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Fauna in Gates of the Arctic: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von Erika Müller · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Gates Of The Arctic

Gates of the Arctic ist kein Park, in dem du Tiere von einem angelegten Aussichtspunkt aus „besichtigst“. Keine Straße führt hinein, kein Trail ist markiert. Du betrittst mehr als 30.000 km² Tundra und Bergketten nördlich des Polarkreises. Die Tiere leben hier, ohne sich dem Menschen anzupassen. Fünf Arten verkörpern den Park besonders gut: Karibu, Braunbär (Grizzly), Dall-Schaf, Grauwolf und Gerfalke. Auch Vielfraß, Kanadaluchs und Steinadler kommen vor, sind jedoch scheuer und deshalb schwerer zu entdecken.

Die typischen Tiere von Gates of the Arctic

Karibus: spektakuläre Wanderung durch die Tundra

Siebdruck-Illustration: Karibus: spektakuläre Wanderung durch die Tundra

Das Karibu ist das zentrale Tier von Gates of the Arctic. Die Western Arctic Caribou Herd, eine der größten Karibuherden Nordamerikas, durchquert den Park zweimal im Jahr. Im Frühling ziehen die Weibchen nach Norden, um ihre Kälber in der Küstentundra zur Welt zu bringen. Im Herbst wandert die Herde zurück in die borealen Wälder des Südens. Während der Wanderungen können sich die Kolonnen über Kilometer hinziehen.

Karibus erkennst du leicht an ihrer Größe, dem braun-beigen Fell mit hellerem Hals und heller Brust sowie dem Geweih, das beide Geschlechter tragen. Das ist unter den Hirschen einzigartig. Ausgewachsene Männchen tragen im Frühherbst besonders imposante Geweihe. In der Gruppe ziehen Karibus auf der offenen Tundra oft hintereinander her. Dieser hypnotische Zug gehört zu den eindrucksvollsten Bildern, die Gates of the Arctic bieten kann.

Braunbär (Grizzly): der Allesfresser gibt die Regeln vor

Siebdruck-Illustration: Braunbär (Grizzly): der Allesfresser gibt die Regeln vor

Braunbären gibt es überall im Park. Im Sommer folgen sie den Flüssen mit Lachs, graben an den Hängen nach Wurzeln und arktischen Zieseln und fressen am Ende der Saison große Mengen Beeren, um sich auf den Winterschlaf vorzubereiten. Anders als in den Parks der Lower 48, wo eine Sichtung ein Glücksfall bleibt, gehören sie hier zum normalen Landschaftsbild.

Typisch sind der ausgeprägte Muskelbuckel über den Schultern, das leicht konkave Gesichtsprofil und die kurzen, abgerundeten Ohren. Das Fell reicht von fast blondem Beige bis zu dunklem Braun und kann bei manchen Tieren auch silbergrau wirken. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt je nach Jahreszeit zwischen 180 und 360 kg.

Dall-Schaf: Herrscher der Brooks-Range-Grate

Siebdruck-Illustration: Dall-Schaf: Herrscher der Brooks-Range-Grate

Das Dall-Schaf (Ovis dalli) ist eine arktische Art mit vollständig weißem Fell. Auf den dunklen Felswänden ist es schon aus der Entfernung zu erkennen. Die Männchen tragen eingerollte Hörner, die von Jahr zu Jahr dicker werden. Die Weibchen haben kürzere, leicht gebogene Hörner. Die Tiere leben an den steilen Hängen und auf den Graten der Brooks Range, einem Lebensraum, den nur wenige Raubtiere nutzen.

Für die Beobachtung von Dall-Schafen brauchst du eine gute optische Ausrüstung: mindestens ein 10×42-Fernglas, bei längeren Beobachtungen ein Spektiv. Suche nach weißen Flecken auf den grauen Felswänden. Sie sind auch ohne Optik aus großer Entfernung zu erkennen.

