Big Bend: Welche Tiere du sehen kannst und wo du sie beobachtest
In Big Bend treffen drei übereinanderliegende Lebensräume aufeinander: die Chihuahua-Wüste, die Chisos Mountains und der Korridor des Rio Grande. Diese Mischung sorgt für eine ungewöhnlich große Artenvielfalt in einem einzigen US-Nationalpark: Mehr als 450 Vogelarten, 75 Säugetierarten, 67 Reptilienarten und rund 40 Fischarten wurden erfasst. Die fünf Tiere, die du nicht verpassen solltest? Der Schwarzbär, der Halsbandpekari, der Wegekuckuck, der Ringtail und der Puma. Jedes von ihnen hat sein eigenes Revier, seine eigenen Aktivitätszeiten und seine eigenen Tricks. Wir stellen sie dir weiter unten vor.
Die charakteristischen Tiere von Big Bend
Der Schwarzbär (Ursus americanus)

Der Schwarzbär verschwand in den 1940er-Jahren aus Big Bend, nachdem Jagd und Lebensraumzerstörung ihm zugesetzt hatten. Seit den 1980er-Jahren kehrt er aus eigener Kraft aus Mexiko zurück, ohne dass Menschen ihn wieder angesiedelt hätten. Heute konzentriert sich die Population auf die Chisos Mountains. Dort bieten Kiefern- und Eichenwälder Schutz und reichlich Nahrung.
Sein Fell reicht von Hellbraun bis Tiefschwarz. An der Farbe allein lässt sich die Art deshalb nicht bestimmen. Allerdings ist er die einzige Bärenart in Big Bend. Den Grizzly, also den Braunbären (Ursus arctos), gibt es in diesem Park nicht. Achte zur Bestätigung auf die helle Schnauze, die gerade Gesichtsform und die fehlende Schulterhöcker-Silhouette.
Der Schwarzbär ist ein Allesfresser und ernährt sich je nach Jahreszeit von Agaven, Beeren, Insekten und Aas. Am Chisos Basin Campground taucht er regelmäßig auf, weil er gelernt hat, dass Menschen Nahrung mit sich führen. Deshalb sind auf allen Stellplätzen des Campgrounds die vorgeschriebenen Bärensicheren Aufbewahrungsboxen (bear boxes) vorhanden.
Wo du ihn siehst: Chisos Basin, Window Trail, Lost Mine Trail. Beste Zeit: im Frühling und Herbst, in den kühlen Morgenstunden.
Das Halsbandpekari (Dicotyles tajacu), auch „Javelina“ genannt

Das ist kein Wildschwein. Das Halsbandpekari gehört zu einer völlig anderen Familie, den Tayassuidae, und lässt sich nicht domestizieren. Der helle Haarkragen an den Schultern und die gerade Schnauze ohne aufgebogene Spitze unterscheiden es auf den ersten Blick vom europäischen Wildschwein. Es wiegt 15 bis 30 kg und zieht immer in Gruppen von 5 bis 15 Tieren umher.
Als spezialisierter Pflanzenfresser ernährt es sich vor allem von Feigenkakteen (prickly pear cactus), Agaven und Wurzeln. Du begegnest ihm häufig an den Straßen und rund um Picknickplätze. Als wir bei Tagesanbruch am Rio Grande Village unterwegs waren, überquerte eine Gruppe von etwa zehn Tieren ganz entspannt den Parkplatz. Sie schnüffelten an den verschlossenen Mülltonnen, dabei wirkte ihr Vorgehen entmutigend zielstrebig und perfekt organisiert.
Wo du es siehst: Rio Grande Village, Panther Junction, Chisos Basin. Beste Zeit: das ganze Jahr über, früh am Morgen und am späten Nachmittag.
Der Kalifornische Wegekuckuck (Geococcyx californianus)

Ja, der echte Roadrunner. Er läuft tatsächlich, erreicht auf ebenem Boden 30 km/h und fliegt aus freien Stücken nur wenig, nicht etwa weil er es nicht könnte. Der Vogel ist ein gefährlicher Räuber: Schlangen, darunter Klapperschlangen, Eidechsen, Skorpione, kleine Nagetiere und mehr gehören zu seiner Beute. Er schlägt sie auf dem Boden bewusstlos, bevor er sie mit dem Kopf voran verschlingt. Das stellt das Bild der Zeichentrickfigur gründlich auf den Kopf.
