Unabhängige Reiseführer zu den US-Nationalparks
Siebdruck-Illustration: Ein Puma bewegt sich unauffällig an einem felsigen, bewaldeten Hang der hohen Guadalupe Mountains.

Wildtiere in Guadalupe Mountains: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von David Sanchez · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Guadalupe Mountains

Guadalupe Mountains liegt am Übergang zweier Welten: Im Süden erstreckt sich die Chihuahuan Desert, in den höheren Lagen beginnen die Ausläufer der Rocky Mountains. Dieser Lebensraum beherbergt eine Tierwelt, die du sonst nirgendwo in Texas findest. Hier treffen Arten der Trockengebiete auf Waldtiere, und das auf einer Fläche von etwas mehr als 340 km².

Zu den fünf bekanntesten Tieren des Parks gehören Puma, Schwarzbär, Wapiti, Javelina und Steinadler. Insgesamt leben hier außerdem rund 60 Säugetierarten, Hunderte Vogelarten, zahlreiche Reptilien und eine wirbellose Tierwelt, die viele Besucher überrascht. Welches Tier siehst du auf den Trails am häufigsten? Ganz klar: das Javelina.

Die bekanntesten Tiere von Guadalupe Mountains

Der Puma: stiller Wächter der Höhenlagen

Siebdruck-Illustration: Ein Puma bewegt sich unauffällig an einem felsigen, bewaldeten Hang der hohen Guadalupe Mountains.

Der Puma (Puma concolor) steht im Park an der Spitze der Nahrungskette. Er lebt im gesamten Massiv, von felsigen Canyons bis zu den Nadelwäldern der Hochflächen. Er jagt in der Morgen- und Abenddämmerung und bevorzugt Felswände sowie Geröllfelder, von denen aus er seiner Beute auflauern kann. Ihn zu sehen, ist ein glücklicher Zufall: Auf den Trails der Hochlagen findest du regelmäßig seine Spuren. Seine Anwesenheit ist unübersehbar, doch das Tier selbst bleibt sehr scheu. Bei unserem Aufenthalt im Bereich von Bush Mountain folgten wir seinen frischen Spuren über 300 Meter. Der Puma selbst blieb unsichtbar.

Der Schwarzbär: opportunistischer Allesfresser des Parks

Siebdruck-Illustration: Ein Schwarzbär durchquert in den Höhen des Parks eine von Kiefern gesäumte Berglichtung.

Der Schwarzbär (Ursus americanus) hält sich vor allem in den bewaldeten Gebieten oberhalb von 2.000 m auf, wo Eichen, Kiefern und Madrones wachsen. Er ist ein Allesfresser: Eicheln, Beeren, Insekten und Aas interessieren ihn gleichermaßen. Im Herbst frisst er besonders viel, um Reserven für die winterliche Ruhephase anzulegen. In Texas hält er keinen vollständigen Winterschlaf, aber seine Aktivität geht von Dezember bis Februar deutlich zurück. Sein vollständig schwarzes, manchmal zimtbraunes Fell macht ihn unverwechselbar. Grizzlys gibt es im Park nicht. Diese Art ist in Texas seit mehr als einem Jahrhundert ausgestorben.

Der Wapiti: die große Gestalt auf den Lichtungen

Siebdruck-Illustration: Ein ausgewachsener Wapiti hebt sich auf einer offenen Wiese im Dog Canyon vor bewaldeten Kämmen ab.

Der Wapiti (Cervus canadensis), in Nordamerika Elk genannt, ist das größte Säugetier des Parks. Ausgewachsene Männchen wiegen mehr als 300 kg und tragen im Herbst während der Brunft von September bis November ein imposantes Geweih. Die heutige Population geht auf Tiere zurück, die vor mehreren Jahrzehnten wieder angesiedelt wurden. Durch die Jagd war die Art im 19. Jahrhundert aus der Region verschwunden. Am besten beobachtest du Wapitis bei Sonnenaufgang in offenen Bereichen und auf den Lichtungen der Nadelwälder, besonders auf der Seite von Dog Canyon.