Grauwolf: Geist der Tundra

Siebdruck-Illustration: Grauwolf: Geist der Tundra

Grauwölfe kommen im gesamten Park vor, oft in Rudeln, die den Karibuwanderungen dicht folgen. Sie sind da, aber wahrscheinlich wirst du keinen sehen. Von allen Tieren auf dieser Liste ist der Wolf am schwersten zu beobachten. Die Tiere sind groß und haben lange Beine, die für weite Strecken in der Tundra geeignet sind. Ihr Fell reicht von reinem Weiß über Braun bis zu dunklem Grau.

Die beste Chance auf einen Wolf hast du bei einer zufälligen Begegnung während einer Querung zu Fuß, früh am Morgen und in den Wanderkorridoren der Karibus. Ein Teleobjektiv ist unverzichtbar. In Gates of the Arctic kannst du nicht damit rechnen, dass das Tier dich näher herankommen lässt.

Gerfalke: größter Falke der Welt über der Arktis

Siebdruck-Illustration: Gerfalke: größter Falke der Welt über der Arktis

Der Gerfalke (Falco rusticolus) ist der größte lebende Falke. In Gates of the Arctic brütet er an Felswänden und jagt vor allem Weiden-Schneehühner, die er im schnellen Flug schlägt. Sein je nach Tier weißes bis graues Gefieder macht ihn vor hellen Granitflächen beinahe unsichtbar.

Im Flug wirkt seine Silhouette kraftvoll: breite, spitze Flügel, ein verhältnismäßig langer Schwanz und langsame, weite Flügelschläge zwischen zwei Gleitphasen. Wenn du einen großen Greifvogel siehst, der sich mit völliger Leichtigkeit im arktischen Wind über einem Grat bewegt, ist es wahrscheinlich dieser Falke.

Braunbär und Schwarzbär in Gates of the Arctic unterscheiden

Siebdruck-Illustration: Braunbär und Schwarzbär in Gates of the Arctic unterscheiden

Beide Arten kommen im Park vor, doch Schwarzbären sind in diesen Breitengraden selten. Die große Mehrheit der Bären, denen du begegnest, sind Grizzlys. So unterscheidest du sie auf den ersten Blick: Der Braunbär hat einen deutlich sichtbaren Schulterbuckel, den der Schwarzbär nicht besitzt, dazu ein konkaves Gesichtsprofil und kurze, abgerundete Ohren. Beim Schwarzbären ist das Gesichtsprofil gerader, die Ohren sind höher und spitzer, und die Kruppe liegt höher als die Schultern. Die Fellfarbe allein täuscht: Ein Schwarzbär kann zimtbraun sein, während ein Grizzly ins Blonde geht.

Wo du die Tiere in Gates of the Arctic sehen kannst

Das vollständige Fehlen von Straßen macht die Frage zunächst zu einer logistischen Aufgabe und erst danach zu einer Frage der Beobachtung. Du kommst nicht zufällig nach Gates of the Arctic.

In den Flusstälern werden die meisten Tiere gesichtet. Alatna River, North Fork Koyukuk und Tinayguk River bilden die natürlichen Korridore, in denen Karibus, Bären und Wölfe unterwegs sind. Gruppen, die diese Flüsse mit Packraft oder aufblasbarem Kajak hinabfahren, kehren meist mit den besten Bildern zurück.

Für Dall-Schafe solltest du die Grate der Brooks Range absuchen, sobald du an Höhe gewinnst. Die Tiere halten sich in steilen Felsbereichen auf, die Raubtiere meiden. Dort erkennst du sie als weiße Flecken vor dunklem Fels oder Himmel.

Rund um Anaktuvuk Pass, ein per Flugzeug erreichbares Dorf im Herzen des Parks, ziehen die Karibus während der großen Wanderungen vorbei. Wer ohne mehrtägige Querung gezielt Tiere beobachten möchte, wählt diesen Ort oft als Ausgangspunkt.

Welche Routen möglich sind und wie du mit dem Air Taxi von Bettles oder Coldfoot zu den Ausgangspunkten gelangst, erklärt der Wanderführer für Gates of the Arctic. Dort findest du die Querungen mit den besten Chancen auf Tierbeobachtungen.

Wann du die Fauna beobachten kannst: Jahreszeiten und Tageszeiten

Der Park ist offiziell ganzjährig geöffnet, realistisch zugänglich ist er jedoch vor allem zwischen Juni und September.

