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Siebdruck-Illustration: Ein erwachsenes Wüsten-Dickhornschaf steht auf einem Vorsprung aus rotem Sandstein über den Canyons.

Wildtiere in Canyonlands: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von Jocelyn Pion · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Canyonlands

Canyonlands besteht nicht nur aus einem Chaos roten Gesteins, das Colorado und Green River geformt haben. Der Park ist ein hoch gelegenes Wüstenökosystem, dessen Tierwelt sich an extreme Bedingungen angepasst hat: drückende Sommerhitze, trockene Winterfröste und wenige Wasserstellen. Fünf Arten stehen beispielhaft für diesen Reichtum: das Wüsten-Dickhornschaf, der Maultierhirsch, der Kojote, der Wanderfalke und der Kolkrabe. Du wirst ihnen nicht alle am selben Ort oder zur selben Zeit begegnen. Wenn du deine Besuchszeiten und die passenden Gebiete wählst, lassen die Begegnungen aber meist nicht lange auf sich warten.

Die bekanntesten Tiere von Canyonlands

Das Wüsten-Dickhornschaf

Siebdruck-Illustration: Ein erwachsenes Wüsten-Dickhornschaf steht auf einem Vorsprung aus rotem Sandstein über den Canyons.

Das Wüsten-Dickhornschaf (Ovis canadensis nelsoni) ist das Symboltier des Parks. Das Männchen erkennst du an seinen massiven Spiralhörnern, die allein mehr als 10 kg wiegen können. Das Weibchen trägt kleine, leicht gebogene Hörner und ist deutlich kleiner. Besonders an dieser Art sind ihre gespaltenen Hufe mit einer weichen, zentralen Fläche. Damit bewegt sie sich scheinbar mühelos über fast senkrechte Felswände.

Du beobachtest sie vor allem im District The Needles und an den Klippen entlang der beiden Flüsse. Früh am Morgen steigen sie zu Quellen und Tümpeln hinab. Mittags ruhen sie unter Überhängen. Als ich im April in The Needles unterwegs war, begegnete ich einer Gruppe von sieben Tieren, weniger als 50 m vom Trail entfernt. Unsere Anwesenheit ließ sie völlig kalt. Frühling und Herbst bleiben die besten Zeitfenster.

Der Maultierhirsch

Siebdruck-Illustration: Ein Maultierhirsch durchquert eine Wacholderlichtung auf dem Plateau von Island in the Sky.

Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus) ist das häufigste Tier im Park. Seinen Namen verdankt er den übergroßen Ohren, die viel größer sind als die des Weißwedelhirschs und ihm ein leicht komisches Aussehen geben. Sein Fell reicht im Sommer von Rotbraun bis im Winter zu Graubeige. Von Mai bis August tragen die Männchen ihr samtiges Geweih. Nach der Brunft im Oktober und November werfen sie es ab.

Du kannst ihn in allen Districts antreffen, auch in der Nähe von Parkplätzen und Picknickplätzen. Dämmerung und Morgengrauen sind die besten Zeiten. Dann kommen die Tiere aus ihren schattigen Verstecken und grasen. Wenn du im Frühling einem Weibchen mit seinen Kitzen begegnest, halte mindestens 30 m Abstand. Fühlt es sich in die Enge getrieben, kann es angreifen.

Der Kojote

Siebdruck-Illustration: Ein Kojote läuft zwischen Beifuß und roten Felsen in der Wüste von Canyonlands.

Der Kojote (Canis latrans) ist der vielseitige Räuber des amerikanischen Westens. Er ist schlanker als ein Wolf und erinnert mit seiner spitzen Schnauze und der beim Laufen tief getragenen Rute an einen hageren Deutschen Schäferhund. Seine Rolle in Canyonlands ist entscheidend: Er reguliert die Bestände von Kaninchen, Nagetieren, Echsen und Aasfressern.

