Tiere im Black Canyon of the Gunnison: Welche Tiere du sehen kannst und wo
Der Black Canyon of the Gunnison ist nicht nur ein geologischer Abgrund. Seine steilen Felswände, knorrigen Eichenbestände und der 300 Meter tiefer fließende Gunnison River bilden ein vollständiges Ökosystem, das deutlich stärker belebt ist, als man von den Overlooks aus vermuten würde. Fünf Arten prägen das Bild: das Dickhornschaf, das sich geschickt an den Klippen bewegt, das Maultierhirsch, den du überall und zu jeder Tageszeit sehen kannst, der Puma, der nachtaktiv und scheu ist, der Schwarzbär, vor allem an der North Rim, und der Wanderfalke, der in den senkrechten Felswänden brütet. Mit einem Fernglas und einem Wecker, der vor Sonnenaufgang klingelt, kann sich jeder Besuch in eine denkwürdige Begegnung verwandeln.
Die typischen Tiere des Black Canyon of the Gunnison
Das Dickhornschaf (Ovis canadensis)

Das Dickhornschaf ist der offizielle Akrobat des Black Canyon. Seine Hufe mit harten Rändern und weichen Sohlen erlauben ihm, Hänge zu überwinden, auf denen wir sofort stehen bleiben würden. Die Männchen tragen vollständig spiralförmige Hörner, die gut zu erkennen sind. Die Weibchen haben kurze, gerade Hörner. Meist entdeckst du sie an den Kanten der South Rim und an den Hängen zwischen den beiden Rims, gewöhnlich in Gruppen von fünf bis fünfzehn Tieren. Früh am Morgen, vor 8 Uhr, steigen sie zu den Feuchtgebieten hinab und später wieder auf die höheren Hänge.
Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)

Der Maultierhirsch ist das Tier, dem du im Park unabhängig von der Jahreszeit am häufigsten begegnest. Seinen Namen verdankt er den großen aufrecht stehenden Ohren, die an die eines Maultiers erinnern. Ein nützliches Erkennungsmerkmal: Sein Geweih teilt sich in symmetrische Gabeln, anders als das des Weißwedelhirschs, dessen Geweih sich an einer Hauptstange verzweigt. Du beobachtest sie im Morgengrauen und in der Abenddämmerung an den Straßenrändern beider Rims, manchmal nur wenige Meter von den Parkplätzen entfernt. Ihre fast ständige Präsenz ist ein guter Einstieg in die Beobachtung der heimischen Tierwelt.
Der Schwarzbär (Ursus americanus)

Trotz seines Namens kann der Schwarzbär im Black Canyon je nach Tier auch braun, zimtfarben oder sogar blond sein. Die Farbe ist daher kein zuverlässiges Merkmal. Er hält sich vor allem im Gebiet der North Rim auf, das stärker bewaldet und weniger besucht ist als die South Rim, sowie in den Oakbrush genannten Dickichten aus Zwerg-Eichen an den mittleren Hängen. Als Allesfresser ernährt er sich je nach Jahreszeit hauptsächlich von Beeren, Gräsern, Insekten und Aas. Im Park ist er von März bis November aktiv, den Rest des Jahres hält er Winterschlaf.
Der Puma (Puma concolor)

Der Puma kommt im Park vor, lässt sich aber nur selten von vorn sehen. Als dämmerungs- und nachtaktiver Jäger versteht er es meisterhaft, zwischen den Felsen zu verschwinden. Er jagt vor allem Maultierhirsche und trägt dazu bei, die Bestände der Pflanzenfresser zu regulieren. Als wir bei Tagesanbruch auf der Gunnison Route unterwegs waren, fanden wir nur seine runden Pfotenabdrücke mit vier Zehen und ohne sichtbare Krallen, wie sie für Katzen typisch sind. Wenn du eine hellbraune, langgestreckte Gestalt siehst, die zwischen zwei Felsblöcken verschwindet, ist es ein Puma. Eine direkte Beobachtung am Tag bleibt selten.
Der Wanderfalke (Falco peregrinus)

