibliche Fahrgäste bevorzugt mit Fahrerinnen zusammenbringt. Du aktivierst sie in den Einstellungen der App.
Wenn deine Route aus den Städten hinausführt, brauchst du ein Auto. Unser Guide zum Mietwagen in den USA erklärt, welche Versicherungen sinnvoll sind. Wenn du allein fährst, machen zwei Gewohnheiten einen großen Unterschied: Tanke, sobald die Anzeige unter die Hälfte fällt, und erreiche dein Ziel vor Einbruch der Dunkelheit.
Abends ausgehen und es wirklich genießen
Niemand überquert den Atlantik, um um 20 Uhr ins Bett zu gehen. Amerikanische Abende beginnen früh, was vieles einfacher macht: Du isst um 18:30 Uhr zu Abend, Konzerte starten um 20 Uhr und du kannst einen ganzen Abend erlebt haben, bevor du vor Mitternacht zurück bist.
Die bewährten Optionen für Solo-Reisen sind der Tresen eines guten Restaurants, wo sich das Personal ganz selbstverständlich um allein sitzende Gäste kümmert, Konzerte, Baseball- oder Basketballspiele, nächtliche Führungen und Veranstaltungen der Hostels. Halte in einer Bar dein Glas selbst in der Hand und bestelle auch selbst, wie überall sonst. Zögere außerdem nie zu sagen, dass du auf jemanden wartest oder eine Freundin gleich dazukommt: eine kleine, folgenlose Notlüge, mit der du ein unerwünschtes Gespräch höflich beendest.
In den USA nehmen Bar- und Hotelpersonal solche Situationen ernst. Wenn dir etwas unangenehm ist, sag es dem Barkeeper, Türsteher oder an der Rezeption. Man ruft dir ein Auto und wartet mit dir, bis es da ist.
Telefon, Gesundheit, Dokumente: dein Sicherheitsnetz
Ein verbundenes Smartphone nimmt dir bereits die Hälfte der Sorgen. Besorge dir vor der Abreise eine eSIM, denn Karten, Fahrdienste, Übersetzungen und die Standortfreigabe hängen davon ab. Unser Guide zu Telefon, Bezahlen und Trinkgeld vergleicht die Möglichkeiten. Die einheitliche Notrufnummer ist 911 und von jedem Telefon kostenlos erreichbar.
Das größte finanzielle Risiko der Reise sind die Gesundheitskosten: Schon ein einfacher Besuch in der Notaufnahme kann mehrere tausend Dollar kosten. Eine Reiseversicherung mit hoher medizinischer Deckung in den USA ist unverzichtbar, erst recht, wenn vor Ort niemand die Kosten für dich vorstrecken kann. Nimm deine üblichen Medikamente samt Rezept mit. Apotheken großer Ketten haben oft lange geöffnet, manche sogar rund um die Uhr.
Was die Dokumente betrifft, beantragst du die ESTA online vor der Abreise. Bewahre ein Foto deines Reisepasses in deinem E-Mail-Postfach auf und verstaue zwei Bankkarten an unterschiedlichen Orten.
Das Budget: Was sich allein an den einzelnen Posten ändert
Allein teilst du weder das Zimmer noch die Fahrtkosten. Dafür entscheidest du alles selbst, und genau das senkt oft die Rechnung.
| Posten | Zu zweit pro Person | Allein | So sparst du |
|---|---|---|---|
| Übernachtungen | Die Hälfte eines Zimmers | Das ganze Zimmer | Frauenschlafsäle, Nächte bei Gastgeberinnen, Hotel als Belohnung |
| Stadtverkehr | Gleich | Gleich | Wochenkarte für die U-Bahn, zu Fuß gehen |
| Fahrdienst am Abend | Die Hälfte | Der gesamte Betrag | In einem Viertel schlafen, in dem du auch ausgehst |
| Essen | Gleich | Gleich | Reichhaltiges Mittagessen, Abendessen am Tresen, Supermärkte |
| Besichtigungen | Gleich | Gleich | Kostenlose Museen, lohnende Citypässe ab drei Besichtigungen |
Als grobe Orientierung solltest du in einer großen Stadt mit 120 bis 180 Dollar pro Tag rechnen, wenn du Hostels, Nächte bei Gastgeberinnen und einige Hotels kombinierst, ohne den Transatlantikflug. New York und San Francisco liegen am oberen Ende, Chicago und New Orleans am unteren. Denk an das Trinkgeld, das überall dazukommt: 18 bis 20 Prozent im Restaurant und ein bis zwei Dollar pro Glas an der Bar.
Die Checkliste, bevor du die Tür schließt
- Reiseplan mit einer Vertrauensperson geteilt, einschließlich der Adressen aller Unterkünfte.
- Die erste Nacht in einem zentralen Viertel gebucht und die Route vom Flughafen vorab geprüft.
- Anfragen für Unterkünfte bei Gastgeberinnen drei bis vier Wochen vor der Abreise verschickt.
- eSIM aktiviert, Standortfreigabe eingerichtet, Apps für Fahrdienste installiert und Bankkarte hinterlegt.
- Reiseversicherung mit hoher Deckung für medizinische Kosten in den USA.
- ESTA gültig, Passfoto online gespeichert, zwei getrennt aufbewahrte Bankkarten.
- Eine Kontaktperson, die bei der Ankunft in jeder neuen Stadt informiert wird: eine Nachricht von zehn Sekunden und alle schlafen besser.
Häufige Fragen
Ist es gefährlich, allein durch die USA zu reisen?
Nein, nicht mehr als in großen europäischen Reisezielen. Die allermeisten Aufenthalte verlaufen ohne Zwischenfall. Die sinnvollen Vorsichtsmaßnahmen sind ganz gewöhnlich: Wähle zum Schlafen ein zentrales Viertel, fahr abends per App-Fahrdienst zurück und halte dein Telefon geladen und verbunden.
Welche Stadt eignet sich für die erste Solo-Reise?
New York, Boston oder San Francisco. Dort kommst du ohne Auto aus, es gibt viele Hostels und täglich Besichtigungen oder Aktivitäten, bei denen du Menschen kennenlernen kannst.
Wie funktioniert die kostenlose Unterkunft bei Frauen?
Plattformen wie NomadSister bringen Reisende und Gastgeberinnen zusammen. Die Aufnahme ist kostenlos, die Profile werden anhand eines Identitätsnachweises geprüft und die Reisende zahlt einen Jahresbeitrag an die Plattform. Die Aufenthalte dauern ein bis vier Nächte, vor allem in Städten, und sollten mehrere Wochen im Voraus angefragt werden.
Kann man in den USA abends allein ausgehen?
Ja, das ist ganz üblich. Wähle belebte Viertel, Restauranttresen, Konzerte und Veranstaltungen der Hostels. Fahr anschließend lieber per App-Fahrdienst zurück, statt nachts zu Fuß oder mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs zu sein.
Braucht man für eine Solo-Reise durch die USA ein Auto?
Nicht in den großen Städten der Ostküste, in Chicago, San Francisco oder Seattle. Ein Auto wird unverzichtbar, sobald du die weiten Landschaften, Nationalparks oder kleineren Städte erkunden möchtest.
Wie lernt man allein andere Menschen kennen?
Hostels, geführte Spaziergänge, Kochkurse, Restauranttresen und Übernachtungen bei Gastgeberinnen sind die besten Ausgangspunkte. In den USA ist es völlig normal, eine Unbekannte einfach anzusprechen.