Das Javelina: am häufigsten gesichtet

Siebdruck-Illustration: Ein Halsbandpekari durchstöbert, deutlich im Profil zu sehen, das dornige Buschland der Chihuahua Desert.

Das Javelina (Pecari tajacu), auch Halsbandpekari genannt, sieht aus wie ein kleines graubraunes Wildschwein mit einem Ring aus hellen Haaren um den Hals. Es handelt sich jedoch um eine eigenständige Art, die nicht unmittelbar mit dem europäischen Wildschwein verwandt ist. Javelinas leben in Gruppen von fünf bis 15 Tieren und lassen sich von Menschen rund um das Pine Springs Visitor Center kaum stören. Sie ernähren sich von Kakteen, Dornen eingeschlossen, außerdem von Knollen und Früchten. Ihr Geruchssinn ist erstaunlich gut: Sie haben dich längst entdeckt, bevor du sie siehst.

Der Steinadler: Greifvogel der Felswände von Guadalupe

Siebdruck-Illustration: Ein Steinadler gleitet vor den steilen Wänden und Kalksteinsimsen des Guadalupe Escarpment.

Der Steinadler (Aquila chrysaetos) brütet in den senkrechten Felswänden des Parks, besonders entlang der Guadalupe Escarpment, der großen Kalksteinwand am westlichen Rand des Massivs. Du erkennst ihn an seiner Flügelspannweite von bis zu 2,3 m, dem gleichmäßig dunkelbraunen Gefieder und dem goldenen Schimmer im Nacken. Er jagt am Tag und gleitet dabei oft über den Graten. Schwarzschwanzkaninchen und Felsziesel machen den größten Teil seiner Nahrung im Park aus.

Javelina und Wildschwein unterscheiden

Siebdruck-Illustration: Ein Halsbandpekari durchstöbert, deutlich im Profil zu sehen, das dornige Buschland der Chihuahua Desert.

Auf dem Trail siehst du eine Gruppe kleiner grauer Tiere, die im Gebüsch grunzen. Sind es Javelinas oder verwilderte Schweine? Das Javelina hat einen geraderen Rücken, eine kurze Schnauze und ein deutlich sichtbares helles Halsband. Das europäische Wildschwein, das in einigen Gebieten von Texas eingeführt wurde, ist kräftiger gebaut, trägt eine Rückenmähne aus Borsten und hat kein Halsband. Im Nationalpark gibt es keine verwilderten Schweine, denn der NPS bekämpft sie dort aktiv. Wenn du in Guadalupe Mountains ein Pekari siehst, ist es also ein Javelina.

Wo du Tiere in Guadalupe Mountains sehen kannst

Der Park hat keine Safari-Route, aber in vier Bereichen werden besonders viele Tiere beobachtet.

McKittrick Canyon ist das ergiebigste Gebiet für Schwarzbären, Maultierhirsche und Vögel. Der Canyonboden ist bewaldet und wird von einem saisonalen Bach durchzogen. Das lockt Tiere an, die in den trockenen Gebieten keinen Lebensraum finden. Besonders lohnend ist der Herbst: Das Laub verfärbt sich, und die Säugetiere werden vor dem Winter aktiver.

Pine Springs und die unmittelbare Umgebung. Javelinas werden hier fast jeden Morgen gesehen, vor allem östlich des Pine Springs Visitor Center. Mexikanerhäher (Aphelocoma wollweberi), Kolkraben (Corvus corax) und Truthahngeier (Cathartes aura) halten sich fast ständig rund um Pine Springs Campground auf.

Dog Canyon im Norden des Parks ist abgelegener und deutlich weniger besucht. In den Lichtungen gehört er zu den besten Gebieten für Wapitis, besonders bei Sonnenaufgang und im Herbst während der Brunft.