Der Black Canyon ist ein bestätigter Brutplatz des Wanderfalken. Er gehört zu den wenigen Greifvögeln, die so senkrechte Wände nutzen können, um dort ihren Horst anzulegen. Tatsächlich baut er keinen, sondern verwendet natürliche Felsvorsprünge. Sein Jagdsturz erreicht mehr als 300 km/h. Von März bis Juli richtet der NPS um die Brutplätze Bereiche mit eingeschränktem Zugang ein. Halte dich daran. Ein Fernglas ist unerlässlich, um ihn zu entdecken. Er ist ein weißer und grauer Blitz, der dicht an den Klippen entlangschießt und dann wieder steil nach oben steigt.
Wo du die Tiere im Black Canyon sehen kannst
South Rim: Die Overlooks Gunnison Point, Chasm View und Painted Wall View sind die am einfachsten zugänglichen Stellen für Maultierhirsche und Dickhornschafe. Abends steigen die Hirsche oft zu den Parkplätzen hinab. Der Picknickbereich von High Point liefert regelmäßig Beobachtungen, darunter auch brütende Singvögel in den Kiefernwäldern. Eine Auswahl an Wanderwegen entlang der besten Beobachtungspunkte findest du in der Auswahl der Wanderungen im Black Canyon of the Gunnison.
North Rim: Die North Rim ist abgelegener und deutlich weniger besucht und bietet die besten Chancen, Schwarzbären in den dichten Eichenbeständen zu beobachten. Der North Vista Trail führt an Aussichtspunkten vorbei, von denen du die Felswände mit den Brutplätzen der Wanderfalken siehst. Auch Amerikanische Dachse (Taxidea taxus) und Rotluchse (Lynx rufus) kannst du dort antreffen, wenn sie im Morgengrauen aktiv sind. Die North Rim Road wird normalerweise Mitte November geschlossen und Anfang Mai wieder geöffnet.
Am Grund des Canyons: Im Gunnison River leben Fischotter (Lontra canadensis), die in Colorado wieder angesiedelt wurden. Sie zu beobachten ist ein besonderes Erlebnis. Der Zugang zum Grund des Canyons über Gunnison Route und East Portal ist anspruchsvoll und wenig besucht, sodass die Tiere dort ihre Ruhe haben. Du kannst dort auch den Wasseramsel (Cinclus mexicanus) entdecken, diesen ungewöhnlichen Vogel, der taucht und buchstäblich auf dem Grund der Wildbäche läuft.
In der Luft: Die Felswände ziehen Truthahngeier (Cathartes aura) an, die in weiten Kreisen auf Höhe der Rims gleiten, sowie Rußsegler (Cypseloides niger), die in den senkrechten Felsspalten brüten.
Wann du die Tierwelt im Black Canyon beobachten kannst
Morgengrauen und Abenddämmerung bleiben die besten Zeiten für Säugetiere. Maultierhirsche und Dickhornschafe sind schon bei Sonnenaufgang unterwegs. Der Puma, der streng dämmerungs- und nachtaktiv ist, hat die Wege längst verlassen, wenn du erst nach 8 Uhr losgehst.
Die nachtaktive Tierwelt ist vielfältig. Große Braune Fledermäuse (Eptesicus fuscus) kommen bei Einbruch der Dunkelheit heraus und jagen Insekten über den Rims. Der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) lebt an den Klippenrändern und ist nach Einbruch der Nacht an seinem tiefen „Huhuu“ zu erkennen. Der Park ist als Dark-Sky-Gebiet ausgewiesen. Die Overlooks an der South Rim sind ideal, um astronomische Beobachtungen mit dem Lauschen auf nachtaktive Tiere zu verbinden.
Für eine vollständige Übersicht nach Monaten findest du die klimatischen Zeitfenster und die Phänologie der Arten im Black Canyon.
Frühling (April bis Mai): Schwarzbären erwachen aus dem Winterschlaf, Wanderfalken brüten und Dickhornschafe sind mit ihren Jungen unterwegs. Sommer: Alle Arten sind aktiv, doch die Nachmittagshitze von bis zu 32 °C treibt die Säugetiere zwischen 11 und 16 Uhr in den Schatten. Herbst: Brunft der Maultierhirsche im Oktober, ideale Bedingungen für Beobachtungen. Winter: Die North Rim ist geschlossen. Die Tierwelt bleibt an der rund um die Uhr geöffneten South Rim präsent.
Raubtiere und große Tiere im Park
Der Puma ist das Spitzenraubtier an Land im Black Canyon. Er reguliert die Bestände von Maultierhirschen und Dickhornschafen und erhält damit ein Gleichgewicht, das dem gesamten Ökosystem zugutekommt. Der Schwarzbär nimmt eine ähnliche Stellung ein, doch seine überwiegend pflanzliche Ernährung gibt ihm eine andere Rolle: Er verbreitet Samen, lockert den Boden und nutzt Gelegenheiten als vielseitiger Allesfresser.
In der Luft beherrscht der Wanderfalke die Nahrungskette der Vögel. Auch Swainsonbussarde (Buteo swainsoni) und Steinadler (Aquila chrysaetos) werden über dem Canyon beobachtet, besonders während des Frühjahrs- und Herbstzugs.
