Wildtiere im Mount Rainier: Welche Tiere du wo sehen kannst
Mount Rainier beherbergt eine bemerkenswerte Tierwelt in Ökosystemen, die vom gemäßigten Regenwald bis zu windgepeitschten alpinen Matten reichen. Fünf Arten ziehen die Aufmerksamkeit der Besucher besonders auf sich: die Bergziege, das Kaskaden-Murmeltier, der Schwarzbär, der Roosevelt-Wapiti und der Amerikanische Pfeifhase. Je nach Höhe und Jahreszeit kannst du ihnen begegnen, wenn du weißt, wo du suchen musst.
Die typischen Tiere des Mount Rainier
Die Bergziege

Die Bergziege (Oreamnos americanus) ist das Wahrzeichen der alpinen Grate am Mount Rainier. Ihr makellos weißes Fell hebt sich vom grauen Basalt der Gipfel ab, und ihre Hufe mit gummiartigen Sohlen ermöglichen es ihr, Hänge zu erklimmen, die unzugänglich wirken.
Was oft übersehen wird: Die Bergziege ist im Park nicht heimisch. Sie wurde in den 1920er-Jahren für die Sportjagd in den North Cascades eingeführt und besiedelte den Mount Rainier anschließend selbstständig. Ihre Hufe und die Suche nach Mineralsalz schädigen die subalpinen Wiesen. Der NPS hat ein Umsiedlungsprogramm in die North Cascades gestartet, wo die Art heimisch ist. Die Bestände sind zurückgegangen, doch in den Höhenlagen kannst du die Bergziege weiterhin beobachten.
Erkennung: vollständig weiß, kurze schwarze und leicht gebogene Hörner, bei erwachsenen Tieren ein ausgeprägter Bart. Am Mount Rainier gibt es keine Rocky Mountain Bighorn Sheep. Jedes weiße Huftier hier ist eine Bergziege.
Wo und wann: im Sommer in felsigen Gebieten oberhalb von 1.500 m, besonders an den Hängen, die du vom Skyline Trail in Paradise siehst, sowie auf den Graten von Sunrise. Morgendämmerung und Abenddämmerung sind die besten Zeiten.
Das Kaskaden-Murmeltier

Das Kaskaden-Murmeltier (Marmota caligata) hörst du, bevor du es siehst. Sein durchdringender Pfiff, den es von einem Felsen aus als Warnsignal ausstößt, ist die typische Tonspur der alpinen Wiesen am Mount Rainier.
Es ist eines der größten Nagetiere Nordamerikas: Am Ende des Sommers, kurz vor dem Winterschlaf, kann es bis zu 7 kg wiegen. Es hält etwa sieben Monate im Jahr Winterschlaf, von September bis April. Dadurch ist das Beobachtungsfenster kurz, aber besonders ergiebig.
Erkennung: kräftiger, rotbrauner Körper, hellerer Bauch, weißliche Schnauze und breiter Kopf. Es ist größer als das Gelbbauchmurmeltier, das in anderen Teilen der Cascades vorkommt.
Wo und wann: auf den subalpinen Wiesen von Paradise und Sunrise zwischen Mitte Juni und Ende August. Felsvorsprünge am frühen Morgen sind die besten Beobachtungsplätze.
Der Schwarzbär

Der Schwarzbär (Ursus americanus) kommt im gesamten Park vor, vom Wald in tieferen Lagen bis zur Baumgrenze. Anders, als sein Name vermuten lässt, kann sein Fell zwischen tiefem Schwarz und Zimtbraun variieren. Rotbraune Tiere sind am Mount Rainier häufig und sorgen gelegentlich für Verwechslungen.
Am Mount Rainier gibt es keine Grizzlys. Wenn du im Park einen Bären siehst, ist es ein Schwarzbär. Zur sicheren Bestimmung: Das Schnauzenprofil des Schwarzbären ist gerade und nicht konkav, auf den Schultern hat er keinen Muskelbuckel, und seine Ohren stehen aufrecht und sind ziemlich lang.
Wo und wann: an Waldrändern und auf offenen Hängen von Juni bis Oktober, besonders in den Bereichen Carbon River, Ohanapecosh und an den tieferen Hängen rund um Longmire. Wilde Heidelbeeren, die im Sommer reifen, locken Bären in besser einsehbare Höhenlagen.
Der Roosevelt-Wapiti

Der Roosevelt-Wapiti (Cervus canadensis roosevelti) ist die größte Unterart des Wapitis in Nordamerika. Erwachsene Männchen wiegen mehr als 300 kg und tragen von Juli bis November ein imposantes Geweih. Am Mount Rainier hält er sich vor allem in dichten Wäldern und auf Wiesen in tieferen Lagen auf.
Nicht mit dem Columbia-Schwarzwedelhirsch verwechseln (Odocoileus hemionus columbianus). Er ist mit 40 bis 70 kg deutlich kleiner und lebt in denselben Gebieten. An Größe und Spannweite des Geweihs kannst du die beiden Arten problemlos unterscheiden.
Wo und wann: in den Bereichen Longmire und Ohanapecosh, vor allem im Herbst. Die Brunftlaute der Männchen ertönen von Mitte September bis Mitte Oktober. In den bewaldeten Tälern trägt der Schall weit.
Der Amerikanische Pfeifhase

