Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Ein männliches Dickhornschaf steht auf einem Felsvorsprung zwischen den roten Klippen und Wacholdern des Parks.

Wildtiere in Arches: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von Jocelyn Pion · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Arches

Arches überrascht. Du kommst wegen der Sandsteinbögen und erinnerst dich später an das Dickhornschaf, das zwei Meter vom Straßenrand entfernt stand, oder an den Raben, der den gerade ausgepackten Sandwich im Blick hatte. Diese Hochwüste in Utah ist keine leere Wüste. Sie beherbergt eine an extreme Bedingungen gewöhnte Tierwelt, die im Sommer 40 °C und im Januar Frost aushält. Fünf Tiere machen den Großteil der Beobachtungen im Park aus: das Wüsten-Dickhornschaf, der Maultierhirsch, der Kojote, der Kolkrabe und der Halsbandleguan. Das erste ist das Wahrzeichen des Parks, die beiden letzten wirst du fast sicher sehen.

Die typischen Tiere von Arches

Das Wüsten-Dickhornschaf (desert bighorn sheep)

Siebdruck-Illustration: Ein männliches Dickhornschaf steht auf einem Felsvorsprung zwischen den roten Klippen und Wacholdern des Parks.

Es ist das Aushängeschild von Arches. Die Wüsten-Unterart (Ovis canadensis nelsoni) wäre im 20. Jahrhundert in der Region beinahe verschwunden, bevor sie erfolgreich wiederangesiedelt wurde. Heute teilen sich mehrere Dutzend Tiere die Klippen und Canyons des Parks. Erwachsene Männchen tragen gebogene Hörner, deren Spannweite über einen Meter betragen kann. Die Weibchen haben kurze, gerade Hörner und lassen sich dadurch auf den ersten Blick unterscheiden. Das Dickhornschaf bewegt sich an Hängen, die unpassierbar wirken. Seine gespaltenen Hufe mit haftenden Sohlen finden auf dem Sandstein ganz selbstverständlich Halt. Halte bei Sonnenaufgang oder am späten Nachmittag entlang der Hauptstraße im Bereich von Courthouse Towers oder an den von The Windows Section aus sichtbaren Felswänden Ausschau nach ihnen.

Der Maultierhirsch (mule deer)

Siebdruck-Illustration: Ein großohriger Maultierhirsch durchquert ruhig das Wüstengebüsch vor einer roten Sandsteinwand.

Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) verdankt seinen Spitznamen den großen, aufgerichteten Ohren, die an die eines Maultiers erinnern. Er ist der häufigste Hirsch des gesamten amerikanischen Westens, und Arches bildet keine Ausnahme. Meist siehst du ihn allein oder in einer kleinen Gruppe, wenn er morgens oder abends die spärliche Vegetation in den tieferen Lagen abweidet. Außerhalb der Brunft im November und Dezember leben Männchen und Weibchen getrennt. Ihr rotbraunes Fell wird im Winter grauer und hebt sich dadurch weniger vom roten Sandstein ab. Ein Fernglas macht den Unterschied.

Der Kojote

Siebdruck-Illustration: Ein einzelner Kojote bewegt sich im tiefen Morgenlicht durch das trockene Wüstengras.

Der Kojote (Canis latrans) passt sich an alles an, und Arches bildet auch hier keine Ausnahme. Er wird leicht mit einem schlanken Deutschen Schäferhund verwechselt, unterscheidet sich von ihm aber durch einen buschigen, tief getragenen Schwanz, eine schmale Schnauze und zierliche Beine. Er ernährt sich von Nagetieren, Echsen und Aas, leider auch von menschlichen Abfällen, wenn du sie ihm zugänglich lässt. Er ist vor allem in der Dämmerung und nachts aktiv, doch außerhalb der Hauptsaison kannst du ihm auch tagsüber begegnen. Sein gemeinsamer „Gesang“, der nachts vom Campingplatz herüberklingt, ist ein akustisches Erlebnis, das sich nur schwer als gewöhnlich einordnen lässt.

Der Kolkrabe (common raven)

Siebdruck-Illustration: Ein schwarzer Kolkrabe sitzt auf einer Drehkiefer und überblickt die roten Sandsteinformationen des Parks.

Der Kolkrabe (Corvus corax) ist im ganzen Park anzutreffen: auf Parkplätzen, entlang der Trails und auf einem Felsen, wo er die Wanderer mit zerstreutem, berechnendem Blick beobachtet. Von der Krähe unterscheidest du ihn an seiner deutlich größeren Körperlänge von 60 cm gegenüber 45 cm, an der struppigen Kehle und am rautenförmigen Schwanz, der im Flug sichtbar ist. Er frisst, was er findet, und ist deshalb ein Experte darin, vergessene Picknickreste aufzuspüren. Füttere ihn nicht. Das ist verboten und gewöhnt ihn daran, Menschen anzubetteln, bis er aggressives Verhalten zeigt.

Der Halsbandleguan (collared lizard)

Siebdruck-Illustration: Eine leuchtend gefärbte Halsbandleguan sonnt sich auf einer orangefarbenen Sandsteinplatte.