In diesem Teil Utahs gibt es weder Wölfe noch Rotfüchse. Wenn du im Park einen wilden Caniden siehst, ist es ein Kojote. Oft hörst du ihn, bevor du ihn siehst. Sein Heulen bei Sonnenuntergang gehört zu den typischen Klangkulissen der Wüstennächte. Zu sehen ist er vor allem im Morgengrauen und am späten Nachmittag. Füttere ihn niemals. Ein Kojote, der sich an Menschen gewöhnt, wird früher oder später zwangsläufig eingeschläfert.

Der Wanderfalke

Siebdruck-Illustration: Ein Wanderfalke fliegt über eine tiefe Sandsteinschlucht nahe den Klippen von Island in the Sky.

Der Wanderfalke (Falco peregrinus) brütet an den senkrechten Canyonwänden. Damit bietet Canyonlands ihm einen besonders geeigneten Lebensraum. Seine Silhouette im Flug ist unverwechselbar: lange, schmale Flügel, eine dunkle Kappe im Kontrast zu hellen Wangen und eine fein gestreifte Brust. Im Sturzflug erreicht er nachweislich Geschwindigkeiten von mehr als 320 km/h. Damit ist er bei einem Angriff der schnellste Vogel.

Nachdem DDT seine Bestände lange stark dezimiert hatte, hat sich sein Status seit dem Verbot des Pestizids in den 1970er-Jahren deutlich verbessert. Beobachte von den Aussichtspunkten in Island in the Sky die hohen Felswände mit einem Fernglas. Die Nistplätze, sogenannte eyries, sind manchmal zu erkennen. Die beste Zeit ist von März bis Juli, während der Brutzeit.

Der Kolkrabe

Siebdruck-Illustration: Ein Kolkrabe sitzt auf einem Wacholder und überblickt die roten Canyons und die fernen Mesas.

Den Kolkraben (Corvus corax) unterschätzt man leicht, und das ist ein Fehler. Er ist im ganzen Park der am häufigsten anzutreffende Vogel. Der bis zu 65 cm große, vollständig schwarze Vogel gleitet wie ein Rapper durch die Luft. So kannst du ihn aus der Entfernung von Krähen und Hähern unterscheiden. Sein rauer Ruf ist auf den Mesas von Island in the Sky allgegenwärtig.

Gern folgt er Wanderern in der Hoffnung, während einer Pause etwas zu ergattern. Halte deine Rucksäcke geschlossen. Der Kolkrabe ist außerdem ein guter Hinweis auf andere Tiere: Wenn mehrere Raben über demselben Gebiet kreisen, deutet das oft auf ein Aas oder ein verletztes Tier in der Nähe hin.

Wo du Tiere in Canyonlands sehen kannst

Der Park ist in drei Districts gegliedert. Je nach Gebiet unterscheiden sich auch die Chancen, Tiere zu beobachten.

Island in the Sky ist der von Moab aus am leichtesten erreichbare District, etwa 40 Minuten über die UT 313. Die Aussichtspunkte an Green River und Colorado bieten Panoramen, in denen Wüsten-Dickhornschafe und Maultierhirsche regelmäßig an den offenen Hängen auftauchen. Greifvögel wie Wanderfalken, Steinadler und Truthahngeier ziehen den ganzen Tag durch die Thermik.

The Needles ist ursprünglicher und deutlich weniger besucht. Hier begegnest du am häufigsten Wüsten-Dickhornschafen, besonders auf den Trails durch Chesler Park und auf dem Joint Trail. Der Utah-Präriehund (Cynomys parvidens) ist eine endemische, als gefährdet eingestufte Art. Er gräbt seine Baue in den offenen Wiesen dieses Gebiets.

Die Ufer von Green River und Colorado ziehen in den frühen Morgenstunden besonders viele Tiere an. Graureiher, Eisvögel und mit etwas Glück auch Flussotter halten sich in diesen Feuchtgebieten auf. Du erreichst sie nur mit dem Boot oder nach mehreren Wandertagen. Der Wanderführer für Canyonlands beschreibt die Routen, auf denen du dich ihnen nähern kannst.

Wann du Wildtiere beobachten solltest

Unabhängig von der Jahreszeit sind Morgengrauen und Dämmerung immer die besten Zeiten. In der Tagesmitte zwingt die Hitze die meisten Säugetiere, sich in den Schatten von Felsüberhängen zurückzuziehen.

