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Wildtiere im Grand Teton: Welche Tiere du wo beobachten kannst

Von Victoria Boissonade · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Grand Teton

Im Grand Teton findest du auf vergleichsweise kleiner Fläche eine außergewöhnlich vielfältige Tierwelt. Im Tal von Jackson Hole und an den bewaldeten Hängen der Tetons leben Grizzlys, Schwarzbären, Elche, Bisons, Wapitis und Pronghorns. Oft kannst du sie schon von der Straße aus sehen, ohne anstrengende Wanderung. Die fünf typischen Tierarten, die du nicht verpassen solltest, sind Grizzly, Elch, Wapiti, Bison und Pronghorn. Außerdem leben drei große, eher unauffällige Raubtiere im Park: der Grauwolf, der Puma und natürlich der Bär.

Die typischen Tiere des Grand Teton

Der Grizzly

Siebdruck-Illustration: Der Grizzly

Der Grizzly (Ursus arctos horribilis) ist der unangefochtene Star des Parks. Du erkennst ihn zuverlässig an drei Merkmalen: dem Fettbuckel zwischen den Schultern, der leicht konkaven Schnauze und den großen hellen Krallen, die bis zu 10 cm lang werden können. Sein Fell reicht von Dunkelbraun bis Goldblond und zeigt auf dem Rücken oft silbrige Schattierungen.

Als Allesfresser und Opportunist stellt er seinen Speiseplan je nach Jahreszeit zusammen: Im Sommer frisst er Wildbeeren, außerdem Wurzeln, Fische und Aas. Im Frühling kommen die Grizzlys nach der Schneeschmelze ins Tal hinunter, oft im hellen Morgenlicht. Die Moose-Wilson Road und die Feuchtwiesen von Willow Flats sind die Bereiche, in denen du ihnen am häufigsten begegnest. Der vom NPS vorgeschriebene Mindestabstand beträgt 91 Meter (300 Fuß). Wenn das Tier sein Verhalten ändert oder den Kopf zu dir hebt, bist du zu nah.

Der Schwarzbär

Siebdruck-Illustration: Der Schwarzbär

Der Schwarzbär (Ursus americanus) ist kleiner und zurückhaltender. Ihm fehlt der typische Rückenbuckel des Grizzlys, seine Schnauze ist gerade und seine Krallen sind kurz und dunkel. Sein täuschend vielfältiges Fell kann schwarz bis zimtbraun sein, was oft für Verwirrung sorgt. Anders als ein ausgewachsener Grizzly klettert er problemlos auf Bäume.

Du triffst ihn vor allem in bewaldeten Bereichen, an der Moose-Wilson Road und in der Nähe von Colter Bay. Er ist vom Frühling bis zum Herbst aktiv, besonders im Spätsommer während der Hyperphagie, der intensiven Fressphase vor dem Winterschlaf.

Der Elch (moose)

Siebdruck-Illustration: Der Elch (moose)

Der Elch ist das Wappentier unter den Hirschen des Grand Teton und zugleich der größte Hirsch Nordamerikas. Ein ausgewachsenes Männchen kann bis zu 550 kg wiegen und ein Geweih tragen, das manchmal mehr als 1,80 m breit ist. Er liebt Feuchtgebiete und Gewässer, in denen er Wasserpflanzen frisst und dabei manchmal den ganzen Kopf unter die Oberfläche taucht.

Willow Flats unterhalb der Jackson Lake Lodge ist der beste Anlaufpunkt. Auch an Oxbow Bend, einer ruhigen Schleife des Snake River östlich von Jackson Lake Junction, stehen die Chancen in der Morgendämmerung sehr gut. Ein Elch kann friedlich wirken, ist aber unberechenbar: Eine Kuh mit ihren Kälbern oder ein brunftiges Männchen kann im Herbst ohne Vorwarnung angreifen. Halte mindestens 23 Meter Abstand.

Der Wapiti (elk)

Siebdruck-Illustration: Der Wapiti (elk)

Der Wapiti (Cervus canadensis) ist ein eindrucksvoller Hirsch mit rotbraunem Körper und cremefarbener Hinterhand. Die Männchen tragen ein großes, verzweigtes Geweih und lassen im Herbst einen kräftigen Ruf hören, der über mehrere Kilometer trägt. Das ist eines der eindrucksvollsten Klangerlebnisse im Park.

