Wildtiere im Bryce Canyon: Welche Tiere du sehen kannst und wo
Bryce Canyon ist mehr als eine Kulisse aus rostfarbenen Hoodoos. Im Park wurden über 59 Säugetierarten, etwa 200 Vogelarten und Reptilien erfasst, die an die strengen Winter auf den Hochplateaus Utahs angepasst sind, denn hier liegt die Höhe bei über 2.400 m. Bei fünf Tieren gibt es besonders häufig etwas zu sehen: beim Utah-Präriehund, Kalifornienkondor, Maultierhirsch, Kojoten und Puma. Der Präriehund ist mit Abstand am leichtesten zu entdecken. Seine Kolonien besiedeln die großen Wiesen am Rim und sind zwischen Mai und Oktober kaum zu übersehen. Für alles rund um den Parkbesuch vermittelt unser kompletter Bryce-Canyon-Guide die wichtigsten Grundlagen.
Die charakteristischen Tiere des Bryce Canyon
Der Utah-Präriehund (Cynomys parvidens)

Er ist das Maskottchen des Parks und eine der schönen Überraschungen für alle, die nicht mit ihm rechnen. Der Utah-Präriehund ist eine gefährdete Art, und im Bryce Canyon befindet sich eine der größten Kolonien weltweit. Sein Name führt in die Irre: Er ist kein Hund, sondern ein gedrungenes Nagetier aus der Familie der Erdhörnchen. Sein Fell ist braun-beige, der Schwanz kurz und an der Spitze schwarz. Aufgerichtet erreicht er eine Höhe von etwa zwanzig Zentimetern. Sein schriller, wiederholter Warnruf klingt den ganzen Vormittag über die Wiesen.
Er lebt in Kolonien, die „towns“ genannt werden und manchmal mehrere hundert Tiere umfassen. Von November bis März hält er Winterschlaf. Von Mai bis September ist er ab Sonnenaufgang aktiv.
Wo du ihn beobachten kannst: Die Wiese zwischen Sunrise Point und Sunset Point ist sein Hauptgebiet. Schon im Morgengrauen sammeln sich dort Gruppen, die du vom Rim Trail aus ohne besondere Anstrengung sehen kannst.
Der Kalifornienkondor (Gymnogyps californianus)

Einer der seltensten und größten Vögel Nordamerikas: Seine Flügelspannweite beträgt 2,7 m, sein Gewicht bis zu 11 kg. In den 1980er-Jahren stand die Art kurz vor dem Aussterben, 1987 gab es nur noch 22 Exemplare. Seit den Wiederansiedlungsprogrammen im Süden Utahs kreisen regelmäßig markierte Tiere über den Canyonrändern. Du erkennst sie an ihrem vollständig schwarzen Gefieder, dem breiten weißen Bereich unter den Flügeln und dem leuchtend orangefarbenen Kopf der ausgewachsenen Vögel.
So unterscheidest du ihn von einem Bussard: Im Gleitflug hält der Kondor seine Flügel vollkommen waagerecht. Ein Bussard hebt sie leicht in V-Form an. Die außergewöhnliche Größe und die weiße Flügelunterseite sind auch aus großer Entfernung entscheidend.
Wo du ihn beobachten kannst: Bryce Point und Inspiration Point bieten die besten Sichtlinien zu den aufsteigenden Thermiken. Bei schönem Wetter gleiten die Kondore meist zwischen 10 und 15 Uhr. Eine Begegnung bleibt ein Ereignis und ist nicht garantiert.
Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)

Der Maultierhirsch ist unauffälliger als der Präriehund, aber das häufigste große Säugetier im Park. Seinen Namen verdankt er den großen, eselartigen Ohren. Die Männchen tragen von Juli bis Januar ein verzweigtes Geweih und werfen es anschließend ab. Ihr Fell reicht von Grau-Beige bis Grau-Braun, der Schwanz ist kurz und endet in einer schwarzen Spitze.
