Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Wanderer steigen die Serpentinen des Cascade Pass Trail hinauf, den Gletschern und Gipfeln des Johannesburg Mountain gegenüber.

Reiseplan für die North Cascades: Was siehst du in 1, 2 oder 3 Tagen?

Von Victoria Boissonade · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer North Cascades

Die North Cascades sind mit nichts zu vergleichen, was du sonst kennst. Dieser Nationalpark im Bundesstaat Washington vereint mehr als 300 Gletscher, tief eingeschnittene Täler und eine Bergkette, die scharf zwischen einer regenreichen Westseite und einer trockenen Ostseite trennt. Für die wichtigsten Sehenswürdigkeiten solltest du mindestens zwei Tage einplanen: einen Tag auf dem Korridor der State Route 20 mit seinen Seen und Aussichtspunkten und einen weiteren für eine Wanderung in höheren Lagen oder einen Abstecher nach Stehekin. Drei Tage geben dir Zeit zum Durchatmen und dafür, den Park wirklich auf dich wirken zu lassen.

Wie viel Zeit brauchst du für die North Cascades?

Ein Tag reicht aus, um den North Cascades Highway (SR 20) von einem Ende zum anderen zu fahren und an den bekanntesten Aussichtspunkten anzuhalten. Du siehst schöne Panoramen, bleibst aber die meiste Zeit im Auto.

Zwei Tage sind der beste Mittelweg: Du kombinierst die Passstraße, mindestens eine Wanderung und den Sonnenuntergang an Ross Lake oder Diablo Lake.

Drei Tage oder mehr geben dir Zeit, Stehekin zu erreichen, das nur per Fähre oder Charterflug zugänglich ist, die hoch gelegenen Trails zu erreichen, sobald der Schnee schmilzt, normalerweise ab Mitte Juli, und unter den Sternen in einem Tal ohne Mobilfunkempfang zu schlafen.

In der Nebensaison von Oktober bis Mai ist die SR 20 östlich des Rainy Pass gesperrt. Der Park bleibt von Westen aus zugänglich, allerdings ist das Angebot eingeschränkt. Die Hauptsaison dauert von Mitte Juni bis Ende September.

Zugang, Eingänge und Fortbewegung im Park

Die SR 20, die Lebensader des Parks

Der North Cascades Highway (State Route 20) ist die einzige Straße, die den Park durchquert. Er verbindet Burlington, wo Anschluss an die I-5 an der Ausfahrt 230 besteht, im Westen mit Twisp und Winthrop im Osten. Dazwischen führt er über Washington Pass mit 1.669 m und Rainy Pass mit 1.477 m. Für die rund 170 km zwischen Burlington und Winthrop brauchst du ohne Stopps etwa 2 Stunden und 30 Minuten.

Von Seattle erreichst du Burlington über die I-5 in 1 Stunde und 30 Minuten Richtung Norden. Von Osten kommst du über die US 97 bei Okanogan zur SR 20.

Im Park gibt es keinen Shuttle. Für den gesamten SR-20-Korridor brauchst du unbedingt ein Auto.

Stehekin: der Ort ohne Straßenanbindung

Stehekin liegt am Ende von Lake Chelan und ist nur per Fähre von Chelan oder mit einem Charterflug erreichbar. Der Weiler gehört zur Lake Chelan National Recreation Area, die gemeinsam mit dem Park verwaltet wird. Von der SR 20 aus erreichst du ihn über einen großen Umweg: erst zurück Richtung Seattle, dann weiter nach Wenatchee und Chelan. Wenn Stehekin zu deinem Programm gehört, plane den Ort als eigene Etappe ein und nicht als Autofahrt von Newhalem hin und zurück.

Parkzugang und Gebühren

In den North Cascades gibt es normalerweise keine Mautstation: Der Zugang zum Park ist kostenlos. Für manche Campgrounds und Backcountry-Permits fallen jedoch Gebühren an. Unser kompletter Parkführer erklärt die Regeln und die nötigen Vorbereitungen.

Die Gebiete der North Cascades

Der Park ist offiziell in drei Einheiten aufgeteilt: den eigentlichen Nationalpark mit zwei Distrikten, Nord und Süd, die Ross Lake National Recreation Area entlang der SR 20 sowie die Lake Chelan National Recreation Area mit Stehekin. Für einen Roadtrip lassen sich diese Einheiten praktisch in zwei große Gebiete gliedern.