Der Amerikanische Pfeifhase (Ochotona princeps) sieht aus wie eine Maus mit großen runden Ohren, gehört aber zur Ordnung der Hasenartigen und ist damit mit den Kaninchen verwandt. Er lebt ausschließlich in Geröllfeldern oberhalb von 1.500 m. Seine Hitzetoleranz ist sehr gering. Temperaturen über etwa 25 °C verträgt er nicht, weshalb er ein empfindlicher Indikator für die globale Erwärmung ist.
Er hält keinen Winterschlaf. Im Winter bleibt er unter dem Schnee und frisst seine Vorräte aus getrockneten Pflanzen, die er den ganzen Sommer über gesammelt hat.
Wo und wann: auf Geröllhängen rund um Sunrise und in Geröllfeldern, die du von den alpinen Trails aus siehst, von Juli bis September. Höre auf seinen kurzen, hohen Ruf, der wie ein trockenes Quieken klingt. Er verrät seine Anwesenheit, bevor du ihn siehst.
Wo du Tiere im Mount Rainier sehen kannst
Je nach Höhenlage bietet Mount Rainier sehr unterschiedliche Lebensräume. In diesen Bereichen sind die Chancen besonders gut:
Sunrise (1.646 m): der artenreichste Bereich für Tiere in großer Höhe. Bergziegen, Murmeltiere und Pfeifhasen halten sich an den Hängen und auf den Wiesen rund um das Visitor Center auf. Hier kannst du zwischen den Felsen auch das perfekt getarnte Weißschwanz-Schneehuhn beobachten. Der Sourdough Ridge Trail ist bei einer Tour im Morgengrauen oft besonders lohnend.
Paradise (1.654 m): Bergziegen steigen manchmal bis zu den Graten hinab, die du vom Parkplatz aus siehst. Murmeltiere besiedeln die grasbewachsenen Hänge direkt an den Trails. Der Wanderführer für Mount Rainier stellt die Trails vor, die durch besonders wildtierreiche Gebiete führen, darunter Skyline Trail und Dead Horse Creek Trail.
Longmire (838 m): alter Wald am südwestlichen Parkeingang. Columbia-Schwarzwedelhirsche und Wapitis halten sich in der Abenddämmerung an den Waldrändern auf, und an den tieferen Hängen werden regelmäßig Schwarzbären gemeldet. Über die Nisqually Entrance ist der Bereich ganzjährig erreichbar.
Carbon River: der einzige gemäßigte Regenwald des Parks im Nordwesten. Die Stimmung ist völlig anders. In diesem Gebiet leben viele Waldvögel wie Spechte, Swainson-Drosseln und Goldwaldsänger sowie Säugetiere des Unterholzes.
Ohanapecosh: ein ruhiges, wenig besuchtes bewaldetes Tal im Osten. Im Herbst ist der Bereich ideal, um Wapitis und Columbia-Schwarzwedelhirsche zu beobachten.
Wann du die Tierwelt am Mount Rainier beobachten kannst
Die Tierwelt in großer Höhe ist ungefähr nur zwischen Mitte Juni und Ende September zugänglich, wenn der Schnee die Sunrise Road und die Straßen nach Paradise freigibt. Der Jahreszeitenkalender für Mount Rainier nennt die Zeiträume, in denen die Straßen geöffnet sind und die Chancen zur Tierbeobachtung am besten stehen.
Morgendämmerung und Abenddämmerung: In diesen Zeitfenstern sind die Chancen bei allen Säugetieren am besten. Sei 30 Minuten vor Sonnenaufgang draußen.
Nächtliche Tierwelt: Puma und Kojote gehen nachts auf die Jagd, direkte Sichtungen bleiben jedoch selten. Camper hören rund um Ohanapecosh oft heulende Kojoten. Waschbären kommen auf der Suche nach Nahrung in die Nähe der Campingplätze. Sichere deine Lebensmittel, bevor du schlafen gehst.
Winter: Die meisten Straßen sind von November bis Mai geschlossen. Der Wald von Longmire ist über die ganzjährig geöffnete Nisqually Entrance erreichbar und bietet auch unter dem Schnee Chancen, Hirsche und kleine Säugetiere zu beobachten.
Raubtiere und große Tiere des Mount Rainier
Der Puma (Puma concolor) ist das Spitzenraubtier des Parks. Er bewegt sich äußerst unauffällig und vor allem nachts. Selbst Ranger bekommen ihn nur selten zu Gesicht. Wenn du einem begegnest, bleib ruhig, mach dich groß, sprich mit fester Stimme und weiche langsam zurück. Dreh ihm niemals den Rücken zu.
Der Kojote (Canis latrans) wird am häufigsten von allen Raubtieren beobachtet. Er jagt in offenen Wiesen Nagetiere und streift an den Rändern der Campingplätze umher. Er ist etwa so groß wie ein schlanker Deutscher Schäferhund, hat eine spitze Schnauze und einen buschigen, tief getragenen Schwanz. Du kannst ihn leicht bestimmen.