Die Herden halten sich auf den offenen Wiesen des Tals auf, besonders an der Antelope Flats Road und im Bereich von Elk Ranch Flats. Im Sommer steigen sie in höhere Lagen auf. Im September und Oktober kommen sie zur Brunft in großer Zahl zurück in die Ebene.

Der Bison

Siebdruck-Illustration: Der Bison

Der Präriebison (Bison bison) ist das schwerste Landsäugetier des Parks: Ein ausgewachsener Bulle kann mehr als 900 kg wiegen. Trotz seines massigen und langsamen Aussehens kann er ohne sichtbare Vorwarnung mit über 50 km/h angreifen. Wenn Bisons auf der Antelope Flats Road stehen, entstehen dort regelmäßig improvisierte Staus.

Der vorgeschriebene Mindestabstand beträgt 23 Meter. Geh aber weiter zurück, wenn das Tier mit den Hufen scharrt, den Kopf senkt oder dir die Flanke zudreht.

Das Pronghorn (Gabelbock)

Siebdruck-Illustration: Das Pronghorn (Gabelbock)

Das Pronghorn (Antilocapra americana) ist trotz seines Aussehens keine Antilope. Es gehört zu einer eigenen, in Nordamerika endemischen Familie. Es ist das schnellste Landsäugetier des Kontinents, kann über lange Strecken 80 km/h halten und kurzzeitig 90 km/h erreichen. Du erkennst es an den gebogenen Hörnern, dem hellbraunen Fell und dem strahlend weißen Hinterteil, das schon von Weitem sichtbar ist.

Es hält sich auf trockenen, offenen Wiesen auf. Die Antelope Flats Road ist der bevorzugte Beobachtungsort. Dort grasen kleine Gruppen in der offenen Landschaft, gut sichtbar vom Fahrzeug aus.

Grizzly oder Schwarzbär: So unterscheidest du sie

Siebdruck-Illustration: Grizzly oder Schwarzbär: So unterscheidest du sie

Besonders bei einem Schwarzbären mit braunem Fell kommt es leicht zu Verwechslungen. In der Praxis helfen drei Merkmale:

  1. Der Rückenbuckel: Beim Grizzly vorhanden, beim Schwarzbären nicht.
  2. Das Profil der Schnauze: Beim Grizzly konkav („dished“), beim Schwarzbären gerade.
  3. Die Krallen: Beim Grizzly lang und hell, beim Schwarzbären kurz und dunkel.

Die Fellfarbe ist kein zuverlässiges Merkmal. Wenn du unsicher bist, behandle das Tier wie einen Grizzly und befolge die entsprechenden Sicherheitshinweise.

Wo du Tiere im Grand Teton sehen kannst

Der Grand Teton ist ein dankbares Ziel für Tierbeobachtungen. Mehrere gut erreichbare Bereiche konzentrieren eine große Vielfalt an Wildtieren.

Antelope Flats Road beginnt direkt nördlich des Orts Moose und führt durch offene Wiesen, in denen du Bisons, Pronghorns und Kojoten beobachten kannst. Wenn du aus dem Süden kommst, ist das oft dein erster Halt.

Willow Flats ist ein Feuchtgebiet unterhalb der Jackson Lake Lodge. Komm vor 7 Uhr, dann hast du die besten Chancen, einen grasenden Elch ohne andere Besucher zu beobachten. Im Frühling zeigen sich dort außerdem regelmäßig Grizzlys.

Oxbow Bend ist eine ruhige Schleife des Snake River östlich von Jackson Lake Junction. In den Weiden siehst du Elche, außerdem Flussotter, Kanadareiher und oft einen Weißkopfseeadler, der auf einem Cottonwood sitzt. Die Ausrichtung von Osten nach Westen macht den Ort bei Sonnenaufgang zu einem bemerkenswerten Fotospot.

Moose-Wilson Road verbindet Moose mit Teton Village. Die unbefestigte Straße ist für Wohnmobile gesperrt. Schwarzbären und Grizzlys sind dort regelmäßig unterwegs, ebenso Maultierhirsche und Elche. Fahre langsam und lass die Fenster geöffnet.

