Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Eine Unechte Karettschildkröte schwimmt über Seegraswiesen im klaren Wasser von Dry Tortugas.

Fauna der Dry Tortugas: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von David Sanchez · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Dry Tortugas

Dry Tortugas ist ein Korallenarchipel 110 km westlich von Key West, das du nur mit der Fähre, einem privaten Boot oder einem Wasserflugzeug erreichst. Diese völlige Abgeschiedenheit macht die Inselgruppe zu einem der am wenigsten gestörten Rückzugsgebiete für Wildtiere in den USA. Fünf Arten zeigen besonders gut, was der Park zu bieten hat: die Unechte Karettschildkröte, die dem Archipel ihren Namen gab, der Prachtfregattvogel, der Brauntölpel, der Barrakuda und der Amerikanische Stechrochen. Das kristallklare Wasser und die fast menschenleeren Strände machen die Beobachtungen einfach und unvergesslich.

Typische Tiere der Dry Tortugas

Die Unechte Karettschildkröte (Caretta caretta)

Siebdruck-Illustration: Eine Unechte Karettschildkröte schwimmt über Seegraswiesen im klaren Wasser von Dry Tortugas.

Die Unechte Karettschildkröte ist das Symboltier des Parks. Spanische Konquistadoren nannten den Archipel „Las Tortugas“, nachdem sie Hunderte Schildkröten an den Stränden gefunden hatten. Sie wird 80 bis 110 cm lang und wiegt oft mehr als 100 kg. Mit ihrem massigen Kopf und den kräftigen Kiefern kann sie Mollusken und Krebstiere zermahlen.

Beim Schnorcheln triffst du sie rund um die Korallenriffe. Gegenüber Tauchern, die Abstand halten, ist sie meist wenig scheu. Ihre Nistplätze konzentrieren sich zwischen Mai und August auf die Strände von Garden Key und Loggerhead Key. Nachts kommen die Weibchen aus dem Wasser, graben ein Nest und legen bis zu 120 Eier. Wenn du auf der Insel campst, ist dieser Anblick beeindruckend.

Der Prachtfregattvogel (Fregata magnificens)

Siebdruck-Illustration: Ein männlicher Prachtfregattvogel gleitet über Bush Key, erkennbar an seinem großen roten Kehlsack

An seiner kreuzförmigen Silhouette, den langen spitzen Flügeln und dem gegabelten Schwanz erkennst du den Prachtfregattvogel sofort. Er gleitet über dem Park, ohne je auf dem Wasser zu landen, denn sein Gefieder ist nicht wasserdicht. Er jagt wie ein Pirat: Im Flug verfolgt er andere Vögel und stiehlt ihnen ihre Beute. Ornithologen nennen diese Technik Kleptoparasitismus. Während der Balz bläht das Männchen einen leuchtend roten Kehlsack auf, der schon von Weitem zu sehen ist.

Die Fregattvögel brüten in Kolonien auf Bush Key. Zum Schutz der Nester ist die Insel von Januar bis September für die Öffentlichkeit gesperrt. Vom Fort Jefferson oder vom Fähranleger aus kannst du sie den ganzen Tag im Flug beobachten.

Der Brauntölpel (Sula leucogaster)

Siebdruck-Illustration: Ein Brauntölpel sitzt auf einem Überrest eines Anlegers über dem blauen Wasser von Dry Tortugas

Der Brauntölpel ist der häufigste Vogel des Parks. Senkrechter Sturzflug mit hoher Geschwindigkeit, schokoladenbrauner Körper und cremeweißer Bauch: Du kannst ihn nicht verwechseln. Auf Bush Key brütet er zu Tausenden. Damit gehört Dry Tortugas für diese Art zu den größten Brutkolonien der USA.

Er jagt in Gruppen vor der Küste, taucht 10 bis 15 m tief und kommt mit einem Fisch im Schnabel wieder hoch. Morgens und abends siehst du ihn in dichten Formationen zum Fischfang hinausfliegen oder zurückkehren, dicht über der Wasseroberfläche.

Der Barrakuda (Sphyraena barracuda)

Siebdruck-Illustration: Großer, regloser Silberbarrakuda nahe einem flachen Riff in den Gewässern von Garden Key

Der Barrakuda fasziniert und beunruhigt zugleich. Dieses silberfarbene Raubtier kann mehr als 1,50 m lang werden, und sein mit scharfen Zähnen besetztes Maul hat ihm einen gefürchteten Ruf eingebracht. Tatsächlich sind Angriffe auf Taucher äußerst selten. Er ist neugierig, nicht aggressiv. Beim Schnorcheln kommt es durchaus vor, dass einer reglos um dich herumkreist und dich beobachtet.

