Wildtiere in Lake Clark: Welche Tiere du wo beobachten kannst
Lake Clark ist weder über Straßen noch mit der Bahn erreichbar. Du kommst nur mit einem Flug ab Anchorage (je nach Ziel im Park ein bis zwei Stunden) oder mit dem Boot von der Kenai Peninsula dorthin. Diese logistische Hürde schützt eine für Alaska ungewöhnlich dichte Tierwelt mit Braunbären, Karibus, Wölfen, Meeressäugern und Weißkopfseeadlern. Fünf Arten solltest du dir besonders merken: den Braunbären, das Karibu, den Grauwolf, den Orca und den Seehund. Der Braunbär ist am leichtesten zu sehen, vor allem an der Cook Inlet coast, wo sich jeden Sommer Grizzlys zum Lachsfischen versammeln. Bei den Meeressäugern sind Chinitna Bay und die Gewässer des Cook Inlet die wichtigsten Gebiete.
Die typischen Tiere von Lake Clark
Der Braunbär (Grizzly)

Der Braunbär von Lake Clark ist eine Küstenunterart. Dank seiner lachsreichen Nahrung, denn fünf Arten steigen die Flüsse des Parks hinauf, können erwachsene Männchen im Herbst kurz vor dem Winterschlaf 300 bis 350 kg wiegen. Du siehst sie vor allem an der Küste von Juli bis Oktober, an Lachsflüssen und deren Ufern. Silver Salmon Creek ist im Park der bekannteste Ort für diese Art. Bei unserem letzten Besuch zählte ich dort innerhalb von anderthalb Stunden acht Braunbären auf weniger als 500 m Uferstrecke. Du erreichst den Ort mit einem Buschflugzeug ab Anchorage oder Homer. Mehrere Lodges vor Ort bieten zwei- bis dreistündige geführte Touren an.
Das Karibu

In Lake Clark leben mehrere Karibuherden, die je nach Jahreszeit zwischen der Küste und den Höhenlagen der Chigmit Mountains wandern. Im Sommer ziehen die Herden in die alpinen Bereiche, um Insekten zu entkommen. Mücken und Bremsen sind im feuchten Landesinneren des Parks besonders aggressiv. Im Herbst steigen die Tiere wieder in die Tiefländer und offenen Täler hinab. Du findest sie vor allem im zentralen Hinterland und in den Tundragebieten. Am zuverlässigsten entdeckst du sie aus einem Buschflugzeug oder auf einer mehrtägigen Trekkingtour.
Der Grauwolf

Im Landesinneren des Parks leben Rudel von Grauwölfen. Auf ihren saisonalen Wanderungen folgen sie den Karibuherden. Zu Fuß bekommst du sie nur selten zu sehen, denn sie meiden den Kontakt mit Menschen und legen große Entfernungen zurück. Die häufigsten Beobachtungen gelingen aus einem Buschflugzeug beim Überfliegen der Täler. Im gesamten Hinterland ist ihre Anwesenheit bestätigt, besonders im Frühjahr im Tal des Tlikakila River.
Der Seehund

Der Seehund gehört an der Küste von Lake Clark zu den am leichtesten zugänglichen Meeressäugern. Die Tiere ruhen auf Felsen und Kiesstränden, oft in Gruppen. An der Küste rund um Chinitna Bay gibt es besonders viele von ihnen. Sie verhalten sich ruhig und dulden eine langsame Annäherung mit dem Kajak, solange du genügend Abstand hältst (siehe den Sicherheitsblock weiter unten). Verwechsle sie nicht mit der größeren Bartrobbe, die eine kantigere Schnauze hat und ebenfalls im Cook Inlet vorkommt.
Der Orca

Orcas halten sich vor allem von Mai bis September in den Gewässern des Cook Inlet am Parkrand auf. In der Region kommen zwei Ökotypen vor: residente Orcas, die sich hauptsächlich von Fischen und dabei vor allem von Lachsen ernähren, sowie transiente Orcas, die Meeressäuger wie Seehunde und Otter jagen. Mit Bootstouren ab Homer oder Kenai erreichst du diese Gebiete. Die Sichtungen bleiben zufällig, aber ein Guide, der die Lachsfanggebiete kennt, erhöht deine Chancen deutlich.
Schwarzbär und Braunbär in Lake Clark unterscheiden