Sein dunkelbraunes, weiß gestreiftes Gefieder, die aufstellbare Haube und der unbefiederte rot-orange Augenstreif unterscheiden ihn von allen anderen Vögeln des Parks. Der Wegekuckuck ist territorial, wenig scheu und hält sich gern an Straßen und Gebäuden auf. In Big Bend gehört er zu den Tieren, die sich am einfachsten fotografieren lassen.
Wo du ihn siehst: auf offenen Flächen mit Buschbewuchs, an Straßenrändern und bei Panther Junction. Beste Zeit: das ganze Jahr über, tagsüber.
Der Ringtail (Bassariscus astutus)

Der Ringtail ist das offizielle Wappentier des Bundesstaates Texas und keine Katze. Er gehört wie der Waschbär zur Familie der Procyonidae. Sein schwarz-weiß geringelter Schwanz ist so lang wie sein Körper, und seine riesigen schwarzen Augen sind an das Nachtleben angepasst. Dadurch ist er unverwechselbar.
Als hervorragender Kletterer nutzt er Felsspalten und Baumhöhlen. Camper am Chisos Basin Campground begegnen ihm regelmäßig nach 22 Uhr. Sie hören ihn an den verschlossenen Aufbewahrungsboxen umherstreifen. Für ihn gilt dieselbe Regel wie für den Bären: keine zugänglichen Lebensmittel und keine Verpackungen in Reichweite.
Wo du ihn siehst: Chisos Basin, felsige Bereiche in höheren Lagen. Beste Zeit: nachts, das ganze Jahr über.
Der Puma (Puma concolor)

Den Puma gibt es im Park tatsächlich. Die Ranger dokumentieren regelmäßig Spuren, Aufnahmen von Fotofallen und Kadaver seiner Beutetiere. Ihn zu sehen, bleibt trotzdem selten. Die große Raubkatze jagt nachts, meidet Menschen und bewegt sich lautlos durch abgelegene Felsgebiete. Ihre wichtigste Beute ist der Maultierhirsch.
Wenn du einen Puma siehst, fliehe nicht, renne nicht weg und drehe ihm nicht den Rücken zu. Mache dich groß, indem du die Arme hebst, weiche langsam zurück, während du ihn ansiehst, und sprich mit fester Stimme. Angriffe auf Menschen sind in Big Bend äußerst selten.
Wo du ihn siehst: In den Chisos Mountains werden die meisten dokumentierten Beobachtungen gemeldet. Beste Zeit: in der Dämmerung und nachts.
Die Vögel von Big Bend: ein Sonderfall

Mit mehr als 450 erfassten Arten gehört Big Bend zu den US-Nationalparks mit der größten Vogelvielfalt. Drei Arten verdienen besondere Erwähnung.
Der Wanderfalke (Peregrine falcon) brütet an den Felswänden der Chisos Mountains und ist das ganze Jahr über hier. Der Luziferkolibri (Lucifer hummingbird) ist schon wegen seines Namens schwer zu übertreffen und eine texanische Besonderheit, die du im Frühling in blühenden Canyons beobachten kannst. Das leuchtend rote Männchen des Rotkardinals (Northern cardinal) ist rund um Rio Grande Village häufig und ohne Fernglas zu erkennen.
Der Pappelbestand am Rio Grande Village Nature Trail gilt als bester Ort zur Vogelbeobachtung im Park, besonders während des Frühjahrszugs (April bis Mai) und des Herbstzugs (September bis Oktober).
Wo du in Big Bend Tiere siehst
Chisos Basin ist das ergiebigste Gebiet für alle Tiergruppen. Am Campground werden regelmäßig Schwarzbären, Ringtails und Pekaris gesichtet. Die Trails Window Trail (6,8 km hin und zurück) und Lost Mine Trail (7,2 km hin und zurück) führen durch einen hoch gelegenen Wald, der für die texanische Wüste untypisch ist und besonders viele Säugetiere anzieht.
