Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Ein Wanderfalke sitzt auf einem Granitvorsprung des Champlain Mountain und überblickt die felsige Küste von Acadia.

Wildtiere in Acadia: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von David Sanchez · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Acadia

Der Acadia-Nationalpark liegt an einer besonderen Stelle der Küste von Maine: auf einer Insel (Mount Desert Island), mit Süßwasserseen, Birken- und Fichtenwäldern sowie einer kalten Atlantikküste. Diese Mischung verschiedener Lebensräume sorgt für eine erstaunlich vielfältige Tierwelt in einem Park im Nordosten der USA. Im Lauf der Jahreszeiten wurden mehr als 40 Säugetierarten und über 330 Vogelarten beobachtet.

Bevor du die Insel betrittst, solltest du dir diese fünf Tiere merken: den amerikanischen Schwarzbären, den Seehund, den Wanderfalken, den Elch und den Prachttaucher. Diese fünf Arten stehen für Acadia als Park aus Wald und Meer und decken den Großteil der vorhandenen Lebensräume ab. Im Folgenden erfährst du, wo und wann du nach ihnen suchen kannst und wie du die Begegnung nicht verpasst.

Die typischen Tiere von Acadia

Der amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus)

Siebdruck-Illustration: Ein Amerikanischer Schwarzbär durchquert eine Waldlichtung auf Mount Desert Island zwischen Farnen und Nadelbäumen.

In Acadia gibt es Schwarzbären, doch sie sind scheu und meiden normalerweise stark besuchte Bereiche. Sie sind opportunistische Allesfresser: Im Frühling fressen sie Beeren, Eicheln und Insekten, im Herbst Heidelbeeren und Bucheckern, bei Bedarf auch Aas und Nagetiere. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt zwischen 60 und 180 kg. Anders, als sein Name vermuten lässt, kann sein Fell von Zimtbraun bis Tiefschwarz reichen.

Wo du ihn sehen kannst: in wenig besuchten Waldgebieten, besonders rund um Seawall und im westlichen Teil der Insel. Im Morgengrauen und in der Abenddämmerung steigen deine Chancen deutlich. Bewahre beim Camping deine Lebensmittel immer in den Bärenboxen auf, die an jedem Stellplatz bereitstehen. Eine schlecht geschlossene Kühlbox lockt den Bären an, und das endet für ihn nur selten gut.

Der Seehund (Phoca vitulina) und die Kegelrobbe (Halichoerus grypus)

Siebdruck-Illustration: Seehunde und Kegelrobben ruhen auf bei Ebbe freiliegenden Küstenfelsen in den Gewässern von Acadia.

Den Seehund wirst du in Acadia wahrscheinlich am leichtesten sehen, ohne dich besonders anzustrengen. Die Meeressäuger ruhen sich bei Ebbe in Gruppen auf freiliegenden Felsen aus. Sie sind zwischen 1,2 und 1,8 m lang und wiegen 55 bis 170 kg. In den kalten Gewässern des Golfs von Maine ernähren sie sich von Heringen, Makrelen und anderen Fischen.

Bei meinem letzten Besuch am Otter Point im September zählte ich etwa 20 Tiere, die auf den Felsen lagen und von der Park Loop Road aus bestens zu sehen waren. Ein Fernglas genügt. Bei Ebbe liegen manche Tiere weniger als 50 m vom Ufer entfernt.

So unterscheidest du die beiden Arten: Die Kegelrobbe ist deutlich größer, ein Männchen kann bis zu 300 kg wiegen. Ihr längerer Kopf hat ihr den Spitznamen „horse head“ eingebracht. Der Seehund hat eine kürzere, fast hundeartige Schnauze. Im Sommer und Herbst dominiert der Seehund, während die Kegelrobbe im Winter und Frühling besser zu sehen ist.

Der Wanderfalke (Falco peregrinus)

Siebdruck-Illustration: Ein Wanderfalke sitzt auf einem Granitvorsprung des Champlain Mountain und überblickt die felsige Küste von Acadia.