Der SR-20-Korridor: Seen, Dämme und Pässe

Das ist der am leichtesten zugängliche und meistbesuchte Bereich. Er beginnt in Newhalem, wo in der Saison das North Cascades Visitor Center geöffnet ist, führt hinauf zu Diablo Lake und Ross Lake, überquert die beiden Pässe und steigt anschließend nach Winthrop ab. Die Landschaft verändert sich von Pass zu Pass radikal: dichte, feuchte Wälder im Westen, trockenes Licht und ockerfarbene Töne im Osten.

Wichtige Orientierungspunkte am Korridor:

  • Newhalem: ein früheres Dorf der Staudammarbeiter, das heute als Ausgangspunkt dient. Visitor Center und erste einfache Trails.
  • Diablo Lake und Ross Lake: zwei Stauseen mit unwirklich blaugrünem Wasser. Einen Panoramablick hast du vom Diablo Lake Overlook.
  • Washington Pass: Aussicht auf die Granitnadeln der Liberty Bell. Du kannst mit dem Auto bis zu einem Parkplatz fahren und von dort 10 Minuten zu Fuß gehen.
  • Winthrop: eine kleine Westernstadt am östlichen Parkeingang. Gute Basis mit Hotels und Restaurants.

Stehekin und Lake Chelan

Stehekin steht für bewusst gewählte Abgeschiedenheit. Es gibt keine Straße, keinen Supermarkt und rund um den Weiler nur rund zehn Kilometer Forstpiste. Dafür erwarten dich eiszeitlich geprägte Täler ohne Menschenmassen, Wasserfälle hinter jeder Kurve und eine Grenzlandstimmung, die der Rest des Parks nicht erreicht. Die Fähre von Chelan braucht ungefähr zwei Stunden.

Reiseplan Tag für Tag

Tag 1: Von Burlington nach Winthrop über den North Cascades Highway

Fahre früh am Morgen in Burlington los. Deinen ersten Stopp legst du in Newhalem ein und vertrittst dir auf dem Trail of the Cedars die Beine. Der flache Trail ist 1,2 km lang und hat keinen nennenswerten Höhenunterschied. Sofort tauchst du unter einem Dach aus riesigen Zedern in die Landschaft ein.

Fahre weiter hinauf zu Diablo Lake. Halte am Diablo Lake Overlook an. Je nach Tageszeit und Licht verändert das Wasser seine Farbe. Wenn du zwei Stunden Zeit hast, führt der Diablo Lake Trail von Thunder Arm aus 13 km hin und zurück am Südufer entlang, mit ständigem Blick auf den See.

Folge der SR 20 weiter nach Osten. Halte am Washington Pass Overlook. Nach 10 Minuten Fußweg vom Parkplatz liegen die senkrechten Wände von Liberty Bell und Early Winter Spires vor dir. Das ist oft das beste Fotomotiv der Reise.

Fahre für die Nacht hinunter nach Winthrop. Die Stadt liegt nicht im Park, bietet auf dieser Seite aber die meisten Unterkünfte. Unsere Seite Übernachten stellt die Optionen entlang des gesamten Korridors vor.

Gefahrene Strecke: etwa 170 km ab Burlington, die gesamte SR 20. Reine Fahrzeit: 2 Stunden und 30 Minuten. Mit den Stopps solltest du einen ganzen Tag einplanen.

Tag 2: Wanderung in höheren Lagen und Rückfahrt über das Westufer

Fahre früh los und kehre über die SR 20 nach Westen zurück. Dein Ziel am Vormittag ist die Maple Pass Loop, die am Parkplatz von Rainy Pass beginnt. Die 11 km lange Runde mit 600 m Höhenunterschied führt um Ann Lake und Maple Pass. Bei klarer Sicht reicht der Rundumblick über die umliegenden Bergketten. Vor Mitte Juli musst du mit Schnee rechnen.

Die weniger anspruchsvolle Alternative vom selben Parkplatz ist der Rainy Lake Trail. Der flache, befestigte Trail ist 3 km lang und führt hin und zurück zu einem tief eingeschnittenen Gletschersee. Ideal, wenn du mit Kindern unterwegs bist oder deine Beine vom Vortag schwer sind. Unsere Seite Für Familien bietet weitere passende Optionen.

