Wildtiere in Katmai: Welche Tiere du sehen kannst und wo
Katmai ist Alaska in seiner ganzen rauen Wildheit: 19.000 km² Tundra, Gletscherflüsse und Sturmküsten am North Pacific. Die Tierwelt ist dicht, vielfältig und oft nur wenige Meter von dir entfernt beeindruckend. Diese fünf Arten solltest du kennen, bevor du überhaupt einen Fuß auf den Boden setzt: Braunbär, Elch, Karibu, Grauwolf und Seeotter. Der Rest ergibt sich fast von selbst.
Die typischen Tiere von Katmai
Der Braunbär

Der Braunbär (Ursus arctos) ist die Seele von Katmai. Im Park und Reservat leben schätzungsweise mehr als 2.200 Tiere, eine der höchsten Braunbärendichten weltweit. In Katmai erreichen Braunbären dank des reichlichen Sockeye-Lachses beachtliche Größen. Ein ausgewachsenes Männchen kann im Herbst zwischen 180 und 360 kg wiegen, nachdem es täglich Dutzende Fische gefressen hat.
Der Braunbär der Alaska Peninsula wird in englischsprachigen Reiseführern manchmal als „coastal grizzly“ bezeichnet. Es handelt sich um dieselbe Art (Ursus arctos horribilis), doch mit „grizzly“ sind gewöhnlich die kleineren, schlechter ernährten Populationen im Landesinneren gemeint. In Katmai hast du es also mit Küstenbraunbären zu tun, die zu den größten der Welt gehören.
Verhalten: Außerhalb der Fischsaison leben Braunbären meist allein. Von Juli bis September versammeln sie sich an Brooks Falls, um springende Lachse zu fangen. Die übrige Zeit grasen sie auf feuchten Wiesen, suchen im Unterholz nach Beeren oder dösen in der Nähe von Fließgewässern.
Der Grauwolf

Ja, im Katmai-Nationalpark gibt es Wölfe. Rudel von Grauwölfen (Canis lupus) durchstreifen die Tundra und die Täler im Landesinneren und jagen vor allem Elche und Karibus. Sie sind von Natur aus scheu und werden von den üblichen Besucherbereichen aus nur selten gesichtet. Wenn du sie aus einem Flugzeug oder bei einer Wanderung in einem abgelegenen Gebiet entdeckst, hast du Glück, sicher ist das nicht.
Der Elch

Der Alaska-Elch (Alces alces gigas) ist die größte Unterart seiner Gattung. Ein Männchen kann mehr als 600 kg wiegen. Du triffst ihn in den Übergangszonen zwischen Fichtenwald und Sumpfgebieten, wo er Weiden und Wasserpflanzen frisst. Das Geweih der Männchen kann im Herbst eine Spannweite von zwei Metern erreichen. Außerhalb der Brunftzeit im September und Oktober ist der Elch meist ruhig, bleibt aber unberechenbar und kräftig.
Das Karibu

Karibuherden (Rangifer tarandus) durchqueren den Park auf uralten Wanderrouten. Anders als der sesshafte Elch ist das Karibu ständig unterwegs. Am häufigsten siehst du es im Sommer und Frühherbst in geschlossenen Herden in der offenen Tundra, im Osten und Norden des Parks.
Der Seeotter

Der Seeotter (Enhydra lutris) hält sich an der Shelikof Coast am Pazifik auf. Du erkennst ihn sofort: Das Meeressäugetier treibt auf dem Rücken, die Pfoten aus dem Wasser gestreckt, und wickelt sich manchmal in Seetang ein, damit es nicht abtreibt. Die Art war wegen des Pelzhandels einst vom Aussterben bedroht und steht heute unter strengem Schutz. Entlang der Südostküste des Parks kannst du sie regelmäßig von Kajaks aus beobachten.
Der Sockeye-Lachs