Bei einem Besuch am Sunset Campground begegnete ich im Morgengrauen einer Gruppe von drei Tieren, die weniger als zwanzig Meter entfernt war. Die Hirsche ließen sich von den Wanderern überhaupt nicht beeindrucken. Das bedeutet allerdings nicht, dass du dich ihnen nähern solltest.
Nicht mit dem Wapiti verwechseln: Wapitis kommen im Park vor, sind aber selten. Sie sind deutlich größer, mit einer Schulterhöhe von 1,4 m gegenüber etwa 1 m beim Maultierhirsch, und wirken wesentlich massiger.
Wo du ihn beobachten kannst: an Waldrändern neben den Wiesen, in der Nähe der Campgrounds und auf der UT-63-Zufahrtstraße, jeweils bei Sonnenaufgang und Sonnenuntergang.
Der Kojote (Canis latrans)

Der im amerikanischen Westen allgegenwärtige Kojote ist der vielseitige Räuber des Parks. Er jagt Präriehunde, Nagetiere und Hasen und ergänzt seinen Speiseplan mit Beeren und Aas. Tagsüber siehst du ihn nur selten, doch sein charakteristisches Heulen begleitet die Nächte im Bryce Canyon mit beruhigender Regelmäßigkeit.
Gibt es Wölfe im Bryce Canyon? Nein. Im Süden Utahs hat sich keine Wolfspopulation wieder angesiedelt, anders als in Yellowstone, wo die Wiederansiedlung 1995 begann. Wenn du im Park einen großen grauen Caniden siehst, handelt es sich um einen Kojoten. Seine Gestalt ist schlanker als die eines Deutschen Schäferhunds, sein Schwanz hängt herab, während der Wolf ihn waagerecht trägt, und sein beweglicher Gang unterscheidet ihn von einem streunenden Hund.
Der Puma (Puma concolor)

Er ist da, bleibt heimlich und wird nur selten gesehen. Der Puma ist ein einzelgängerischer, vor allem nachtaktiver Jäger, der den Maultierhirsch über große Reviere hinweg verfolgt. Sein einheitlich gelbbraunes, bei erwachsenen Tieren ungeflecktes Fell, der lange Schwanz und der runde Kopf mit kurzen Ohren machen ihn unverwechselbar, falls du das Glück hast, ihm zu begegnen. Im Frühjahr findest du manchmal vierzehige, krallenlose Spuren auf den verschneiten Trails.
Eine Begegnung am Tag ist außergewöhnlich und deutet oft auf ein gestresstes Tier hin. Wie du dich dann verhalten solltest, steht im Abschnitt zur Sicherheit.
Wo du im Bryce Canyon Tiere sehen kannst
Die Geografie des Parks konzentriert die Tierwelt auf einige klar erkennbare Bereiche.
Rim Trail zwischen Sunrise Point und Sunset Point: Die Wiese an diesem Weg gehört den Präriehunden. Für eine erste Begegnung ist sie kaum zu übertreffen.
Bryce Point und Inspiration Point: Diese beiden Aussichtspunkte liegen besonders günstig zu den Thermiken und eignen sich perfekt, um nach fliegenden Kondoren Ausschau zu halten. Komm vor 10 Uhr, um die ersten Starts zu sehen.
Fairyland Area im Norden des Parks: Dieser weniger frequentierte Bereich eignet sich besonders für Maultierhirsche und Waldvögel in den Ponderosa-Kiefernwäldern. Der Fairyland Loop Trail führt durch ruhige Zonen, die eilige Besucher nicht erreichen.
Swamp Canyon: Das Feuchtgebiet am Grund des Canyons ist über den Swamp Canyon Connecting Trail erreichbar. Es bietet gute Bedingungen für brütende Vögel und Säugetiere, die zum Trinken an die Wasserstellen kommen.
UT-63 und die Umgebung der Campgrounds: Maultierhirsche siehst du vom Auto aus besonders häufig im Morgengrauen. Fahre zwischen dem Eingang und dem Visitor Center langsamer als 45 km/h.