Im Frühling (April und Mai) ist die Tierwelt am aktivsten: Weibchen bringen ihre Jungen zur Welt, Vögel brüten und Reptilien erwachen aus der Winterruhe. Die Tagestemperaturen bleiben angenehm und liegen zwischen 15 und 26 °C.

Im Sommer (Juni bis August) steigen die Temperaturen tagsüber häufig über 38 °C. Die Tiere kommen sehr früh am Morgen, vor 8 Uhr, und am späten Nachmittag nach 18 Uhr heraus. Die Reptilien sind dann vor allem nachts aktiv.

Im Herbst (Mitte September bis Oktober) beginnt das zweite große Beobachtungsfenster. Die Brunft der Maultierhirsche macht die Männchen im Oktober sichtbar und laut. Die Temperaturen sind wieder ideal.

Im Winter (Dezember bis März) steigen die Wüsten-Dickhornschafe in weniger exponierte Höhenlagen hinab und kommen manchmal sehr nahe an die Straßen. Der Besucherdruck nimmt deutlich ab, was die Beobachtung erleichtert. Die Bedingungen für einen Besuch in Canyonlands decken für eine ausführliche Analyse alle klimatischen Faktoren nach Jahreszeit ab.

Die nachtaktiven Tiere verdienen eine eigene Erwähnung. Der Puma jagt hauptsächlich nachts. Auch Skorpione sind nachtaktiv. Sobald es dunkel wird, brauchst du unbedingt eine Stirnlampe.

Raubtiere und große Tiere in Canyonlands

Das größte Säugetier, das du im Park regelmäßig sehen kannst, ist der Maultierhirsch. Ausgewachsene Männchen erreichen bis zu 150 kg. Das Ökosystem wird jedoch vom Puma (Puma concolor) als wichtigstem Räuber geprägt. Du bekommst ihn nur sehr selten zu Gesicht. Er ist scheu, dämmerungs- und nachtaktiv und meidet besuchte Gebiete gezielt. Seine Spuren, runde, handtellergroße Abdrücke ohne Krallen, werden im gesamten Park dennoch regelmäßig vom NPS registriert.

Gibt es Bären in Canyonlands? Nein. Der Schwarzbär (Ursus americanus) lebt in einigen bewaldeten Gebirgszügen Utahs, aber Canyonlands gehört nicht zu seinem üblichen Verbreitungsgebiet. Besucher, die mit den Gewohnheiten aus Bärengebieten anreisen, können ihren Bear Canister in Moab lassen.

Der Steinadler (Aquila chrysaetos) ergänzt die Liste der bemerkenswerten Räuber. Als gefährlicher Jäger kann er junge Wüsten-Dickhornschafe angreifen. Der bereits erwähnte Wanderfalke ist der zweite jagende Greifvogel, auf den du achten solltest.

Wildtiere sicher beobachten

Die Regeln sind einfach und nicht verhandelbar.

Halte die Mindestabstände ein: 30 m zu Hirschen und Wüsten-Dickhornschafen. Wenn ein Tier sein Verhalten ändert, sobald du dich näherst, etwa den Kopf hebt, die Richtung wechselt oder laut wird, bist du zu nah. Geh sofort zurück. Diese Abstände sind nicht willkürlich. Ein gestresstes Tier verbraucht Energie, die ihm bei Hitze oder während der Aufzucht seiner Jungen fehlen und sogar das Leben kosten kann.

Füttere niemals Tiere, auch keine Eichhörnchen oder bettelnden Raben. Das verbietet die Bundesgesetzgebung, und langfristig verurteilst du das Tier damit zum Tod.

Reptilien und Gliederfüßer: Great Basin-Klapperschlangen (Crotalus oreganus lutosus) gibt es von März bis Oktober. Dreh niemals mit bloßen Händen einen Stein oder Baumstamm um. Schau nach, bevor du deine Hände auf einen Felsen oder Vorsprung legst. Arizona-Rindenskorpione (Centruroides sculpturatus) kriechen in Schuhe, Kleidung und Schlafsäcke. Schüttle deine Sachen deshalb immer aus, bevor du sie anziehst oder dich hinlegst. Nach einem Stich solltest du ärztliche Hilfe suchen, besonders bei Kindern.