Die Hochlagen des Massivs mit Guadalupe Peak, Bush Mountain und den Trails oberhalb von 2.100 m sind das bevorzugte Gebiet von Puma und Schwarzbär. Dort siehst du auch Felsenhörnchen (Otospermophilus variegatus), den Graufuchs und mit etwas Geduld den Steinadler im Gleitflug. Die Wanderungen in Guadalupe Mountains sind nach Bereich und Schwierigkeitsgrad geordnet und helfen dir, deine Chancen auf Tierbeobachtungen zu erhöhen.

Wann du die Tierwelt in Guadalupe Mountains beobachten kannst

Die beste Zeit ist das ganze Jahr über die Morgen- und Abenddämmerung. Die Hitze der Wüste zwingt die meisten Säugetiere, ihre Aktivität auf die kühlen Stunden zu beschränken. Tagsüber von Juni bis August halten sich die großen Säugetiere meist verborgen.

Herbst (September bis November): Jetzt ist die Tierwelt besonders aktiv. Die Brunft der Wapitis belebt die Lichtungen von Dog Canyon. Schwarzbären suchen vor der winterlichen Ruhephase besonders energiereiche Nahrung. Männliche Vogelspinnen (Aphonopelma hentzi) wandern tagsüber auf Wegen umher, auf der Suche nach einem Weibchen. Das ist ein ungewöhnlicher, harmloser Anblick, solange du sie in Ruhe lässt.

Winter (Dezember bis März): Auf dem Plateau herrschen tagsüber angenehmere Temperaturen zum Wandern, meist 10 bis 20 °C. Die Tiere sind weniger aktiv, doch Pumas und Kojoten lassen sich auf dem freien Boden leichter entdecken.

Frühling (April bis Mai): Die Zugvögel kehren zurück. Die Painted Bunting (Passerina ciris), ein farbenprächtiger Singvogel in Blau, Rot und Grün, erscheint in den bewaldeten Gebieten. Zu dieser Jahreszeit kommt häufig starker Wind auf, manchmal mit mehr als 95 km/h. Prüfe vor dem Aufbruch die Bedingungen.

Für eine Übersicht Monat für Monat und die Wetterbedingungen lies wann du Guadalupe Mountains am besten besuchen solltest.

Raubtiere und große Tiere in Guadalupe Mountains

Das größte Tier des Parks ist der Wapiti. Der Puma steht an der Spitze der Nahrungskette. Der Schwarzbär nimmt eine Zwischenposition ein: Er kann zwar einen Hirsch töten, lebt in der Praxis aber hauptsächlich von Aas und Früchten.

Der Kojote (Canis latrans) ist überall anzutreffen und passt sich an alle Lebensräume an. Er ist häufig nachts aktiv. Sein Heulen hörst du oft vom Campingplatz aus, in der Abend- oder Morgendämmerung. Der Graufuchs (Urocyon cinereoargenteus) ist unauffälliger, nachtaktiv und hält sich eher in den Übergangszonen zwischen Wüste und Wald auf.

Bei den Reptilien ist die Westliche Diamantklapperschlange (Crotalus atrox) die wichtigste giftige Art des Parks. Sie sucht keinen Streit, bleibt auf felsigen Trails aber eher reglos liegen, als davonzulaufen. Achte deshalb darauf, wohin du Hände und Füße setzt. Bei den Wirbellosen lebt der Gestreifte Rindenskorpion (Centruroides vittatus) unter Steinen und in Felsspalten. Sein Stich ist schmerzhaft und für gesunde Erwachsene nur selten gefährlich. Trotzdem solltest du ihn nicht anfassen. Die direkte Antwort auf eine häufige Frage lautet: Ja, im Guadalupe Mountains Nationalpark gibt es Skorpione.

Wildtiere sicher beobachten

Alle Tiere im Park sind wild. Wenn du Abstand hältst, schützt du das Tier genauso wie dich selbst.

Mindestabstände:

  • Puma, Schwarzbär, Wapiti: mindestens 90 m (100 yards). Wenn das Tier wegen deiner Anwesenheit sein Verhalten ändert, etwa stehen bleibt, dich anstarrt oder die Richtung wechselt, bist du zu nah. Geh zurück.
  • Andere Säugetiere und Reptilien: mindestens 23 m (25 yards).