Er hält sich gern im flachen Wasser rund um die Riffe von Garden Key auf, wo er Schwärme kleiner Fische belauert. Vermeide beim Schnorcheln glänzenden Schmuck. Seine Spiegelung ähnelt der eines silberfarbenen Fisches und kann das Tier anlocken.

Der Amerikanische Stechrochen (Hypanus americanus)

Siebdruck-Illustration: Tropischer Stechrochen gleitet nahe Garden Key über den hellen Sandgrund

Der Amerikanische Stechrochen gleitet über den Sand flacher Meeresböden in 1 bis 5 m Tiefe, während seine Brustflossen lautlos auf und ab schwingen. Er kann einen Durchmesser von 90 cm erreichen. Sein giftiger Stachel am Schwanz dient ausschließlich der Verteidigung. Er setzt ihn nur ein, wenn jemand versehentlich auf ihn tritt.

Die beste Technik, um ihn beim Waten im flachen Wasser zu vermeiden, besteht darin, die Füße über den Boden zu schleifen, statt die Knie anzuheben. So schwimmt er weg, bevor du auf ihn trittst. Beim Schnorcheln siehst du ihn oft teilweise im Sand vergraben. Nur seine Augen ragen dann heraus.

Die beiden Meeresschildkrötenarten unterscheiden

Siebdruck-Illustration: Eine Suppenschildkröte und eine Unechte Karettschildkröte schwimmen im flachen Wasser über den Seegraswiesen von Dry Tortugas.

Zwei Meeresschildkrötenarten halten sich in den Gewässern der Dry Tortugas auf: die Unechte Karettschildkröte mit breitem Kopf, rotbraunen Schuppen und massigem Körper sowie die Grüne Meeresschildkröte (Chelonia mydas) mit schlankerem Profil und kleinerem Kopf. Die Grüne Meeresschildkröte ist Pflanzenfresserin und weidet wahrscheinlich eher Seegraswiesen ab als Riffe. Die Unechte Karettschildkröte hält sich dagegen oft über Korallen auf. Wenn du unsicher bist, schau auf den Kopf: groß und rund bedeutet Unechte Karettschildkröte, klein und schmal bedeutet Grüne Meeresschildkröte.

Wo du Tiere in den Dry Tortugas sehen kannst

Der Park konzentriert sich auf einige wenige Zugangspunkte, die alle nahe bei Garden Key liegen.

Die Riffe rund um Fort Jefferson sind der wichtigste Schnorchelplatz. Wenn du 10 m vom Ufer entfernt den Kopf unter Wasser steckst, findest du bereits Barrakudas, Meeresschildkröten, Papageifische, Muränen und Schnapper. Das Wasser ist klar und die flachen Meeresböden in 2 bis 5 m Tiefe machen die Erkundung auch für Anfänger beim Schnorcheln leicht.

Bush Key, direkt neben Garden Key, ist vom Fort aus zu sehen, bleibt aber einen großen Teil des Jahres für die Öffentlichkeit gesperrt. Die Kolonie aus Brauntölpeln und Fregattvögeln kannst du vom Ufer aus trotzdem mit dem Fernglas beobachten. Die Vögel fliegen ständig über dem zugänglichen Bereich.

Loggerhead Key liegt 5 km von Garden Key entfernt und ist mit dem Kajak oder einem privaten Boot erreichbar. Sie ist die größte Insel des Parks. Ihr Leuchtturm und die wenig besuchten Strände machen sie zu einem hervorragenden Beobachtungsgebiet für die Küstenfauna, darunter auch Schildkröten.

Die offenen Gewässer zwischen den Inseln sind das Jagdgebiet der Fregattvögel und Brauntölpel. Wenn du frühmorgens mit der Fähre ankommst, halte das Fernglas bereit. Schon die Überfahrt kann Delfine, Mantarochen oder Thunfische zeigen, die aus dem Wasser springen.

Wann du Tiere beobachten kannst (Jahreszeiten und Tageszeiten)

Die Aktivität der Wildtiere folgt in den Dry Tortugas zwei großen Rhythmen: dem Vogelzug und dem Fortpflanzungszyklus der Meeresschildkröten.