Er ist zwar kein Säugetier, bestimmt aber das gesamte Leben in Katmais Wildnis. Jeden Sommer steigen Millionen Sockeye-Lachse (Oncorhynchus nerka) die Brooks River und angrenzende Fließgewässer hinauf, um zu laichen. Dieses Nahrungsangebot zieht Bären, Adler, Otter und Füchse an und konzentriert sie an denselben Flussabschnitten. Das ist Katmais großes Naturschauspiel.
Wo du die Tiere im Park sehen kannst
Brooks Camp ist ohne Frage der beste Ausgangspunkt für Tierbeobachtungen. Von den Aussichtsplattformen an Brooks Falls kannst du Bären beim Fischen aus wenigen Metern Entfernung beobachten. Du erreichst den Ort mit einem Buschflugzeug von King Salmon aus. Für die wichtigste Plattform gelten Besucherobergrenzen.
Brooks River und Lake Naknek bilden eine zweite wichtige Route. Früh am Morgen, bevor viele Besucher kommen, streifen Bären und Rotfüchse oft an den Ufern entlang.
Valley of Ten Thousand Smokes, das du von Brooks Camp aus mit dem Bus erreichst, bietet nach dem Ausbruch von Novarupta im Jahr 1912 eine fast mondähnliche Landschaft. Die Tierwelt ist dort weniger dicht, doch Greifvögel wie Weißkopfseeadler und Seeadler lassen sich beobachten.
Shelikof Coast, die du nur per Flugzeug oder Boot erreichst, ist das Revier von Seeottern, Seehunden (Phoca vitulina) und Stellerschen Seelöwen (Eumetopias jubatus). Du brauchst dafür eine eigenständige Logistik, wirst dafür aber mit spektakulären Beobachtungen ohne Menschenmassen belohnt.
Die Tundra im Landesinneren im Bereich Kukaklek und Nonvianuk erkundest du per Fly-in oder Boot. Hier leben Karibus und Wölfe, weit entfernt von den üblichen Besucherwegen.
Wann du sie beobachten kannst
Das Besuchsfenster in Katmai ist kurz: Der Park ist von Juni bis Oktober vollständig zugänglich, am meisten ist von Juli bis Mitte September los. Für Bären an Brooks Falls ist die beste Zeit von Ende Juni bis Anfang September. Im Oktober gibt es einen zweiten Höhepunkt, wenn die Bären zu den Fließgewässern zurückkehren, um tote oder sterbende Lachse zu suchen.
Elche und Karibus zeigen sich eher in der Morgen- und Abenddämmerung, besonders in offenen Gebieten. Seeotter sind tagsüber aktiv und lassen sich während der gesamten Küstensaison beobachten.
Für Einzelheiten zu jedem Monat und zum Wetter, das im Park zwischen North Pacific und Bering Sea oft neblig und regnerisch ist, lies den saisonalen Katmai-Reiseführer und die Wettervorhersage für den Park.
Zu den nachtaktiven Tieren in Katmai gehören Rotfüchse und Polarhasen (Lepus arcticus), die in der Dämmerung aktiv werden. Im Sommer dauert die Nacht nur wenige Stunden. Die „Nacht“ in Katmai ist oft eine lange Dämmerung, ideal für dämmerungsaktive Arten.
Raubtiere und große Tiere von Katmai
Der Braunbär ist das wichtigste Landraubtier. Im Park hat er keine natürlichen Feinde und steht als erwachsenes Tier an der Spitze der Nahrungskette.
Der Grauwolf ist das zweite bedeutende Raubtier. Die Rudel regulieren die Bestände von Elchen und Karibus und spielen damit eine wichtige ökologische Rolle im Gleichgewicht der Tundra.
Orcas (Orcinus orca) halten sich in den Küstengewässern des Parks auf. In den Passagen und Buchten nahe der Shelikof Coast jagen vorüberziehende Gruppen Otter, Robben und Lachse. Eine Orca-Sichtung vom Kajak oder Ausflugsboot aus bleibt ein unvergessliches Erlebnis.
Der Weiße Hai kommt hier nicht vor, denn die zu kalten Gewässer im North Pacific sagen ihm nicht zu. Dagegen lebt der Pazifische Schlafhai (Somniosus pacificus) in den Küstengewässern tief unter der Oberfläche.
Welches ist Katmais größtes Landtier? Der Alaska-Elch. Die Männchen können am Widerrist mehr als 2 m groß werden und über 600 kg wiegen.