Füttere niemals ein Tier, auch kein Felsenhörnchen und keinen Raben. Ein Tier, das Menschen mit Futter verbindet, wird zum Problem und muss häufig aus dem Park entfernt werden.

Klapperschlangen: Auf felsigen Trails schau nach, bevor du eine Hand auf einen Stein legst oder über einen Stein hinwegtrittst. Trage geschlossene, knöchelhohe Schuhe. Versuch niemals, eine Schlange zu fangen oder anzufassen.

Camping: Bewahre alle Lebensmittel in den dafür vorgesehenen Metallboxen auf, auch nachts und wenn du dich nur kurz vom Platz entfernst. Ein Bär, der auf einem Campingplatz an Lebensmittel gelangt, kann zum „Problembären“ werden und eingeschläfert werden.

Wenn du einem Puma begegnest: Mach dich groß, sprich ruhig und bestimmt und lauf auf keinen Fall weg. Wenn der Puma näher kommt, wehr dich entschlossen, mit Lärm oder hochgehaltenen Gegenständen. Die Sicherheitsregeln im Guadalupe Mountains Nationalpark erklären die vollständigen Maßnahmen für die einzelnen Arten.

Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen

Art Wo du suchen solltest Beste Zeit
Puma Hochlagen des Massivs, felsige Bereiche Morgen- und Abenddämmerung
Schwarzbär McKittrick Canyon, Kiefernwälder Herbst, morgens
Wapiti Dog Canyon, Lichtungen Morgendämmerung, Herbst (Brunft)
Javelina Pine Springs, Umgebung des Pine Springs Visitor Center Morgens, das ganze Jahr
Steinadler Guadalupe Escarpment, Grate Tagsüber, Gleitflug
Westliche Diamantklapperschlange Felsige Trails Ständige Vorsicht
Männliche Vogelspinne Wege und Straßen Herbst (September bis November)

Unser Guadalupe-Mountains-Guide enthält alle praktischen Informationen für die Vorbereitung deiner Reise.

Häufige Fragen

Welche Tiere gibt es im Guadalupe Mountains Nationalpark?

Im Park leben rund 60 Säugetierarten, darunter Puma, Schwarzbär, Wapiti, Maultierhirsch, Javelina, Kojote, Graufuchs und zahlreiche kleinere Säugetiere. Außerdem gibt es Hunderte Vogelarten, mehrere giftige Reptilien, darunter die Westliche Diamantklapperschlange, sowie Wirbellose wie den Gestreiften Rindenskorpion und die Texas-Vogelspinne.

Welche typischen Tiere von Texas sieht man in Guadalupe Mountains?

Javelina, Kojote, Maultierhirsch, Graufuchs und Westliche Diamantklapperschlange sind typische Arten des texanischen Südwestens. Puma und Schwarzbär leben zwar im Park, sind im übrigen Bundesstaat aber seltener. Der Wapiti wurde vor mehreren Jahrzehnten wieder angesiedelt. Historisch kam er in der Region vor, bevor ihn die Jagd dort ausrottete.

Gibt es Bären in Guadalupe Mountains?

Ja. Der Schwarzbär (Ursus americanus) lebt im Park, vor allem in den bewaldeten Gebieten der Höhenlagen. Grizzlys gibt es nicht. Diese Art ist in Texas seit mehr als einem Jahrhundert ausgestorben und wurde nicht wieder angesiedelt.

Gibt es Skorpione im Guadalupe Mountains Nationalpark?

Ja. Mehrere Skorpionarten leben im Park, darunter der Gestreifte Rindenskorpion (Centruroides vittatus), die häufigste Art. Sein Stich ist schmerzhaft, für gesunde Erwachsene aber nur selten gefährlich. Dreh Steine nicht mit bloßen Händen um, schüttle deine Schuhe morgens vor dem Anziehen aus und schlafe immer in einem geschlossenen Zelt oder Schlafsack.