Frühling (März bis Mai): Für Vögel ist dies die artenreichste Jahreszeit. Dutzende Arten ziehender Singvögel machen auf ihrem Weg nach Norden auf den Inseln Rast. Erschöpft von der Überquerung des Golfs lassen sie dich leicht näher kommen. In dieser Zeit beginnen auch die Fregattvögel mit ihrer Balz.

Sommer (Juni bis August): Unechte Karettschildkröten legen ihre Eier an den Stränden ab. Wenn du auf Garden Key campst, hast du eine echte Chance, eine nächtliche Eiablage zu erleben. Die Hitze ist stark, mit etwa 32 °C, und die Luftfeuchtigkeit hoch. Dafür ist die Meeresfauna rund um die Riffe besonders aktiv.

Herbst (September bis November): Jetzt zieht eine neue Welle von Zugvögeln nach Süden. Die Vogelaktivität bleibt hoch. Während der Hurrikansaison musst du vor jeder Abfahrt die Wettervorhersage für Dry Tortugas und die offiziellen Mitteilungen prüfen.

Winter (Dezember bis Februar): Fregattvögel und Brauntölpel sind das ganze Jahr über da. Beim Schnorcheln sind Meeresschildkröten weniger gut zu sehen, weil das Wasser etwas abkühlt, auf etwa 22 °C. Dafür ist dies die angenehmste Jahreszeit für einen Besuch, mit Temperaturen um 20 °C und meistens ruhiger See.

Für tägliche Beobachtungen sind Morgendämmerung und Abenddämmerung die besten Zeitfenster. Dann erreicht die Aktivität der Seevögel beim Aufbruch und bei der Rückkehr vom Fischfang ihren Höhepunkt. Nachts bewegen sich die Schildkröten unter einem Himmel ohne Lichtverschmutzung ganz unauffällig an den Stränden entlang.

Der Guide zu den Jahreszeiten in den Dry Tortugas behandelt außerdem die Seeverhältnisse, das Wetter und den Besucherandrang.

Raubtiere und große Tiere des Parks

Der Prachtfregattvogel ist das vorherrschende Raubtier in der Luft. Er beherrscht die anderen Seevögel und kann einen Brauntölpel dazu zwingen, seine Mahlzeit mitten im Flug wieder hochzuwürgen. Unter der Wasseroberfläche übernehmen der Barrakuda und der Riffhai (Carcharhinus perezi) diese Rolle.

Der Riffhai kommt in den Gewässern des Parks vor, besonders rund um tiefer liegende Korallenformationen. Beim Schnorcheln wird er nur gelegentlich gesichtet. Menschen gegenüber ist er scheu und entfernt sich normalerweise, sobald sie sich nähern. Zwischenfälle sind in diesem Gebiet äußerst selten.

Der Große Tümmler (Tursiops truncatus) ist für Besucher genau genommen kein Raubtier, aber das charismatischste große Tier in den offenen Gewässern des Parks. Du kannst ihn regelmäßig von der Fähre oder bei Überfahrten mit einem privaten Boot sehen. Manchmal spielen Gruppen von 3 bis 10 Tieren im Kielwasser der Boote.

Wildtiere sicher beobachten

Dry Tortugas ist ein National Monument und ein Schutzgebiet. Die Regeln zum Schutz der Tierwelt werden dort streng durchgesetzt.

Mindestabstände:

  • Meeresschildkröten: Halte beim Schnorcheln mindestens 3 m Abstand. Berühre niemals eine Schildkröte, halte dich nicht an ihren Flossen fest und versperre ihr nicht den Weg. Wenn nachts eine Schildkröte am Strand Eier legt, beobachte sie ohne Taschenlampe oder mit einem Rotfilter und halte mindestens 10 m Abstand.
  • Brütende Vögel: Beachte die Sperrbereiche von Bush Key von Januar bis September. Bojen und Schilder zeigen die Grenzen deutlich an. Überschreite sie auch zum Fotografieren nicht.
  • Rochen und Barrakudas: Greife niemals ein. Strecke die Hand nicht nach einem Barrakuda aus und setze den Fuß nicht abrupt auf einen im Sand vergrabenen Rochen.

Füttere niemals die Tiere. Ein Tier, das an menschliches Futter gewöhnt ist, verändert sein natürliches Verhalten, wird aggressiv oder abhängig und stirbt häufig irgendwann. Die Bundesstrafe für das Füttern wild lebender Tiere in einem Nationalpark kann bis zu 5.000 US-Dollar betragen.