Wildtiere sicher beobachten
Katmai ist kein Zoo. Die Ranger setzen die Sicherheitsregeln streng durch, und die Liste der Vorfälle nach unvorsichtigem Verhalten ist real.
Der vorgeschriebene Mindestabstand zu Bären beträgt 50 Meter. An Brooks Falls legen die Ranger von den Plattformen aus eine Grenze fest. Halte dich ohne Diskussion daran. Wenn sich ein Bär von selbst dir nähert, musst du zurückweichen, nicht der Bär.
Füttere niemals ein Tier, ganz gleich welches. Ein Bär, der Menschen mit Futter verbindet, wird zum „Problem Bear“ und muss eingeschläfert werden. Das ist keine Redewendung.
Bewahre deine Lebensmittel in den bereitgestellten oder zugelassenen Behältern auf. In Brooks Camp stehen im gesamten Campingplatz Bärenschließfächer (bear boxes). Gewöhnliche Kühlboxen reichen nicht aus.
Trage bei Wanderungen außerhalb der erschlossenen Bereiche dein Bear Spray und weiß, wie du es benutzt. Das Spray mit Capsaicin und einer Mindestreichweite von 7 bis 9 m ist laut den vom NPS zusammengestellten Daten bei den meisten Begegnungen aus kurzer Distanz wirksamer als eine Schusswaffe. Trage es am Gürtel, nicht tief im Rucksack.
Mach beim Gehen Lärm, sprich, singe oder benutze eine Glocke. Fast alle Bärenangriffe passieren, wenn das Tier überrascht wird. Ein vorgewarntes Tier hat normalerweise Zeit auszuweichen.
Bei Elchen während der Brunft im September und Oktober: Ein brünftiger Elch ist unberechenbar und aggressiv. Halte mindestens 30 m Abstand. Ein Elch kann schneller angreifen, als es den Anschein hat.
Die vollständigen Sicherheitsregeln für den Park, darunter Notfallanweisungen und Vorgaben für das Übernachten im Hinterland, findest du im Katmai-Parkführer.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen
| Art | Beste Zeit | Bester Spot |
|---|---|---|
| Braunbär | Juli bis Mitte Sept. (Fischfang) | Brooks Falls |
| Seeotter | Juni bis September | Shelikof Coast (Kajak) |
| Elch | Jede Jahreszeit, Morgen-/Abenddämmerung | Ufer von Lake Naknek |
| Karibu | Juli bis Oktober | Tundra im Landesinneren (Fly-in) |
| Sockeye-Lachs | Mitte Juni bis Ende Sept. | Brooks River |
| Grauwolf | Zufällig | Täler im Landesinneren (Fly-in) |
| Orca | Juli bis September | Küstengewässer (Boot) |
Der Braunbär ist nach wie vor der wichtigste Grund für eine Reise nach Katmai. Wenn du dir aber Zeit nimmst und über Brooks Falls hinausblickst, zeigt dir der Park eine ebenso bemerkenswerte Küsten- und Inselfauna, die deutlich weniger besucht wird.
Häufige Fragen
Welche Tiere gibt es im Katmai-Nationalpark?
Im Park leben Braunbären, schätzungsweise mehr als 2.200 Tiere, außerdem Elche, Karibus, Grauwölfe, Rotfüchse, Polarhasen, Seeotter, Seehunde, Stellersche Seelöwen, Orcas und im Sommer Millionen von Sockeye-Lachsen.
Welches Tier ist typisch für Alaska?
Der Elch ist das offizielle Staatstier von Alaska. In Katmai verkörpert jedoch der Braunbär den Park. Brooks Falls ist weltweit für das Schauspiel fischender Bären bekannt.
Gibt es Wölfe im Katmai-Nationalpark?
Ja, im Park leben Rudel von Grauwölfen, vor allem in den abgelegenen Tundragebieten und Tälern im Landesinneren. Sie sind scheu und werden von den Besucherbereichen aus selten gesichtet. Mit einem Buschflug oder einem eigenständigen Aufenthalt im Hinterland steigen deine Chancen.
Wie kommst du nach Katmai?
Der Park ist weder mit dem Auto noch mit dem Bus erreichbar. Du musst zunächst mit einem Linienflug nach King Salmon fliegen, von Anchorage aus etwa eine Stunde, und anschließend ein Buschflugzeug nach Brooks Camp nehmen. Der Anreiseführer für Katmai beschreibt je nach Jahreszeit alle Transportmöglichkeiten.