Das größte in der Gegend beobachtete Landsäugetier ist der Wapiti (Cervus canadensis), dessen Männchen bis zu 300 kg wiegen können. Er hält sich in der Umgebung des Parks auf und wagt sich im Herbst manchmal auf die Rims.
Bei den Reptilien kommt die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) an sonnigen Hängen vor. Sie ist giftig, aber nicht aggressiv, solange du sie nicht überraschst. Sicherheitsabstand: mindestens 2 Meter. Versuche nicht, sie wegzubewegen oder aus kurzer Distanz zu fotografieren.
Tiere sicher beobachten
Mindestabstände: Halte mindestens 25 Meter Abstand zu Hirschen, Dickhornschafen und anderen Pflanzenfressern, bei Schwarzbären und Pumas mindestens 90 Meter. Die praktische NPS-Regel lautet: Wenn das Tier sein Verhalten ändert, etwa stehen bleibt, dich ansieht oder die Richtung wechselt, bist du bereits zu nah. Bei brütenden Wanderfalken hältst du dich ausnahmslos von den vom Park markierten Bereichen fern.
Tiere niemals füttern: Das gilt auch für Goldmantelziesel (Callospermophilus lateralis), die niedlich sind, aber möglicherweise Beulenpest übertragen. Menschliche Nahrung gewöhnt Tiere daran, sich Besuchern zu nähern. Das führt meist dazu, dass sie getötet werden müssen.
Begegnung mit einem Bären: Bleib ruhig, sprich mit fester Stimme und lauf niemals weg. Geh langsam rückwärts und behalte den Bären im Blick. Wenn er angreift, bleib stehen. Die große Mehrheit solcher Angriffe sind Scheinangriffe. Verwende Bärenspray, wenn der Abstand weniger als 5 Meter beträgt.
Begegnung mit einem Puma: Lauf nicht weg. Mach dich so groß wie möglich, indem du die Jacke öffnest und die Arme hebst, halte Blickkontakt und sprich laut. Hebe Kinder hoch, ohne dich nach unten zu beugen. Wenn das Tier angreift, wehre dich aktiv mit allem, was du in Reichweite findest.
Für die Aufbewahrung von Lebensmitteln, die Campingregeln und alle Sicherheitsvorgaben für das Übernachten im Freien findest du weitere Informationen im Reiseführer zum Black Canyon of the Gunnison.
Kurz zusammengefasst: Die fünf Arten, die du im Black Canyon nicht verpassen solltest, sind das Dickhornschaf, an der South Rim und North Rim im Morgengrauen, der Maultierhirsch, der überall und zu jeder Tageszeit vorkommt, der Puma, der nachtaktiv ist und eher durch Spuren als durch direkte Begegnungen auffällt, der Schwarzbär an der North Rim im Frühling und Herbst sowie der Wanderfalke an den senkrechten Felswänden von März bis Juli. Ein Wecker vor Sonnenaufgang und ein 8 x 42-Fernglas sind die beste Ausrüstung für die Tierbeobachtung.
Häufige Fragen
Welche Tiere leben im Black Canyon of the Gunnison?
Im Black Canyon of the Gunnison leben rund 60 Säugetierarten und mehr als 170 erfasste Vogelarten. Zu den charakteristischen Arten gehören Dickhornschaf, Maultierhirsch, Schwarzbär, Puma, Wanderfalke, Fischotter am Grund des Canyons, Große Braune Fledermäuse am Abend und die Prärieklapperschlange an sonnenexponierten Hängen.
Gibt es Pumas im Black Canyon of the Gunnison?
Ja. Der Puma ist hier heimisch und ein fester Bestandteil der Nahrungskette des Parks. Direkte Beobachtungen sind selten, weil er dämmerungs- und nachtaktiv ist und sich sehr gut in Felsen und Gebüsch versteckt. Fotofallen des NPS bestätigen, dass er regelmäßig vorkommt.
Welches Tier ist im Black Canyon am häufigsten?
Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) ist die Tierart, der du am häufigsten begegnest. Du kannst ihn zu jeder Tageszeit an beiden Rims sehen, auch direkt bei den Einrichtungen des Parks.
Welches ist das größte Tier im Black Canyon?
Der männliche Wapiti (Cervus canadensis) ist mit einem Gewicht von bis zu 300 kg das größte in der Gegend beobachtete Säugetier. Er hält sich hauptsächlich in der Umgebung des Parks auf. An den Rims ist der erwachsene Maultierhirsch mit 90 bis 150 kg das größte Tier, das regelmäßig zu sehen ist.
Welche Raubtiere gibt es im Black Canyon?
Die wichtigsten Raubtiere an Land sind Puma und Schwarzbär. In der Luft regulieren Wanderfalke, Steinadler und mehrere Bussardarten die Bestände von Vögeln und kleinen Säugetieren. Die Prärieklapperschlange ist das einzige giftige Reptil im Park.
Welche Tiere sind nachts im Black Canyon unterwegs?
Puma, Große Braune Fledermäuse, Virginia-Uhu, Rotluchs und verschiedene Nagetierarten sind vor allem nach Sonnenuntergang aktiv. Die Overlooks an der South Rim eignen sich bei Einbruch der Dunkelheit ideal, um jagende Fledermäuse zu beobachten. Die Ruhe und die geringe Lichtverschmutzung des Parks erleichtern außerdem das Lauschen auf nachtaktive Greifvögel.