Der Wanderfalke wurde in den 1980er-Jahren in Acadia wieder angesiedelt, nachdem sein Bestand durch chlororganische Pestizide (DDT) beinahe zusammengebrochen war. Heute brüten mehrere Paare an den Klippen des Champlain Mountain. Im Sturzflug ist er der schnellste Greifvogel der Welt und kann bei einem Angriff auf Seevögel oder Tauben mehr als 300 km/h erreichen.

Praktischer Hinweis zur Beobachtung: Im Frühling und zu Beginn des Sommers sperrt der NPS vorübergehend einige Kletterrouten, um die Nester zu schützen. Sieh dir den Wanderführer für Acadia an, bevor du im April oder Mai eine Tour am Champlain Mountain planst. Die Felswand kannst du mit dem Fernglas von der Park Loop Road oder vom Bereich des Precipice aus erkennen.

Der Elch (Alces americanus)

Siebdruck-Illustration: Ein einzelner Elch am Rand eines bewaldeten Feuchtgebiets, ein seltenes, aber echtes Motiv der Tierwelt von Acadia.

Der Elch ist der größte Hirsch Nordamerikas und das größte Landtier in Acadia. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt zwischen 400 und 700 kg, sein Geweih kann mehr als 1,5 m Spannweite erreichen. Als semiaquatischer Pflanzenfresser bevorzugt er Feuchtgebiete, in denen er untergetauchte Pflanzen abweidet. Im Sommer frisst er sowohl Wasser- als auch Landpflanzen.

In Acadia sind Elchsichtungen selten. In den Sümpfen und Teichen im Nordwesten der Insel hast du die besten Chancen, besonders im Morgengrauen. Betrachte ihn als außergewöhnlichen Bonus und nicht als Punkt auf einer Checkliste. Wenn du mit dem Auto durch ein bewaldetes Feuchtgebiet fährst, bremse auf 40 km/h ab. Ein Elch, der nachts die Straße überquert, kann ein Fahrzeug schwer beschädigen.

Der Prachttaucher (Gavia immer)

Siebdruck-Illustration: Erwachsener Eistaucher auf dem ruhigen Wasser eines von Nadelbäumen gesäumten Sees in Acadia.

Der Prachttaucher ist der typische Vogel von Maine, und sein Ruf hallt ab dem Morgengrauen über die Seen des Parks. Im Brutkleid trägt er einen schwarzen Kopf, ein weißes Halsband und einen schwarz-weiß karierten Rücken. Du kannst ihn kaum verwechseln. Er taucht nach Fischen und kann länger als eine Minute unter Wasser bleiben. Als Zugvogel kommt er im Frühling in den Park und zieht im Oktober wieder weiter.

Wo du ihn sehen kannst: Eagle Lake, Jordan Pond und Long Pond sind die drei zuverlässigsten Stellen. Bei spiegelglatter Wasseroberfläche tragen die Rufe im Morgengrauen weit über den See. Halte beim Beobachten Abstand zum Ufer. Ein Prachttaucher, der sein Nest wegen des Drucks durch Menschen verlässt, kehrt nicht immer zurück.

Wo du die Tiere in Acadia sehen kannst

Acadia gliedert sich in mehrere Lebensräume mit jeweils eigener Tierwelt.

Bereich Sieur de Monts: Das feuchte Herz des Parks mit Quellen und Teichen. Hier findest du besonders gut Waldsänger, Spechte, Salamander und Waldfrosche. Im angrenzenden Wild Gardens of Acadia werden Futterpflanzen für viele heimische Arten gezeigt.

Park Loop Road: Die Küstenstraße ist die effektivste und am leichtesten zugängliche Beobachtungsroute. Otter Point und Seal Harbor eignen sich für Seehunde, Precipice für Wanderfalken und Jordan Pond für Prachttaucher.

Carriage Roads: Die 70 km langen, nicht motorisierten Kutschenwege ermöglichen eine geräuscharme Annäherung an den Wald im Inselinneren. An guten Stellen siehst du Rotfüchse, Waschbären, Biber an den Teichen, Amerikanische Nerze und Flussotter. Früh am Morgen oder am Abend spielt sich hier das meiste ab.

Westküste (Seawall, Long Pond, Teiche im Hinterland): Dieser ruhigere Bereich wird von Elchen und kleinen Waldsäugern besucht. Im Winter ergänzen Kegelrobben, die sich gelegentlich auf den Felsen zeigen, das Bild.