Das spektakulärste Zeitfenster liegt zwischen Mitte August und Mitte September. Die Herbstwanderung der Karibus ist dann im Gang, die Bären fressen intensiv mehrere Kilogramm Beeren und Kleinsäuger pro Tag, um ihre Reserven aufzufüllen, und die Tundra färbt sich rot und ocker. So entsteht ein außergewöhnlicher fotografischer Hintergrund.

Juni und Juli eignen sich für Karibus mit ihren Kälbern, brütende Vögel wie Schneegänse, arktische Möwen und Regenbrachvögel sowie für Bären, die aus ihrer Winterruhe kommen.

Eine Besonderheit dieser Breitengrade ist entscheidend: Im Sommer gibt es keine richtige Nacht. Die Sonne kreist um den Horizont und sinkt mehrere Wochen lang nicht darunter. Tiere, besonders Bären und Wölfe, sind trotzdem am frühen Morgen und am späten Nachmittag besonders aktiv. Dieser Rhythmus ist hier jedoch weniger ausgeprägt als in den Parks des Südens.

Wenn du dein Zeitfenster nach deinen Prioritäten auswählst, etwa nach Karibuwanderung, brütenden Vögeln oder Herbstfarben, beschreibt der Monat-für-Monat-Kalender von Gates of the Arctic jede Jahreszeit ausführlich.

Raubtiere und große Tiere von Gates of the Arctic

Das beherrschende Landraubtier ist der Braunbär, der geschwächte Karibus oder Kälber angreifen kann. Der Grauwolf ist das einzige andere Rudelraubtier, das ein gesundes ausgewachsenes Karibu aktiv jagen kann. Außerdem gibt es:

  • Den Vielfraß (Gulo gulo): ein gedrungenes, kräftiges Marderraubtier, das als Aasfresser und opportunistischer Jäger lebt und nur selten zu sehen ist.
  • Den Kanadaluchs: Er kommt in den bewaldeten Gebieten des Parks vor und jagt vor allem Schneehasen.
  • Den Steinadler: Er greift als bodennaher Greifvogel Schneehühner, arktische Ziesel und junge Karibus an.
  • Den Gerfalken: ein auf die schnelle Jagd nach Schneehühnern spezialisierter Flugjäger.

Das größte Tier des Parks ist der Elch (Alces alces). Ausgewachsene Männchen der Alaska-Unterart gehören zu den massigsten der Welt: Sie wiegen häufig mehr als 450 kg, ihr Geweih kann sich über mehr als 1,8 m erstrecken. Sie halten sich im südlichen Teil des Parks in bewaldeten Gebieten und an Flussufern auf. Der Braunbär erreicht bis zu 360 kg, ist damit das zweitgrößte Tier und zugleich das größte Landraubtier.

Tiere sicher beobachten

Gates of the Arctic ist echte Wilderness ohne Sicherheitsnetz: Es gibt keine Ranger im Gelände, keine Straße für eine schnelle Evakuierung und keine Rettungsinfrastruktur in unmittelbarer Reichweite. Die Regeln für sichere Tierbeobachtungen sind hier nicht optional.

Sicherheitsabstände des NPS:

  • Bären und Wölfe: mindestens 90 m (100 yards). Verändert das Tier sein Verhalten, sobald du dich näherst, bist du zu nah dran. Geh sofort zurück.
  • Karibus, Elche, Dall-Schafe und alle anderen großen Säugetiere: mindestens 25 m.

Bear Spray. Bei einem Angriff eines Grizzlys ist es das wirksamste Schutzmittel. Trag es am Gürtel, sodass du es in weniger als drei Sekunden greifen kannst. Prüfe vor jedem Aufbruch, dass die Sicherung gelöst ist. Verstaue es nicht unten im Rucksack.

Bear Canister, ein zugelassener luftdichter Behälter. Im Park gibt es keine Vorrichtungen zur Aufbewahrung. Deshalb musst du alle Lebensmittel und geruchsintensiven Dinge wie Zahnpasta oder Sonnencreme in einem Canister lagern, mindestens 60 m vom Camp entfernt. Lebensmittel an einen Baum zu hängen ist in der offenen Tundra kaum praktikabel. Der Canister ist die einzige zuverlässige Lösung.