Rio Grande Village ist ein Paradies für Ornithologen und der beste Ort, um Pekaris zu beobachten. Der 1,6 km lange Nature Trail bei Sonnenaufgang ist ein echter Klassiker. An den Ufern des Rio Grande leben außerdem Wasservögel, Nutrias und, deutlich seltener, Biber.
Ross Maxwell Scenic Drive und das Gebiet um Castolon zeigen die Wüste in ihrer ursprünglichen Form. Roadrunner laufen an den Straßenrändern entlang, Texas-Hornkröten wärmen sich auf den Felsen und Schlangen überqueren bei Tagesanbruch die Straßen. Wenn du langsam fährst und die ausgeschilderten Geschwindigkeitsbegrenzungen im Park einhältst, entdeckst du deutlich mehr Tiere.
Der Big-Bend-Reiseführer stellt den gesamten Park vor und führt dich je nach Reiseplan zu den passenden Themen.
Wann du Tiere beobachten solltest
Die goldene Regel in der Chihuahua-Wüste lautet: Tagesanbruch und Dämmerung. Im Hochsommer (Mai bis August) steigen die Temperaturen im Flachland schon vor 10 Uhr auf über 38 °C. Die Tiere ziehen sich in den Schatten zurück. Das solltest du ebenfalls tun oder in die Chisos Mountains hinaufsteigen, wo es 10 bis 15 °C kühler ist.
Der Frühling (März bis April) ist das ideale Zeitfenster: angenehme Temperaturen, ein besonders aktiver Frühjahrszug der Vögel und besser sichtbare Säugetiere. Der Herbst (Oktober bis November) bietet ähnliche Bedingungen, dann ist der Herbstzug nach der Brutzeit unterwegs. Der Winter (Dezember bis Februar) bleibt im Flachland mild, in den Chisos Mountains kommt es jedoch gelegentlich zu Frost.
Nachts verwandelt sich der Park. Big Bend gehört zu den US-Reisezielen, die am besten vor Lichtverschmutzung geschützt sind. Nach 21 Uhr übernehmen rund 20 Fledermausarten, Kojoten, Ringtails und nachtaktive Schlangen das Geschehen. Außerhalb des beleuchteten Campground-Bereichs brauchst du unbedingt eine Stirnlampe.
Den ausführlichen Monatskalender findest du im Guide zu den besten Reisezeiten für Big Bend.
Raubtiere und große Tiere in Big Bend
Der Puma ist das wichtigste Landraubtier des Parks. Seine bevorzugte Beute, der Maultierhirsch (mule deer), ist zugleich das größte Pflanzen fressende Tier in Big Bend. Ein ausgewachsenes Männchen kann 120 kg erreichen. In der Dämmerung siehst du ihn häufig an den Straßen. Fahre nachts langsamer, denn im gesamten Park kommt es oft zu Kollisionen.
Auf giftige Schlangen solltest du achten. In Big Bend leben etwa 35 Schlangenarten, darunter vier giftige. Die Westliche Diamantklapperschlange (western diamondback rattlesnake) ist am häufigsten. Typische Merkmale sind der dreieckige Kopf, senkrechte Schlitzpupillen und die Rasseln am Schwanzende. Der Wassermokassin (cottonmouth) hält sich an den Ufern des Rio Grande auf. Zwei weitere Klapperschlangenarten leben in den höher gelegenen Gebieten.
Die Texas-Hornkröte (Texas horned lizard, auch „horny toad“ genannt) ist geschützt und darf nicht aufgehoben werden. Ihre Krone aus Knochendornen und ihr abgeflachter Körper unterscheiden sie von allen anderen Echsen des Parks.
Skorpione gibt es im gesamten Park. Schüttle Schuhe, Kleidung und Schlafsack, die auf dem Boden gelegen haben, vor dem Gebrauch immer gründlich aus, besonders am Morgen.
Tiere sicher beobachten
Halte zu allen wild lebenden Säugetieren mindestens 30 Meter Abstand. Das ist die Regel des NPS und keine Empfehlung. Bei Bären und Pumas ist dieser Abstand die absolute Untergrenze.