Begegnung mit einem Puma: Das kommt äußerst selten vor, aber du solltest das Verhalten kennen. Mach dich groß und sprich laut. Lauf nicht weg. Greift das Tier an, wehr dich aktiv.

Die allgemeinen praktischen Informationen zu Canyonlands decken die weiteren Sicherheitsregeln für alle Situationen im Park ab.

Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie suchst

Art Bestes Gebiet Beste Zeit
Wüsten-Dickhornschaf The Needles, Flussklippen Morgengrauen, Frühling und Herbst
Maultierhirsch Alle Districts Morgengrauen und Dämmerung
Kojote Umgebung der Campingplätze, Pisten Dämmerung und Nacht
Wanderfalke Island in the Sky (Klippen) März bis Juli
Kolkrabe Überall auf den Mesas Den ganzen Tag
Puma Überall (selten zu sehen) Nacht

Unser kompletter Canyonlands-Guide liefert den allgemeinen Kontext zum Park. So kannst du deinen Besuch rund um die besten Beobachtungsgebiete planen.

Häufige Fragen

Welche Wildtiere leben im Canyonlands National Park?

Zu den Wildtieren in Canyonlands gehören unter anderem das Wüsten-Dickhornschaf, der Maultierhirsch, der Kojote, der Puma, der Wanderfalke und der Kolkrabe. Auch Reptilien sind zahlreich vertreten. Halsbandleguane, Great Basin-Klapperschlangen und Arizona-Rindenskorpione gehören zum Ökosystem dieser hoch gelegenen Wüste.

Welches Tier ist in Canyonlands am häufigsten?

Am leichtesten begegnest du dem Maultierhirsch, und zwar in fast allen Gebieten und zu jeder Jahreszeit. Unter den Vögeln ist der Kolkrabe auf den Mesas und an den Aussichtspunkten allgegenwärtig.

Gibt es Bären in Canyonlands in Utah?

Nein. Im Canyonlands National Park gibt es keine etablierte Schwarzbärenpopulation. Ihr Lebensraum in Utah liegt vor allem in den bewaldeten Gebirgszügen im Landesinneren. Für diesen Park brauchst du keine besonderen Vorkehrungen gegen Bären, etwa einen Bear Canister oder ein Seil zum Aufhängen von Lebensmitteln.

Gibt es Skorpione in Canyonlands?

Ja. Der Arizona-Rindenskorpion (Centruroides sculpturatus) kommt im gesamten Park vor. Er ist nachtaktiv und kriecht leicht in Schuhe, Kleidung und Schlafsäcke. Schüttle deine Sachen immer aus, bevor du sie anziehst oder dich hinlegst. Sein Stich ist schmerzhaft. Bei einer starken Reaktion und bei Kindern solltest du ärztliche Hilfe suchen.

Welches ist das größte Tier in Canyonlands?

Der ausgewachsene Maultierhirsch ist mit bis zu 150 kg bei den Männchen das größte Säugetier, das du im Park regelmäßig sehen kannst. Der Puma ist zwar sehr selten zu beobachten, hat aber eine ähnliche Körpergröße.

Welche Raubtiere gibt es in Canyonlands?

Der Puma ist das einzige große Landraubtier des Parks. Der Kojote jagt Kaninchen, Nagetiere und Reptilien. Unter den Greifvögeln jagen Steinadler und Wanderfalken Säugetiere beziehungsweise Vögel im Flug.

Welche Tiere sind nachts in Canyonlands unterwegs?

Puma und Kojote sind nachts die aktivsten Säugetiere. Auch Skorpione und bestimmte Reptilien kommen nach Sonnenuntergang heraus, besonders im Sommer, um die von den Felsen abgestrahlte Wärme zu nutzen. Sobald es dunkel wird, brauchst du eine Stirnlampe. Sie sorgt auf dem Trail für Sicherheit und hilft dir zugleich, diese Arten zu entdecken.