Der Östliche Halsbandleguan (Crotaphytus collaris) ist der farbenprächtige Star von Arches. Ein ausgewachsenes Männchen trägt einen leuchtend grünen oder türkisfarbenen Rücken, einen orangefarbenen Bauch und zwei deutlich sichtbare schwarze Halsbänder. Er kann bis zu 35 cm lang werden und läuft bei höherem Tempo auf den Hinterbeinen, was ihm ein ausgesprochen prähistorisches Aussehen verleiht. Du findest ihn auf sonnenbeschienenen Felsen, wo er sein Revier mit charakteristischen Serien von Liegestützen verteidigt. Weibchen und Jungtiere sind braungrau und unauffälliger. In der Fortpflanzungszeit zeigen sie einige orangefarbene Flecken.

Wo du Tiere in Arches sehen kannst

Der Park ist kompakt und umfasst 310 km², doch die Tierwelt ist nicht gleichmäßig verteilt. Einige Bereiche bieten besonders gute Beobachtungsmöglichkeiten:

Courthouse Towers am Eingang, direkt hinter dem Visitor Center: Hier halten sich Dickhornschafe besonders gern auf. Scanne von der Hauptstraße aus die Sandsteinwände mit einem Fernglas. Die Tiere sind gut getarnt, bewegen sich morgens aber regelmäßig.

Die Hauptstraße zum Delicate Arch: Maultierhirsche halten sich in der Morgendämmerung gern an den Rändern dieses Abschnitts auf. Die Sagebrush-Vegetation liefert ihnen Nahrung und Deckung.

Der Parkplatz am Balanced Rock: Kolkraben sind hier überall. Ranger melden in diesem Bereich regelmäßig einen vorbeiziehenden Kojoten.

Felsvorsprünge entlang aller Trails: Jeder sonnige Felsen kann einem Halsbandleguan oder einem Westlichen Zaunleguan (Uta stansburiana) als Platz dienen. Letzterer ist deutlich kleiner und noch häufiger.

Bei nachtaktiven Arten wie Kängururatten oder Ringtails erhöht ein Ausflug in der Dämmerung mit einer Stirnlampe und rotem Licht entlang der felsigen Bereiche deine Chancen. Der Wanderführer für Arches nennt die Trails, die sich am Abend eignen, sowie die Geländebedingungen in den einzelnen Bereichen.

Wann du sie beobachten kannst

Die Regel der Hochwüste gilt ohne Ausnahme: Die Aktivität der Tiere richtet sich nach der Hitze, nicht nach dem Kalender. Im Sommer von Juni bis August steigen die Temperaturen mittags regelmäßig über 38 °C. Dickhornschafe, Hirsche und Kojoten sind dann hauptsächlich in der Dämmerung aktiv. Geh vor 8 Uhr oder nach 18 Uhr los, wenn du gute Beobachtungen machen möchtest. Echsen mögen die Wärme und bleiben länger aktiv, verschwinden aber ebenfalls während der heißesten Stunden.

Der Frühling von April bis Mai ist das ideale Zeitfenster. Die Tagestemperaturen liegen zwischen 15 °C und 27 °C, die Tiere sind einen großen Teil des Tages aktiv und die Vegetation bietet mehr Nahrung. Dadurch zieht es die Tiere in Bereiche, die von markierten Trails aus erreichbar sind. Der Herbst von Mitte September bis Oktober ist eine sehr gute Alternative. Die Brunft der Dickhornschafe beginnt allerdings erst Ende November.

Für Zugvögel ist der Frühling die beste Jahreszeit. Im Laufe des Jahres wurden im Park mehr als 300 Arten erfasst. Wanderfalke (Falco peregrinus), Virginia-Uhu (Bubo virginianus), Turmfalke und Truthahngeier gehören zu den regelmäßig vorkommenden Arten. Der Jahreszeitenführer für Arches beschreibt die Bedingungen im Park für jede Jahreszeit, mit erwarteten Temperaturen und Tipps für die Planung.

Raubtiere und große Tiere in Arches

Arches ist nicht Yellowstone. Hier begegnen dir weder Grizzlys noch Wölfe. Das größte Raubtier des Parks ist der Puma (Puma concolor), der auf Englisch mountain lion oder cougar heißt. Er kommt auf dem gesamten Colorado Plateau vor, auch im Hinterland von Arches, doch Begegnungen bleiben sehr selten. Der Puma ist scheu, vor allem nachts aktiv und meidet Menschen von Natur aus. Die Ranger ordnen Vorfälle in die Kategorie „Ausnahmen“ ein.

Der bereits erwähnte Kojote ist tatsächlich das am häufigsten gesichtete Raubtier. Er jagt kleine Nagetiere, Echsen und Vögel am Boden. Der Truthahngeier übernimmt die Rolle des fliegenden Aasfressers. Seine Flügelspannweite beträgt mehr als 1,80 m, und sein V-förmiger Gleitflug macht ihn schon von Weitem erkennbar, noch bevor du seinen charakteristischen roten Kopf siehst.