Am Nachmittag fährst du auf der Westseite wieder hinunter und legst einen Stopp an Ross Lake ein. Wenn du ein Kajak oder Kanu reserviert hast, kannst du jetzt in Richtung Berge paddeln. Andernfalls reicht der Aussichtspunkt an der Straße.

Am späten Nachmittag geht es zurück nach Seattle oder Burlington.

Tag 3 (optional): Stehekin, die andere Seite des Parks

Für diesen dritten Tag musst du vorausplanen. Die Fähre von Lake Chelan solltest du frühzeitig reservieren, besonders im Juli und August. Fahre von Winthrop in ungefähr 1 Stunde und 30 Minuten nach Chelan, nimm das Boot am Morgen und komme gegen Mittag in Stehekin an.

In Stehekin bringt dich ein nostalgischer Bus auf den wenigen Kilometern der inneren Straße bis zu den Rainbow Falls. Vom Anleger aus bietet der Imus Creek Trail einen ersten Eindruck vom Tal, ohne deine Beine zu sehr zu beanspruchen.

Eine Übernachtung vor Ort empfiehlt sich, wenn du nicht die Abendfähre nehmen möchtest. Andernfalls bringt dich das Boot am späten Nachmittag zurück nach Chelan.

Varianten je nach verfügbarer Zeit

Kurzprogramm (1 Tag). Du kommst ohne geplante Übernachtung an? Besuche den Diablo Lake Overlook und den Washington Pass Overlook und fahre anschließend zurück. So siehst du an einem langen, aber machbaren Tag die beiden wichtigsten Fotospots des Parks.

Klassisch (2 bis 3 Tage). Das ist der oben beschriebene Plan: SR-20-Korridor, die Wanderung zur Maple Pass oder zum Rainy Lake und optional Stehekin. Für den ersten Besuch ist diese Kombination ideal.

Regionaler Roadtrip (5 Tage und mehr). Die North Cascades lassen sich gut mit einer Rundreise verbinden, die auch Mount Rainier, 3 Stunden weiter südlich, und die San Juan Islands umfasst. Von Anacortes dauert die Fährfahrt 1 Stunde. Unsere Reiseführer Roadtrips und Regionen stellen diese Erweiterungen und mögliche Kombinationen im Bundesstaat Washington vor.

Karte des Reiseplans

Der NPS veröffentlicht eine offizielle „Unigrid“-Karte als PDF. Du kannst sie auf der Park-Website herunterladen oder kostenlos an den Eingängen und im North Cascades Visitor Center in Newhalem mitnehmen. Sie deckt alle drei Einheiten ab, also Nationalpark, Ross Lake NRA und Lake Chelan NRA, und zeigt die Trailheads, Campgrounds und Aussichtspunkte entlang der SR 20. Unsere Seite Karte bildet sie ab und markiert die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Beachte, dass du auf dem größten Teil der SR 20 kaum Mobilfunkempfang hast, besonders in den Schluchten zwischen Newhalem und Rainy Pass. Lade die Karte vor der Abfahrt für die Offline-Nutzung herunter oder drucke sie aus.

Übernachten entlang des Reiseplans

Die Unterkünfte konzentrieren sich an den beiden Enden der SR 20: Sedro-Woolley und Concrete im Westen, Winthrop und Twisp im Osten. Direkt am Korridor beschränkt sich das Angebot auf die NPS-Campgrounds Goodell Creek, Newhalem Creek und Colonial Creek. In Stehekin gibt es eine eigene Lodge und einige Hütten.

Unsere Seite Übernachten führt die Unterkünfte nach Gebieten auf und nennt die Entfernungen zum Park. Auf unserer Seite Camping findest du Details zu den NPS-Stellplätzen und den Reservierungen, die du einplanen solltest. Einige Plätze sind im Sommer Monate im Voraus ausgebucht.

Verlängern: Was gibt es rund um die North Cascades zu sehen?

Östlich des Washington Pass bieten Winthrop und das Methow Valley hochwertige Radwege und abseits der üblichen Menschenmassen eine Westernatmosphäre.

Im Süden liegt Mount Rainier ungefähr 3 Autostunden von Newhalem entfernt. Beide Parks in einer Woche zu verbinden, ist durchaus realistisch.