Füttere niemals ein Tier, auch nicht unbeabsichtigt oder für ein Foto. Ein Tier, das an menschliche Nahrung gewöhnt ist, muss vom Park möglicherweise umgesiedelt oder eingeschläfert werden. Die Verantwortung liegt vollständig beim Besucher.
Gerüche unter Kontrolle halten: Lebensmittel, Getränke, Kochutensilien, Zahnpasta, Sonnencreme und Müll gehören in eine Bärensichere Aufbewahrungsbox oder in dein Fahrzeug mit geschlossenen Fenstern, sobald du sie nicht benutzt. Diese Regel gilt auf dem Campground genauso wie beim Wandern.
Bei einem Schlangenbiss: Stelle das gebissene Körperteil ruhig, bleibe gelassen und rufe 911 an. Schneide die Bissstelle nicht auf, sauge das Gift nicht heraus und lege keinen Druckverband an. Im Chisos Mountains Lodge gibt es ein Telefon und Zugang zu Rettungsdiensten.
Für die vollständigen Abläufe und Notrufnummern fragst du direkt die Ranger oder liest die Hinweise im Visitor Center. Der Guide zu den Wanderungen in Big Bend weist auf die Trails hin, auf denen Tierbegegnungen am wahrscheinlichsten sind.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen
| Art | Wichtigstes Gebiet | Entscheidende Zeit |
|---|---|---|
| Schwarzbär | Chisos Basin | Morgen, Frühling/Herbst |
| Halsbandpekari | Rio Grande Village | Tagesanbruch und Dämmerung |
| Wegekuckuck | Offene Wüstengebiete | Tagsüber |
| Ringtail | Chisos Basin Campground | Nacht |
| Puma | Chisos Mountains | Dämmerung (selten) |
| Maultierhirsch | Straßen, Chisos Basin | Tagesanbruch und Dämmerung |
| Vögel (über 450 Arten) | Rio Grande Village Nature Trail | Frühling und Herbst |
| Klapperschlange | Felsige Trails | Besser meiden, Tagesanbruch |
Häufige Fragen
Welche Tiere sind für den Big-Bend-Nationalpark charakteristisch?
Zu den charakteristischen Tieren von Big Bend gehören der Schwarzbär, das Halsbandpekari (Javelina), der Wegekuckuck, der Ringtail und der Puma. Bekannt ist der Park außerdem für seine mehr als 450 Vogelarten, darunter Wanderfalke und Luziferkolibri.
Welches Tier ist im Big-Bend-Nationalpark am häufigsten?
Das Halsbandpekari lässt sich am leichtesten beobachten. Es zieht tagsüber in Gruppen rund um die bewohnten Bereiche des Parks umher. Auch Wegekuckuck und Maultierhirsch sind sehr häufig und ohne besondere Anstrengung zu sehen.
Welches ist das größte Tier im Big-Bend-Nationalpark?
Das größte Landtier in Big Bend ist der Maultierhirsch (mule deer). Ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu 120 kg wiegen. Der Puma, für den er die wichtigste Beute ist, erreicht je nach Tier 50 bis 80 kg.
Welche Raubtiere gibt es im Big-Bend-Nationalpark?
Der Puma ist das große Raubtier von Big Bend. Kojote, Rotluchs (bobcat) und Graufuchs sind mittelgroße Räuber, die überall im Park vorkommen. Giftige Schlangen, darunter die Westliche Diamantklapperschlange, ergänzen die Liste der Tiere, zu denen du Abstand halten solltest.
Welche Tiere sind nachts im Big-Bend-Nationalpark unterwegs?
Nachts gehört Big Bend den Ringtails, Kojoten, Waschbären, rund 20 Fledermausarten und nachtaktiven Schlangen. Auch der Puma jagt nachts, wird aber nur selten gesichtet.
Gibt es Schlangen im Big-Bend-Nationalpark?
Ja. In Big Bend leben etwa 35 Schlangenarten, darunter vier giftige: die Westliche Diamantklapperschlange, der Wassermokassin und zwei Arten von Bergklapperschlangen. Achte auf felsigen Trails immer darauf, wohin du trittst und wohin du die Hände setzt. Hebe niemals eine Schlange auf, die du nicht sicher bestimmen kannst.