Im Park gibt es weder Schwarzbären noch Grizzlys. Wenn dein Roadtrip dich anschließend in Parks führt, in denen Bären vorkommen, etwa Grand Teton oder Glacier, informiere dich dann über die örtlichen Vorgaben.

Wildtiere sicher beobachten

Der NPS hat klare Regeln festgelegt, und das aus gutem Grund. Vorfälle passieren fast immer, wenn Besucher den Tieren zu nahe kommen oder sie füttern.

Vorgeschriebener Mindestabstand: 30 m zu Hirschen, Kojoten und Vögeln, 50 m zu Dickhornschafen und allen großen Tieren. Wenn ein Tier sein Verhalten ändert, etwa aufhört zu grasen, den Kopf zu dir hebt oder die Richtung wechselt, bist du bereits zu nah. Geh ohne Hast zurück.

Niemals füttern: Das ist laut Parkordnung absolut verboten und kann mit einer Geldstrafe geahndet werden. Wenn du einen Raben oder ein Erdhörnchen fütterst, gewöhnt es sich daran, Menschen anzubetteln. Das bringt die Tiere in Gefahr, etwa durch Verkehrsunfälle oder aggressives Verhalten, und stört ihre natürliche Ernährung.

Schlangen: Die Prärieklapperschlange (Crotalus viridis) kommt im Park vor. Auch sie geht dem Kontakt aus dem Weg. Achte auf den Trails darauf, wohin du trittst, besonders unter Felsblöcken und nahe schattiger Spalten. Bei einem Biss darfst du die Wunde nicht aussaugen und keinen Druckverband anlegen. Begib dich sofort zum Visitor Center oder ruf den Rettungsdienst.

Skorpione: Für gesunde Erwachsene sind sie wenig gefährlich, doch ihr Stich tut weh. Schüttle nachts Schuhe und Kleidung aus, die auf dem Boden gelegen haben, bevor du sie anziehst. Das gilt auch im Zelt, wenn du es offen lässt.

Stirnlampe: Sie ist für jeden Ausflug in der Dämmerung unverzichtbar. Richte sie auf den Boden. So vermeidest du, auf eine Echse zu treten, und Skorpione leuchten unter UV-Licht leicht auf, falls deine Lampe damit ausgestattet ist.

Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen

Art Bester Bereich Beste Zeit
Wüsten-Dickhornschaf Courthouse Towers, The Windows Section Sonnenaufgang, Dämmerung
Maultierhirsch Hauptstraße, Randbereiche der Trails Sonnenaufgang, Dämmerung
Kojote Im gesamten Park Dämmerung, Nacht
Kolkrabe Parkplätze, Picknickbereiche Den ganzen Tag
Halsbandleguan Sonnige Felsen, alle Bereiche 10 bis 14 Uhr im Frühling und Herbst
Puma Hinterland Nacht, äußerst seltene Beobachtung
Wanderfalke Klippen von Courthouse Frühling

Unser vollständiger Arches-Führer bündelt alle verfügbaren Informationen, damit du deinen Besuch von A bis Z vorbereiten kannst.

Häufige Fragen

Welche Tiere sind typisch für Arches?

Zu den typischen Tieren im Arches National Park gehören das Wüsten-Dickhornschaf (desert bighorn sheep), der Maultierhirsch, der Kojote, der Kolkrabe und der Östliche Halsbandleguan. Das nach seinem beinahe vollständigen Verschwinden in der Region wiederangesiedelte Dickhornschaf ist das Wahrzeichen des Parks.

Welches Tier ist in Arches am häufigsten?

Das häufigste Tier in Arches ist der Kolkrabe, der das ganze Jahr über in allen Bereichen des Parks vorkommt. Unter den Reptilien ist der Westliche Zaunleguan am weitesten verbreitet. Bei den Säugetieren begegnest du am ehesten einem Kojoten.

Welches ist das größte Tier in Arches?

Das größte Tier in Arches ist der Puma (mountain lion), der bis zu 90 kg wiegen kann. Unter den häufig beobachteten Arten sind ausgewachsene Dickhornschafböcke die schwersten Säugetiere. Manche Tiere wiegen mehr als 100 kg.

Welche Raubtiere gibt es in Arches?

Die wichtigsten Raubtiere in Arches sind der selten gesichtete Puma und der deutlich sichtbarere Kojote. Greifvögel wie Wanderfalke, Amerikanischer Turmfalke und Virginia-Uhu ergänzen das Bild. Der Truthahngeier kommt ebenfalls vor, ernährt sich aber ausschließlich von Aas.

Welche Tiere sind nachts in Arches unterwegs?

Nachts sind in Arches Kojoten, Kängururatten, Ringtails, Skorpione und Klapperschlangen aktiv. Bei Vollmond kannst du vom Campingplatz aus eine Weile draußen sitzen. Dabei hörst du mindestens die Kojoten und siehst manchmal einen am Rand der beleuchteten Bereiche.

Gibt es Bären in Arches?

Im Arches National Park gibt es weder Schwarzbären noch Grizzlys. Das größte Raubtier der Region ist der Puma, der sehr scheu ist und von Besuchern nur selten gesehen wird. Besondere Vorsichtsmaßnahmen wegen Bären sind in diesem Park daher nicht nötig.