Vermeide beim Schnorcheln glänzende Gegenstände: Ringe, Armbänder und glänzende Uhren. Mehrere Arten verwechseln sie mit Beute.

Mit einem privaten Boot: Reduziere deine Geschwindigkeit in gekennzeichneten Seegrasgebieten auf weniger als 9 km/h, damit du keine an der Oberfläche schwimmenden Schildkröten rammst.

Für die allgemeinen Sicherheitsregeln auf der Insel, etwa zu Wellen, Strömungen und Sonne, lies die Vorstellung der Dry Tortugas.

Kurz gesagt: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie findest

Art Wo du suchen solltest Wann
Unechte Karettschildkröte Riffe von Garden Key beim Schnorcheln, nachts an den Stränden Ganzjährig, Eiablage Mai bis August
Prachtfregattvogel Himmel über dem Fort, Bush Key vom Ufer aus Ganzjährig
Brauntölpel Himmel, Bush Key Ganzjährig
Barrakuda Flache Riffe, Garden Key Ganzjährig
Amerikanischer Stechrochen Sandböden in 1 bis 5 m Tiefe Ganzjährig
Großer Tümmler Offene Gewässer, Überfahrt mit der Fähre Ganzjährig
Ziehende Singvögel Auf der ganzen Insel März bis Mai, September bis November

Die wichtigste Parkregel lautet: Fernglas, Flossen, Maske und Abstand halten. Dry Tortugas ist einer der wenigen Orte in den USA, an denen du in klarem Wasser neben Meeresschildkröten schnorcheln kannst, während Fregattvögel über dir fliegen. Das verdient unseren Schutz.

Häufige Fragen

Welche Tiere leben im Nationalpark Dry Tortugas?

Zu den typischen Tieren der Dry Tortugas gehören Meeresschildkröten, darunter die Unechte Karettschildkröte und die Grüne Meeresschildkröte, außerdem der Prachtfregattvogel, der Brauntölpel, der Barrakuda und der Amerikanische Stechrochen. In den Korallenriffen leben auch Muränen, Papageifische, Schnapper und Kraken. Große Tümmler halten sich in den offenen Gewässern des Parks auf.

Welches Tier ist in den Dry Tortugas am häufigsten?

Der Brauntölpel ist der häufigste Vogel. Auf Bush Key brütet er zu Tausenden und fliegt ständig über dem Archipel. Im Wasser sind Rifffische wie Schnapper, Papageifische und Doktorfische rund um die Korallenformationen nahe Garden Key allgegenwärtig.

Welches ist das größte Tier der Dry Tortugas?

Die Unechte Karettschildkröte ist das größte Tier, das du regelmäßig beobachten kannst. Sie kann mehr als 100 kg wiegen. Der Riffhai, der nur gelegentlich auftaucht, kann über 1,80 m lang werden. Der Große Tümmler ist ähnlich groß wie die Schildkröte, wird aber häufiger auf offener See als beim Schnorcheln gesichtet.

Welche Raubtiere gibt es in den Dry Tortugas?

Unter Wasser sind Barrakuda und Riffhai die wichtigsten Raubtiere. In der Luft betreibt der Prachtfregattvogel Kleptoparasitismus an anderen Seevögeln. Keines dieser Raubtiere stellt für Besucher, die die Grundregeln beachten, eine ernsthafte Gefahr dar. Berühre die Tiere nicht und trage keinen glänzenden Schmuck.

Welche Tiere sind nachts in den Dry Tortugas unterwegs?

Weibliche Unechte Karettschildkröten kommen von Mai bis August nachts an die Strände, um Eier zu legen. Auch einige Krebstiere und Mollusken sind nachts am Ufer aktiv. Der Nachthimmel ohne Lichtverschmutzung bietet außerdem die Gelegenheit, durchziehende Sturmvögel oder Wellenläufer zu beobachten, die tagsüber schwer zu entdecken sind.

Wie kommst du zur Tierbeobachtung in die Dry Tortugas?

Die Fähre Yankee Freedom III fährt jeden Morgen von Key West in etwa zwei Stunden nach Garden Key. Vor Ort reicht Schnorcheln vom Strand aus, um Schildkröten und Barrakudas zu sehen. Für Loggerhead Key und abgelegenere Gebiete brauchst du ein privates Boot oder einen Charter. Der Guide zur Anreise in die Dry Tortugas stellt alle Möglichkeiten vor.