Der Wanderführer für den Bryce Canyon stellt die Trails mit dem besten Zugang zu den Wildtiergebieten und den jeweiligen Schwierigkeitsgraden vor.
Wann du Wildtiere beobachten kannst
Die beste Zeit: jeweils eine Stunde vor und nach Sonnenaufgang oder Sonnenuntergang. Die große Mehrheit der Säugetiere ist in diesen beiden Zeitfenstern aktiv. Suche tagsüber im Schatten der Kiefern.
Frühling im April und Mai: Die Präriehunde erwachen aus dem Winterschlaf, und Zugvögel treffen ein. Der noch feuchte Boden erleichtert das Lesen von Spuren.
Sommer von Juni bis August: Hochsaison für tagaktive Tiere. Die Präriehunde sind jetzt besonders aktiv. Die häufigen Gewitter am Nachmittag, vor allem im Juli und August, treiben die Tiere vor 14 Uhr in den Schutz der Bäume.
Herbst im September und Oktober: Die Hirsche sind in der Brunft, wodurch die Männchen aktiver und besser sichtbar werden. Überwinternde Weißkopfseeadler und Bussarde treffen ab Ende Oktober allmählich ein.
Winter von November bis März: Die Präriehunde halten Winterschlaf. Im Schnee lassen sich die Spuren von Puma und Kojote leichter erkennen. Überwinternde Greifvögel gleichen den Rückgang der Aktivität bei den Säugetieren teilweise aus.
Der Jahreszeitenkalender für den Bryce Canyon zeigt dir die besten Besuchszeiträume und die Bedingungen für jeden Monat.
Raubtiere und große Tiere im Bryce Canyon
Der Puma ist das einzige dauerhaft etablierte große Raubtier im Park. Schwarzbären (Ursus americanus) kommen ebenfalls vor, sind aber nicht häufig. Die Höhenlage des Plateaus und die geringe Dichte fruchttragender Pflanzen machen sie seltener als in Zion, das tiefer liegt. Vor allem im Herbst werden Tiere gemeldet, wenn sie vor dem Winterschlaf Vorräte anlegen.
Schwarzbär oder Grizzly? Im Bryce Canyon gibt es keine Grizzlys. Der Grizzly wurde im 20. Jahrhundert in Utah ausgerottet und nicht wieder angesiedelt. Wenn in der Region von einem „Braunbären“ die Rede ist, handelt es sich um einen Schwarzbären mit brauner Färbung. Das Fell des Schwarzbären kann je nach Tier von Schwarz bis zu gelbbraun reichen, daher reicht die Farbe allein nicht zur Bestimmung der Art.
Das größte Tier im Park ist der Wapiti (Cervus canadensis), dem du gelegentlich in den bewaldeten Gebieten in großer Höhe begegnest. Eine Schulterhöhe von 1,4 m und das imposante Geweih der Männchen machen eine Verwechslung praktisch unmöglich.
Wildtiere sicher beobachten
Die folgenden Regeln stammen vom NPS und von Leave No Trace. Es handelt sich nicht um bloße Empfehlungen: Verstöße können eine Geldstrafe nach sich ziehen, und ein wildes Tier, das gefüttert wurde, muss möglicherweise eingeschläfert werden.
Vorgeschriebene Mindestabstände:
- 23 Meter (75 Fuß) zu jedem wilden Tier, auch zu Präriehunden, selbst wenn sie besonders „zahm“ wirken.
- 91 Meter (100 Yards) zu Bären und Pumas im Fall einer Begegnung.
Füttere niemals ein Tier. Ein Präriehund, der aus der Hand frisst, ist ein zum Tode verurteilter Präriehund. Er verliert seinen Fluchtinstinkt, wird gegenüber Besuchern aggressiv und muss schließlich eingeschläfert werden.
Wenn du einem Puma begegnest: Lauf nicht weg, denn das löst seinen Jagdinstinkt aus. Mach dich groß, halte Blickkontakt und sprich mit fester Stimme. Geh langsam rückwärts, ohne ihm den Rücken zuzuwenden. Wenn das Tier angreift, wehr dich energisch.