Schwabacher Landing führt zu Fuß zum Snake River. Bei Tagesanbruch und am Abend sind dort Biber aktiv. Die Spiegelungen der Tetons im Wasser sind unvergleichlich.

Für Wanderer beschreibt unser Wanderführer für den Grand Teton die Wege entlang der feuchten Korridore und alpinen Wiesen, an denen sich die Tiere in höheren Lagen konzentrieren.

Wann du Tiere beobachten kannst

Morgendämmerung und Abenddämmerung sind zu jeder Jahreszeit die besten Zeitfenster: morgens zwischen 5.30 und 8 Uhr, im Sommer abends zwischen 19 und 21 Uhr. Die großen Tiere sind aktiv, das Licht ist günstig und es sind weniger Menschen unterwegs.

Frühling (April bis Juni): Die Bären erwachen aus dem Winterschlaf und kommen ins Tal. In dieser Zeit siehst du Grizzlys besonders häufig von der Straße aus, oft mit Weibchen und ihren im Winter geborenen Jungen. Elchkühe bringen im Mai und Juni ihre Kälber zur Welt.

Sommer (Juli und August): In der Tagesmitte suchen die Tiere Schatten. Bisons und Pronghorns bleiben auf den Wiesen gut sichtbar. Wapitis steigen auf die alpinen Matten hinauf.

Herbst (September und Oktober): Es ist Brunftzeit bei den Wapitis. Die Männchen röhren bei Einbruch der Dunkelheit. Die Bären fressen sich für den Winter besonders viel an und sind sehr aktiv. Das Herbstlicht eignet sich gut für Tierfotografie.

Winter (November bis März): Die meisten Nebenstraßen sind gesperrt. Der Park bleibt über die US-26/89/191 erreichbar, aber die Tiere ziehen in weniger zugängliche Überwinterungsgebiete. Der Saisonführer für den Grand Teton erklärt dir Monat für Monat, welche Vorteile und Einschränkungen die einzelnen Zeiten für dein Vorhaben mit sich bringen.

Zu den nachtaktiven Tieren im Grand Teton gehören Puma, Kojote und Waschbär. Nachts durch den Park zu fahren, ist nicht empfehlenswert, weil es häufig zu Kollisionen mit großen Wildtieren kommt.

Raubtiere und große Tiere im Grand Teton

Im Park leben drei große Raubtiere. Der Grizzly ist am sichtbarsten und oft tagsüber unterwegs. Der Grauwolf (Canis lupus) wurde in den 1990er-Jahren wieder in das Greater-Yellowstone-Ökosystem eingeführt. Er ist zwar vorhanden, bleibt aber scheu: In der Morgendämmerung zieht er in Rudeln durch die Korridore zwischen Wald und Ebene. Eine Sichtung bleibt ein seltenes Privileg. Der Puma (Puma concolor) ist streng nachtaktiv und tagsüber praktisch unsichtbar.

Bei den Vögeln stehen der Weißkopfseeadler und der Steinadler an der Spitze der Nahrungskette. Oxbow Bend und die Ufer des Snake River sind ihre wichtigsten Jagdgebiete. Auf Jackson Lake leben außerdem Amerikanische Weißpelikane. In den Feuchtgebieten findest du eine große Vielfalt an Enten und Watvögeln.

Wildtiere sicher beobachten

Der NPS schreibt im gesamten Park folgende Mindestabstände vor:

  • 91 Meter (300 Fuß) für Bären und Wölfe.
  • 23 Meter (25 Yards) für alle anderen Tiere, darunter Elche, Bisons, Wapitis und Kojoten.

Diese Abstände sind gesetzliche Mindestwerte und keine Zielvorgaben. Wenn ein Tier sein Verhalten ändert, etwa den Kopf hebt, aufhört zu grasen oder auf dich zukommt, geh sofort zurück.

Füttere niemals ein Tier. Auch nicht indirekt durch Krümel, Picknickreste oder Lebensmittelverpackungen. Ein Tier, das gelernt hat, sich Menschen zu nähern, wird am Ende eingeschläfert. Die Geldstrafe kann mehr als 5.000 US-Dollar betragen.