Wann du die Tiere beobachten solltest

Die Regel gilt für fast alle Parks: Morgengrauen und Abenddämmerung sind die besten Zeitfenster. Die meisten Säugetiere von Acadia sind dämmerungs- oder nachtaktiv, darunter Waschbär, Fischermarder, Otter, Biber und Kojote. Der Prachttaucher wird schon mit den ersten Lichtstrahlen aktiv. Der Wanderfalke jagt bei Tageslicht.

Nach Jahreszeit:

  • Frühling (Mai bis Juni): Zugvögel kehren zurück, Wanderfalken brüten, und Prachttaucher halten sich auf den Seen auf. Der Bär erwacht aus der Winterruhe und frisst aktiv.
  • Sommer (Juli bis August): Seehunde liegen gut sichtbar auf den Felsen. Waldvögel singen aus voller Kehle. Der Park ist jetzt am stärksten besucht, deshalb ziehen sich die großen Säugetiere in ruhigere Bereiche zurück.
  • Herbst (September bis Oktober): Der Bär frisst sich für den Winter Reserven an und ist im Morgengrauen häufiger unterwegs. Weißwedelhirsche sind an den Waldrändern zu sehen. Von offenen Höhen aus kannst du nach ziehenden Küstengreifvögeln Ausschau halten.
  • Winter (November bis April): Nur wenige Besucher sind unterwegs. Kegelrobben, die Kälte besser vertragen, bleiben an der Küste. Einige unerwartete Wintergäste unter den Vögeln, etwa Trottellummen, Schellenten und Eisenten, sorgen bei engagierten Ornithologen für Überraschungen.

Der Guide zur besten Reisezeit für Acadia geht Monat für Monat auf Wetterfenster und die Vorteile jeder Jahreszeit ein und beschreibt alle Saisons ausführlich.

Raubtiere und große Tiere in Acadia

Der Elch ist das größte Landtier des Parks, wie oben beschrieben. Zur Nahrungskette in Acadia gehören weder Wölfe noch Grizzlys. Sie wird von mittelgroßen, effizienten und heimlichen Arten geprägt.

Der Kojote (Canis latrans) ist das häufigste mittelgroße Raubtier des Parks. Er ist opportunistisch und hauptsächlich nachtaktiv. Auf seinem Speiseplan stehen Kaninchen, Nagetiere, Früchte und Vögel. Seine typischen Rufe wirst du lange hören, bevor du ihn zu Gesicht bekommst.

Der Rotluchs (Lynx rufus), auf Englisch auch bobcat genannt, kommt im Park vor, ist aber äußerst selten. Er lebt einzelgängerisch, ist sehr scheu und jagt Hasen und Vögel. Eine Sichtung im Park ist eine echte Ausnahme.

Der Fischermarder (Pekania pennanti), auf Englisch fisher genannt, ist ein großer Marder, der dank einer gezielten Attacke auf die Schnauze sogar Stachelschweine überwältigen kann. Er ist äußerst heimlich und vor allem nachts aktiv.

Gibt es Pumas in Acadia? Nein. Auf Mount Desert Island ist keine ansässige Puma-Population, also von Berglöwen, bestätigt. Im Bundesstaat Maine wurden einzelne Meldungen gemacht, aber es gibt keinen gesicherten Nachweis für ein Vorkommen innerhalb der Grenzen des Nationalparks.

Wildtiere sicher beobachten

Die wichtigste Grundregel lautet: Füttere niemals Wildtiere. Ein Bär, Waschbär oder sogar ein Blauhäher, der Menschen mit Futter verbindet, wird schnell zu einem Problem für den Park und für sich selbst.

Diese Mindestabstände gelten nach den Empfehlungen des NPS:

  • Bären: mindestens 90 m, also ungefähr die Länge von zwei aneinandergereihten Basketballfeldern. Wenn das Tier sein Verhalten ändert, sobald du näher kommst, bist du bereits zu nah.
  • Elche: 90 m. Ein Elch, der sich in die Enge getrieben fühlt, kann angreifen. Seine Körpermasse ist auch ohne Geweih gefährlich.
  • Seehunde auf den Felsen: 45 m. Halte beim Kajak- oder Bootfahren seitlich 50 m Abstand und nähere dich nicht frontal.
  • Brütende Vögel: Halte dich ausnahmslos an die vom NPS ausgeschilderten Wegsperrungen, besonders rund um Champlain Mountain im Frühling.