Das größte Tier des Parks ist der Roosevelt-Wapiti. Erwachsene Männchen wiegen regelmäßig mehr als 300 kg. Im Herbst wirken sie besonders beeindruckend, wenn ihre Brunftlaute durch die Täler hallen.
Ein Wort zum Kolkraben (Corvus corax): Er hält sich ständig in der Nähe der Picknickplätze auf und ist intelligent sowie opportunistisch. Einen unbeaufsichtigten Rucksack kann er innerhalb weniger Sekunden öffnen.
Tiere sicher beobachten
Die Abstandsregeln gelten ausnahmslos für alle Besucher.
Mindestabstand: 30 m zu allen großen Säugetieren wie Wapitis, Hirschen, Bergziegen und Kojoten. Bei Bären und Pumas beträgt der Mindestabstand 100 m. Wenn ein Tier stehen bleibt, dich ansieht oder die Richtung wechselt, bist du zu nah. Geh sofort zurück.
Füttere niemals ein Tier. Ein Eichhörnchen, das regelmäßig Futter bekommt, wird aggressiv und muss vom Park eingeschläfert werden. Ein Bär, der Menschen mit Futter verbindet, wird irgendwann getötet. Das gilt auch für Krümel, die auf einem Picknicktisch liegen bleiben.
Wandern im Bärengebiet: Geh in einer Gruppe von mindestens drei Personen und unterhalte dich normal. Die Geräusche kündigen den Bären deine Anwesenheit an und verhindern Überraschungen. Auf abgelegenen Trails wird ein Bärenspray, das du an manchen Eingängen ausleihen kannst, dringend empfohlen. Die Übersichtsseite zu Mount Rainier erklärt, wie du dich bei einer direkten Begegnung verhalten musst.
Lebensmittel beim Camping lagern: Lebensmittel, Abfälle und Kosmetik wie Zahnpasta und Sonnencreme gehören in die bärensicheren Boxen, die auf den Campingplätzen bereitstehen. Nichts davon darf in einem Zelt bleiben.
Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie suchst
| Art | Bester Bereich | Beste Zeit |
|---|---|---|
| Bergziege | Sunrise, Paradise (Grate) | Juli bis September |
| Kaskaden-Murmeltier | Paradise, Sunrise (Wiesen) | Mitte Juni bis Ende August |
| Schwarzbär | Longmire, Carbon River, Ohanapecosh | Juni bis Oktober |
| Roosevelt-Wapiti | Longmire, Ohanapecosh | September bis Oktober (Brunft) |
| Amerikanischer Pfeifhase | Sunrise (Geröllfelder) | Juli bis September |
| Puma | Im gesamten Park (selten) | Das ganze Jahr |
Der Mount-Rainier-Reiseführer fasst alle praktischen Informationen zum Park zusammen. Auf der Seite zu den Wanderungen findest du Trails durch die wildtierreichsten Gebiete.
Häufige Fragen
Gibt es Bergziegen im Mount Rainier National Park?
Ja, im Park leben Bergziegen, vor allem in den alpinen Gebieten von Sunrise und Paradise. Sie wurden angesiedelt und sind dort nicht heimisch. Der NPS hat Umsiedlungsprogramme durchgeführt, um die subalpinen Wiesen zu schützen. Im Sommer kannst du die Tiere aber weiterhin beobachten.
Welche Tiere sind typisch für Mount Rainier?
Die fünf typischen Arten sind Bergziege, Kaskaden-Murmeltier, Schwarzbär, Roosevelt-Wapiti und Amerikanischer Pfeifhase. Murmeltiere und Bergziegen kannst du auf den Trails von Paradise und Sunrise am leichtesten beobachten.
Welches Tier ist im Mount Rainier am häufigsten?
Wahrscheinlich begegnet dir im Sommer das Kaskaden-Murmeltier am häufigsten. Es hält sich tagsüber auf den alpinen Wiesen von Paradise und Sunrise auf, und sein Pfiff verrät seine Anwesenheit, bevor du es siehst.
Welches ist das größte Tier am Mount Rainier?
Der Roosevelt-Wapiti ist das größte Säugetier des Parks. Erwachsene Männchen wiegen regelmäßig mehr als 300 kg und erreichen eine Schulterhöhe von etwa 1,50 m.
Welche Raubtiere gibt es am Mount Rainier?
Der Puma ist das Spitzenraubtier des Parks, direkte Sichtungen sind aber außergewöhnlich. Kojoten siehst du deutlich häufiger. Am Mount Rainier gibt es keine Grizzlys.
Welche Tiere sind nachts am Mount Rainier unterwegs?
Puma, Kojote, Waschbär und einige Nagetiere wie Waldmäuse und Flughörnchen sind nachts aktiv. Auch Schwarzbären können nachts unterwegs sein, besonders in der Nähe von Campingplätzen. Bewahre deine Lebensmittel deshalb immer vor dem Schlafengehen in den bärensicheren Boxen auf.