Beim Gehen Geräusche machen. Niedrige Vegetation wie Erlen- und arktische Weidengebüsche beschränkt die Sicht auf wenige Meter. Sprich laut, klappere mit den Trekkingstöcken und mach dich ständig bemerkbar.

Füttere niemals ein Tier, auch nicht indirekt. Schon schlecht entsorgte Essensreste oder eine hinterhergezogene Verpackung können einen Bären an menschliche Nahrung gewöhnen. Ein an menschliche Nahrung gewöhnter Bär wird am Ende getötet.

Für Wetter, Notfallausrüstung und Evakuierung, denn der Park liegt mehrere Flugstunden von jedem Krankenhaus entfernt, musst du dich sorgfältig vorbereiten, bevor du aufbrichst.

Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen

Art Wo du suchen solltest Beste Zeit
Karibu Offene Tundra, Flusstäler, Anaktuvuk Pass Mitte August bis Mitte September (Wanderung); Juni bis Juli (Kälber)
Braunbär Flüsse, beerenreiche Hänge, Tundra Juni bis Oktober (vor dem Winterschlaf)
Dall-Schaf Grate und Felswände der Brooks Range Die gesamte Sommersaison
Grauwolf Wanderkorridore der Karibus Mitte August bis Mitte September
Gerfalke Felswände, überflogene Grate Frühling und Sommer (Brutzeit)
Elch Bewaldete Gebiete und Flussufer im Süden des Parks Juni bis September
Steinadler Offene Tundra, Aufwinde an den Bergen Mai bis Oktober

Der Guide zu Gates of the Arctic bündelt alle Informationen, die du für die Planung deiner Expedition ab Fairbanks brauchst.

Häufige Fragen

Welche Tiere sind typisch für Gates of the Arctic?

Typisch für Gates of the Arctic sind Karibus aus der Western Arctic Caribou Herd, Braunbären, Dall-Schafe, Grauwölfe und Gerfalken. Im Park leben außerdem Vielfraße, Kanadaluchse, Steinadler und Elche.

Welches Tier ist in Gates of the Arctic am häufigsten?

Das häufigste und am leichtesten sichtbare Tier ist das Karibu, besonders während der Wanderungen im Frühling und Herbst. Auch Braunbären gibt es häufig, vor allem im Sommer entlang der Flüsse.

Welches ist das größte Tier in Gates of the Arctic?

Das größte Tier in Gates of the Arctic ist der Elch. Ausgewachsene Männchen der Alaska-Unterart wiegen häufig mehr als 450 kg. Der Braunbär bringt bis zu 360 kg auf die Waage, ist damit das zweitgrößte Tier und das größte Landraubtier des Parks.

Welche Raubtiere gibt es in Gates of the Arctic?

Zu den Raubtieren in Gates of the Arctic gehören Braunbär, Grauwolf in Rudeln, Vielfraß, Kanadaluchs, Steinadler und Gerfalke. In diesen Höhenlagen und in diesem inneren Teil Alaskas gibt es weder Pumas noch Eisbären.

Welche Tiere sind nachts in Gates of the Arctic unterwegs?

Im Sommer gibt es in Gates of the Arctic keine richtige Nacht. Oberhalb des Polarkreises geht die Sonne mehrere Wochen lang nicht unter. Bären, Wölfe und Karibus sind zu jeder Uhrzeit unterwegs. Luchs und Vielfraß haben einen stärker nachtaktiven Rhythmus, doch das dauerhafte Licht verändert die klassischen Aktivitätszeiten der gesamten Fauna.

Wo kannst du die Tiere von Gates of the Arctic sehen?

Die besten Beobachtungsgebiete sind Alatna River und North Fork Koyukuk für Bären, Wölfe und Karibus, die Grate der Brooks Range für Dall-Schafe sowie die Umgebung von Anaktuvuk Pass für Karibus auf der Wanderung. Du erreichst sie ausschließlich per Air Taxi oder zu Fuß von den Siedlungen Bettles und Coldfoot aus.