Der Schwarzbär ist in Lake Clark deutlich seltener als der Braunbär, kommt aber in den Wäldern des Landesinneren vor. So unterscheidest du die beiden Arten draußen im Gelände: Der Braunbär hat zwischen den Schultern einen sichtbaren Muskelhöcker, der dem Schwarzbären fehlt, ein konkaves Gesichtsprofil sowie lange, helle Vorderkrallen von 5 bis 8 cm. Der Schwarzbär hat ein gerades Gesichtsprofil, spitzere Ohren und kurze, dunkle Krallen. Diese Unterscheidung ist bei einer Begegnung wichtig, weil sich die empfohlenen Reaktionen je nach Art unterscheiden.
Wo du die Tiere im Park sehen kannst
Die Geografie von Lake Clark zwingt dich, dein Gebiet schon vor der Ankunft auszuwählen: An der Küste und im Landesinneren unterscheiden sich Landschaft und Tierwelt grundlegend.
Cook Inlet coast (Silver Salmon Creek, Chinitna Bay): Braunbären, Seehunde, Seeotter, Weißkopfseeadler und Schneegänse. Du erreichst sie nur mit einem Buschflugzeug, etwa 45 Minuten ab Homer. Der Lachszug von Juli bis September ist die beste Zeit, um Bären zu beobachten.
Tal des Tlikakila River und zentrales Hinterland: Karibus, Wölfe, Flussotter und amerikanische Marder. Der Zugang ist nur mit einem Buschflugzeug oder Hubschrauber möglich. Das Gebiet ist erfahrenen Trekkerinnen und Trekkern mit kompletter Biwakausrüstung vorbehalten.
Port Alsworth und Umgebung: Elche in Feuchtgebieten, Weißkopfseeadler an den Seen und Biber an den Flüssen. Port Alsworth ist die einzige dauerhaft bewohnte Gemeinde im Park. Einige Lodges organisieren dort familienfreundliche Wildtiertouren.
Gewässer des Cook Inlet (mit dem Boot ab Homer): Orcas, Belugas, vor allem im Sommer im nördlichen Teil des Cook Inlet, Schweinswale und Seeotter. Diese Touren finden technisch außerhalb des Parks statt, aber im direkten Einflussbereich des Ökosystems.
Die Wanderungen ab Port Alsworth führen dich zu Fuß in die Tierwelt des Landesinneren.
Wann du Wildtiere beobachten kannst
Sommer (Juni bis August): Hauptsaison für Tierbeobachtungen. An der Küste fischen Bären nach Lachsen, Karibus halten sich in höheren Lagen auf und Zugvögel brüten im Park. Um die Sommersonnenwende gibt es bis zu 19 Stunden Tageslicht. Dadurch hast du lange Zeitfenster für Beobachtungen.
Herbst (September bis Oktober): zweiter Höhepunkt für Braunbären, die sich vor dem Winterschlaf in einer intensiven Fressphase befinden. Die Tundra färbt sich rot und orange. Wölfe rücken näher an die Karibuherden heran, die in die Tiefländer ziehen.
Winter und Frühjahr (November bis Mai): Der Park bleibt das ganze Jahr rund um die Uhr geöffnet. Besucherservices gibt es jedoch vom Labor Day, Anfang September, bis zum Memorial Day Ende Mai kaum. Die Seen frieren im November zu und tauen im April wieder auf. Für Flüge brauchst du dann Skier statt Schwimmer. Ausführliche Informationen zu den Bedingungen Monat für Monat findest du in unserem Lake-Clark-Jahreszeitenführer.
Morgendämmerung und Abenddämmerung: Landtiere beobachtest du meist früh am Morgen und am späten Nachmittag am besten, wenn das Licht flach steht und die Tiere aktiv sind. Wölfe und Luchse können sich dagegen auch nachts bewegen, besonders im Sommer mit seinen hellen Nächten. Der Biber ist von Natur aus dämmerungsaktiv. Suche ihn abends an ruhigen Flüssen in der Nähe von Port Alsworth.
Raubtiere und große Tiere des Parks
Der Braunbär ist das größte Landraubtier des Parks. Ein erwachsenes Männchen von der Küste kann 350 kg wiegen. Der Grauwolf ist das zweitwichtigste Landraubtier. Seine Rudel regulieren die Karibubestände, indem sie gezielt geschwächte Tiere erbeuten. Der Kanadische Luchs kommt in den Wäldern des Landesinneren vor, jagt aber nachts und bleibt fast unsichtbar. Der Weißkopfseeadler (Bald Eagle) ist das häufigste Luftraubtier im Park. Du siehst ihn an fast jedem Lachsfluss und an den Ufern der Seen.
Der Elch (Alaska Moose) ist der größte Hirsch des Parks. Erwachsene Männchen können mehr als 600 kg wiegen und ein 1,8 m breites Geweih tragen. Du findest sie in Feuchtgebieten und Espenhainen, vor allem in tieferen Lagen rund um Port Alsworth.