Konkrete Hinweise für deine Wanderung:

  • Mache auf den Waldwegen Geräusche, besonders wenn du in einer Gruppe unterwegs bist. Sprechen, Händeklatschen oder Singen verringert das Risiko, einen Bären zu überraschen.
  • Halte Hunde im Park immer an der Leine. Eine gespannte Leine kann bei großen Säugetieren Abwehrverhalten auslösen.
  • Wenn du einen scheinbar gestrandeten Seehund findest, nähere dich ihm nicht. Kontaktiere vor jedem Eingreifen zuerst die Marine Animal Lifeline of Maine.
  • Fahre nachts auf den Parkstraßen höchstens 50 km/h. Zusammenstöße mit Hirschen und Elchen kommen vor und können schwere Folgen haben.

Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie findest

Art Bester Spot Beste Zeit
Seehund Otter Point, Seal Harbor Bei Ebbe, ganzjährig
Prachttaucher Eagle Lake, Jordan Pond Morgengrauen, Mai bis September
Wanderfalke Klippen am Champlain Mountain Frühling und Sommer
Schwarzbär Waldgebiete, Seawall Morgengrauen und Abenddämmerung, Frühling bis Herbst
Elch Sümpfe im Nordwesten Morgengrauen und Abenddämmerung, Frühling
Rotfuchs Carriage Roads Abenddämmerung, ganzjährig
Biber Teiche im Inselinneren Abenddämmerung, Sommer bis Herbst

Für die Planung deiner Beobachtungstouren listet der Wanderführer die für Wildtiere geeigneten Trails auf. Mit dem Unterwegssein in Acadia kommst du dank der Park-Shuttles auch ohne Auto gut zurecht. Der komplette Acadia-Guide versammelt alle wichtigen Informationen zum Park.

Häufige Fragen

Welche Tierarten kann man im Acadia-Nationalpark beobachten?

In Acadia leben mehr als 40 Säugetierarten, darunter Schwarzbären, Elche, Kojoten, Biber, Seehunde, Kegelrobben und Rotluchse. Außerdem wurden über 330 Vogelarten erfasst, darunter Wanderfalken und Prachttaucher. Dazu kommt die atlantische Küstenlandschaft mit ihren Seehunden und Seevögeln.

Gibt es Bären im Acadia-Nationalpark?

Ja, der amerikanische Schwarzbär (Ursus americanus) kommt in Acadia vor. Er ist scheu und meidet normalerweise stark besuchte Bereiche. Bewahre deine Lebensmittel ausnahmslos in den Bärenboxen an den Campingplätzen auf.

Gibt es Pumas im Acadia-Nationalpark?

Nein. Auf Mount Desert Island gibt es keine nachgewiesene Puma-Population, also von Berglöwen. Im Bundesstaat Maine wurden einzelne Meldungen gemacht, aber bis heute gibt es keinen bestätigten Nachweis im Park.

Welches Tier ist im Acadia-Nationalpark am häufigsten?

Der Seehund (Phoca vitulina) ist in Acadia am einfachsten zu beobachten. Gruppen ruhen regelmäßig bei Ebbe auf den Felsen, besonders am Otter Point und in Seal Harbor.

Welches ist das größte Tier in Acadia?

Der Elch (Alces americanus) ist mit einem Gewicht von 400 bis 700 kg das größte Landsäugetier des Parks. Große Wale, etwa Buckelwale und Zwergwale, können vor der Küste auftauchen, befinden sich dann aber außerhalb der eigentlichen Parkgrenzen.

Welche Tiere sind nachts in Acadia unterwegs?

Waschbär, Amerikanischer Nerz, Flussotter, Fischermarder und Kojote sind hauptsächlich nachts aktiv. Außerhalb der Zeit, in der er sich aktiv Winterspeck anfrisst, ist der Bär dämmerungs- bis nachtaktiv. Fahre nachts auf den Parkstraßen höchstens 50 km/h, um Zusammenstöße zu vermeiden.