Wenn du einem Schwarzbären begegnest: Es gilt dasselbe. Lauf nicht weg. Sprich ruhig, bewege die Arme und geh zurück, ohne zu rennen. Ein Schwarzbär sucht nur selten die Auseinandersetzung.
Auf dem Campground: Bewahre alle Lebensmittel und Produkte mit Geruch, etwa Zahnpasta und Sonnencreme, in den Bear Boxes auf, die an jedem Stellplatz bereitstehen. Lass nichts sichtbar in einem Fahrzeug liegen.
Die übrigen geltenden Regeln des Parks zu Fortbewegung, Camping und Zugang findest du in den entsprechenden Guides.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen
Der Utah-Präriehund ist die fast sichere Begegnung. Geh an jedem beliebigen Morgen zwischen Mai und Oktober zur Wiese zwischen Sunrise Point und Sunset Point. Für den Kalifornienkondor hast du bei schönem Wetter zwischen 10 und 15 Uhr am Bryce Point die besten Chancen, also bring Geduld mit. Maultierhirsche siehst du in der Dämmerung an Waldrändern, besonders in der Nähe der Campgrounds. Den Kojoten hörst du vor allem nachts. Der Puma bleibt die glückliche, oder je nach Sichtweise unglückliche, Ausnahme.
Häufige Fragen
Gibt es im Bryce Canyon wilde Tiere?
Im Bryce Canyon leben tatsächlich viele wilde Tiere. Im Park wurden über 59 Säugetierarten erfasst, darunter der Utah-Präriehund, der Maultierhirsch, der Kojote, der Puma und der Schwarzbär. Bei den Vögeln gibt es etwa 200 Arten, darunter den Kalifornienkondor.
Gibt es im Bryce Canyon Bären?
Ja, Schwarzbären (Ursus americanus) kommen im Park vor, doch wegen der großen Höhe des Plateaus bleiben Begegnungen selten. In der Region gibt es keine Grizzlys. Die Art wurde im vergangenen Jahrhundert in Utah ausgerottet und nicht wieder angesiedelt.
Gibt es im Bryce Canyon Wölfe?
Nein, im Bryce Canyon gibt es keine Wölfe. Anders als in Yellowstone, wo die Wiederansiedlung bereits 1995 stattfand, gibt es im Süden Utahs keine etablierte Wolfspopulation. Der große Canide, den du im Park beobachten kannst, ist der Kojote.
Welches Tier ist im Bryce Canyon am häufigsten?
Der Utah-Präriehund wird im Park am häufigsten beobachtet. Seine Kolonien besiedeln die Wiesen am Rim und sind von Mai bis Oktober praktisch den ganzen Tag über sichtbar.
Was ist das größte Tier im Bryce Canyon?
Der Wapiti (Cervus canadensis) ist mit einer Schulterhöhe von bis zu über 1,4 m bei ausgewachsenen Männchen das größte Säugetier des Parks. Er kommt seltener vor als der Maultierhirsch, lebt aber in den bewaldeten Gebieten in großer Höhe.
Welche Raubtiere gibt es im Bryce Canyon?
Der Puma, auch Berglöwe genannt, ist das wichtigste Raubtier des Parks. Bei kleineren Beutetieren folgt der Kojote. Der Schwarzbär ist ein Allesfresser und greift große Tiere nur selten an. Greifvögel, allen voran Steinadler und Wanderfalke, ergänzen das Bild.
Welche Tiere sind nachts im Bryce Canyon unterwegs?
Pumas, Kojoten, Fledermäuse und mehrere Nagetierarten, darunter Mäuse und Felsenratten, sind vor allem nach Sonnenuntergang aktiv. Der Virginia-Uhu geht bereits bei Einbruch der Dunkelheit auf die Jagd. Die Nacht im Bryce Canyon lohnt sich auch wegen des Himmels: Der Park ist von der International Dark-Sky Association als Zone 1 zertifiziert, der höchsten Stufe der Dunkelheit.