Im Westen erreichst du die San Juan Islands mit der Fähre von Anacortes aus, 1 Stunde von Burlington entfernt. Meereslandschaft und Orcas im Sommer bilden nach den Gletschern einen eindrucksvollen Kontrast.

Unser Reiseführer Region erklärt diese längeren Routen und ihre räumliche Logik.

Der ideale Reiseplan für deine verfügbare Zeit

Dauer Kurzprogramm Höhepunkte
1 Tag gesamte SR 20, 2 Aussichtspunkte Diablo Lake, Washington Pass
2 Tage SR 20 plus Wanderung zur Maple Pass oder zum Rainy Lake alpine Landschaften, Höhenstraße
3 Tage plus Stehekin mit der Fähre unberührtes Tal, Lake Chelan
5 Tage und mehr Verlängerung zu Mount Rainier oder den San Juan Islands kompletter Washington-Roadtrip

Wenn du nur einen Tag hast, versuche nicht, alles zu schaffen. Die Straße ist großartig, also wählst du zwei oder drei Stopps aus und genießt sie. Wenn du drei Tage hast, buche Stehekin jetzt, denn die Plätze auf der Fähre sind schnell vergeben.

Häufige Fragen

Wie erreichst du den North Cascades National Park?

Der wichtigste Zugang führt über die State Route 20, den North Cascades Highway. Sie verbindet Burlington, Ausfahrt 230 der I-5, mit Winthrop im Osten. Von Seattle brauchst du bis Burlington 1 Stunde und 30 Minuten, danach je nach Stopps etwa 1 Stunde und 30 Minuten bis Newhalem. Stehekin am Ende von Lake Chelan ist weder über die SR 20 noch über irgendeine Straße erreichbar. Du kommst nur mit der Fähre von Chelan oder einem Charterflug dorthin.

Wie viele Tage brauchst du für die North Cascades?

Mit zwei Tagen deckst du die wichtigsten Punkte ab: den North Cascades Highway mit seinen Aussichtspunkten und mindestens eine Wanderung in höheren Lagen. Drei Tage bieten das ideale Tempo, wenn du Stehekin hinzufügen möchtest. Ein Tag reicht für eine reine Autofahrt durch den Park, lässt aber keine Zeit zum Wandern.

Welche Route eignet sich für die North Cascades?

Die klassische Route folgt der SR 20 von West nach Ost: Burlington, Newhalem, Diablo Lake, Washington Pass und Winthrop. Plane Stopps an den Aussichtspunkten und mindestens einen Trailhead ein. Für eine vollständige Runde fährst du am Ende des Aufenthalts auf der Westseite zurück oder baust die Stehekin-Fähre als Rückweg durch das Tal ein.

Ist die Wanderung zu den Wasserfällen schwierig?

Der Schwierigkeitsgrad variiert stark. Der Rainy Lake Trail ist 3 km lang, flach und befestigt, also für alle geeignet. Die Maple Pass Loop ist 11 km lang und überwindet 600 m Höhenunterschied. Dafür brauchst du eine gute Kondition und Wanderschuhe. Trails in höheren Lagen bleiben bis Mitte Juli verschneit. Prüfe deshalb vor der Abfahrt die Bedingungen auf der NPS-Website.

Wie hoch ist der Eintrittspreis für die North Cascades?

Die Fahrt auf der SR 20 und der Zugang zum Park sind kostenlos. Die NPS-Campgrounds kosten ebenso wie die Backcountry-Permits Gebühren. Informationen zu Eintrittspreisen und Jahrespässen findest du auf der Seite Eintrittspreise und Pässe für Nationalparks. Dort werden auch die wichtigsten Gebühren und Pässe erklärt, darunter der America the Beautiful Pass, falls du während deiner Reise mehrere Parks besuchst.

Wann ist die beste Reisezeit für die North Cascades?

Die beste Zeit dauert von Mitte Juni bis Ende September. Trails in höheren Lagen sind normalerweise ab Mitte Juli schneefrei. Besonders schön ist der Herbst wegen der Farben, vor allem auf der Ostseite. Unsere Seite Beste Reisezeit erklärt die Bedingungen und saisonalen Sperrungen der SR 20 für jeden Monat.