Im Wasser ist der Orca das wichtigste Raubtier im Cook Inlet. Tiere des transienten Ökotyps jagen Seehunde und Seeotter in koordinierten Gruppen.
Wildtiere sicher beobachten
Lake Clark hat weder Zäune noch ausgebaute Wege, und an der Küste gibt es viele Braunbären. Deshalb gelten einige konkrete Regeln.
Offizielle Mindestabstände (NPS): 50 m zu allen Landsäugetieren, also Bären, Elchen, Karibus und Wölfen, sowie 100 m zu einer Bärin mit Jungtieren. Wenn das Tier sein Verhalten wegen deiner Anwesenheit verändert, bist du zu nah.
Bärenspray: Nimm ein EPA-zertifiziertes Spray mit mindestens 225 g Capsaicin mit. Trage es griffbereit am Gürtel und nicht tief im Rucksack. Übe, es vor dem Aufbruch schnell zu ziehen.
Umgang mit Lebensmitteln: Sichere alle Lebensmittel in einem zugelassenen Bear Canister oder in den dafür vorgesehenen Fächern der Lodges. Ein Bär, der sich an menschliche Nahrung gewöhnt, wird am Ende eingeschläfert. Dein Verhalten entscheidet also direkt über sein Überleben.
Bei einer Begegnung mit einem Braunbären: Sprich ruhig, mach dich größer und weiche langsam zurück, ohne zu rennen. Ein Scheinangriff ist häufig. Greift der Bär dich körperlich an, stell dich tot, in Embryonalstellung und mit den Händen im Nacken. Bei einem Schwarzbären gilt das Gegenteil: Wehr dich aktiv.
An der Küste und im Kajak: Halte zu ruhenden Seehunden und Seelöwen mindestens 100 m Abstand. Umfahre eine Gruppe nicht auf der Landseite, sonst könntest du eine Stampede ins Wasser auslösen.
Der vollständige Lake-Clark-Führer erklärt die geltenden Verhaltensregeln im Park, einschließlich des Umgangs mit Biwaks in Bärengebieten.
Kurz gesagt: Diese Arten solltest du nicht verpassen
Fünf Arten, fünf Gebiete. Braunbär: Cook Inlet coast und Silver Salmon Creek, von Juli bis Oktober. Karibu: zentrales Hinterland und Tundratäler, im Sommer und Herbst. Grauwolf: Landesinneres des Parks, meist aus dem Flugzeug. Seehund: Chinitna Bay und Küstenfelsen, während der gesamten Sommersaison. Orca: die Gewässer des Cook Inlet mit dem Boot, von Mai bis September. Außerdem findest du Elche rund um Port Alsworth, Weißkopfseeadler an allen Lachsflüssen und Belugas im Sommer im nördlichen Teil des Cook Inlet.
Für den gesamten logistischen Überblick, also Anreise und Übernachtungsmöglichkeiten, ist unser vollständiger Lake-Clark-Führer der beste Ausgangspunkt.
Häufige Fragen
Gibt es Wölfe im Lake Clark National Park?
Ja. Im Landesinneren des Parks leben Rudel von Grauwölfen, besonders in den Tälern des Hinterlands. Bei saisonalen Wanderungen folgen sie den Karibuherden. Zu Fuß sind sie schwer zu beobachten. Die große Mehrheit der Berichte stammt von Pilotinnen, Piloten und Guides aus Buschflugzeugen.
Welche Tiere leben in Alaska und besonders in Lake Clark?
Lake Clark beherbergt die typischen Arten des küstennahen und kontinentalen Alaska: Braunbär, Schwarzbär, Grauwolf, Elch, Karibu, Kanadischer Luchs, Flussotter, Biber und Weißkopfseeadler. Im Meer kommen Seehund, Seeotter, Orca und Beluga hinzu.
Welche Meerestiere kannst du in Alaska rund um Lake Clark beobachten?
An der Cook Inlet coast im Bereich von Lake Clark siehst du Seehunde, Seeotter, Orcas, Belugas und Gewöhnliche Schweinswale. Belugas werden im Sommer regelmäßig im nördlichen Teil des Cook Inlet gesichtet. Orcas kommen im südlichen Teil rund um Homer und Kenai häufiger vor und sind vor allem von Mai bis September zu sehen.
Welche Tiere jagen in Alaska bei Lake Clark?
Zu den aktiven Raubtieren im Park gehören der Braunbär, der Lachse, kleine Säugetiere und Beeren frisst, der Grauwolf, der Karibus, Biber und Amerikanische Hasen jagt, sowie der Kanadische Luchs, der vor allem nachts Amerikanische Hasen erbeutet. Dazu kommen der Orca, je nach Ökotyp mit Seehunden, Ottern oder Lachsen als Beute, und der Weißkopfseeadler, der Fische und Enten jagt. Braunbären werden am häufigsten beobachtet. Wölfe sind zwar vorhanden, bleiben aber unauffällig.