Wenn dir auf einem Trail ein Bär begegnet, sprich laut und trage immer eine Bärenspray-Dose (bear spray) griffbereit bei dir, statt sie unten im Rucksack zu verstauen. Bei einem Angriff eines Grizzlys: Bleib standhaft und versprühe das Spray als Wolke aus etwa 10 Metern Entfernung, leicht nach unten gerichtet. Bei einem tatsächlichen Grizzlyangriff stell dich tot und schütze deinen Nacken. Wenn ein Schwarzbär angreift, wehr dich aktiv.

Beim Camping verstaust du alle Lebensmittel, Zahnpasta, Sonnencreme und Abfälle in einem zertifizierten Bärenschließfach (bear box) oder im verschlossenen Kofferraum deines Fahrzeugs. Niemals im Zelt und niemals sichtbar im Innenraum.

Auf der Straße deuten Ansammlungen von Fahrzeugen fast immer auf ein sichtbares Tier hin. Halte vollständig am Straßenrand, ohne den Verkehr zu behindern, und schalte den Motor aus. Steig nicht aus, wenn das Tier nahe ist.

Für Familien mit Kindern gibt der Familienführer für den Grand Teton passende Tipps zum Umgang mit Tierbegegnungen mit jungen Besuchern.

Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen

Art Bester Spot Beste Zeit
Grizzly Moose-Wilson Road, Willow Flats Frühling, Morgendämmerung
Schwarzbär Moose-Wilson Road, Colter Bay Frühling bis Herbst
Elch Willow Flats, Oxbow Bend Ganzjährig, Morgendämmerung
Wapiti Antelope Flats, Elk Ranch Flats Herbst (Brunft)
Bison Antelope Flats Road Sommer bis Herbst
Pronghorn Antelope Flats Road Sommer
Weißkopfseeadler Oxbow Bend, Snake River Ganzjährig
Biber Schwabacher Landing Morgendämmerung und Abenddämmerung

Unser kompletter Grand-Teton-Führer hilft dir, deine Route um diese vorrangigen Beobachtungsgebiete zu planen und die passende Unterkunftsbasis auszuwählen.

Häufige Fragen

Welche Tiere sind typisch für den Grand Teton?

Typische Tiere im Grand-Teton-Nationalpark sind Grizzly, Elch, Wapiti, Bison und Pronghorn. Du kannst sie regelmäßig von den Hauptstraßen des Tals aus beobachten, ohne spezielle Ausrüstung.

Welches Tier ist im Grand Teton am häufigsten?

Das häufigste Tier im Grand Teton ist der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus), der in fast allen Bereichen des Parks vorkommt. Der Bison ist auf den offenen Wiesen des Tals am leichtesten zu sehen.

Welches ist das größte Tier im Grand Teton?

Das größte Landtier im Grand Teton ist gemessen am Gewicht der ausgewachsene Bisonbulle, der mehr als 900 kg wiegen kann. Bei der Schulterhöhe ist der Elch größer. Männchen können über 2 Meter hoch werden.

Welche Raubtiere gibt es im Grand Teton?

Zu den Raubtieren des Grand Teton gehören Grizzly, Schwarzbär, Grauwolf und Puma. Grizzlys werden am häufigsten gesichtet. Wölfe und Pumas sind scheu und tagsüber nur selten zu sehen.

Welche Tiere sind nachts im Grand Teton unterwegs?

Nachts sind im Grand Teton Puma, Kojote, Waschbär und einige insektenfressende Fledermausarten aktiv. Bären sind vor allem in der Dämmerung unterwegs. Nachts auf den Parkstraßen zu fahren, ist wegen der häufigen Kollisionen mit großen Wildtieren riskant.

Wo kann man im Grand Teton Tiere sehen und wohin ziehen sie?

Die besten Beobachtungsorte im Grand Teton sind Oxbow Bend (Elche, Weißkopfseeadler, Otter), Willow Flats (Elche, Grizzlys), Antelope Flats Road (Bisons, Pronghorns, Kojoten), Moose-Wilson Road (Bären, Maultierhirsche) und Schwabacher Landing (Biber). Unabhängig von der Jahreszeit sind Morgendämmerung und Abenddämmerung die ergiebigsten Zeitfenster.