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Siebdruck-Illustration: Schwarzbär auf einer Waldlichtung zwischen den Nadelbäumen des Nationalparks.

Crater Lake: Welche Tiere du sehen kannst und wo

Von Victoria Boissonade · Daten: National Park Service · ← Kompletter Reiseführer Crater Lake

Crater Lake ist nicht nur blau. Zwischen Zucker-Kiefern und Douglasien, in den Hochgebirgswiesen und entlang der Klippen aus erkalteter Lava lebt eine für einen Vulkan erstaunlich vielfältige alpine Tierwelt. Kurz gesagt: Die fünf Tiere, denen du am wahrscheinlichsten begegnest, sind der Schwarzbär, der Maultierhirsch, der Wapiti, der Clark-Tannenhäher und im See die Regenbogenforelle. Auch Pumas und Kojoten gibt es hier, sie zeigen sich jedoch selten. So findest du sie.

Die typischen Tiere am Crater Lake

Der Schwarzbär (Ursus americanus)

Siebdruck-Illustration: Schwarzbär auf einer Waldlichtung zwischen den Nadelbäumen des Nationalparks.

Der Schwarzbär ist nach dem See das am häufigsten fotografierte Säugetier des Parks. Sein Name führt allerdings in die Irre: Am Crater Lake ist sein Fell oft eher braun oder zimtfarben. Er ist ein opportunistischer Allesfresser. Im Frühling durchwühlt er den Boden nach Würmern und Wurzeln. Im Sommer und Herbst konzentriert er sich auf wilde Heidelbeeren, Vogelbeeren und Himbeeren, um die für den Winterschlaf nötigen Fettreserven anzulegen.

Beobachte vor allem die Waldränder an den Hochgebirgswiesen, besonders rund um Mazama Village und die Campingplätze. Dort halten sich Bären gern in der Nähe von Mülltonnen und schlecht gesicherten Kühlboxen auf, siehe den Abschnitt zur Sicherheit weiter unten.

Eine häufige Frage lässt sich klar beantworten: Nein, am Crater Lake gibt es keine Grizzlys. Das Verbreitungsgebiet des Grizzlys endet weit nördlich von Oregon. Hier ist der Schwarzbär der einzige auftretende Bär.

Der Maultierhirsch (Odocoileus hemionus)

Siebdruck-Illustration: Aufrechter Maultierhirsch auf einer blühenden subalpinen Wiese vor den Nadelbäumen von Crater Lake

Der Maultierhirsch verdankt seinen Namen den großen, fächerförmigen Ohren, die an die eines Maultiers erinnern. Er ist die häufigste Hirschart im Park. Wenn du bei Tagesanbruch oder in der Abenddämmerung durch Rim Village kommst, wirst du ihn fast sicher sehen. Unbeeindruckt von den Besuchern grast er auf den Hochgebirgswiesen und frisst junge Espentriebe.

Wie unterscheidest du ihn vom Wapiti, der ebenfalls im Park vorkommt? Der Maultierhirsch ist deutlich kleiner, er wiegt 60 bis 100 kg gegenüber 250 bis 450 kg beim Wapiti. Sein Fell ist im Winter graubraun und im Sommer rehbraun, sein Geweih teilt sich in symmetrische Gabeln. Der Wapiti dagegen hat einen dunkleren Hals und eine charakteristisch beigefarbene Hinterhand.

Der Wapiti (Cervus canadensis)

Siebdruck-Illustration: Ein Wapiti grast auf einer Berglichtung inmitten der Wälder des Nationalparks.

Der Wapiti ist die größte Hirschart des Parks. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt 250 bis 450 kg und trägt von Mai bis Januar ein imposantes Geweih. Die Herden halten sich auf den Hochgebirgswiesen und an Waldrändern auf, vor allem in den kühleren Stunden des Tages.

Im September ist Brunftzeit. Das Männchen stößt einen pfeifenden Ruf aus, das sogenannte „Bugling“, der im stillen Park weithin zu hören ist. Das ist spektakulär und sogar vom Campingplatz aus gut wahrnehmbar. Eine wichtige Vorsichtsmaßnahme: Im September sind 30 m Abstand zu einem brunftigen Männchen nicht genug. Wenn es dich anstarrt oder mit den Hufen scharrt, entferne dich sofort.

Der Clark-Tannenhäher (Nucifraga columbiana)

Siebdruck-Illustration: Clark-Tannenhäher auf einem Ast einer Weißstämmigen Kiefer nahe dem Rand

Diesen Vogel wirst du am häufigsten sehen, und zwar mit großem Abstand. Der grauweiße, gesprächige und freche Clark-Tannenhäher lebt in den hoch gelegenen Kiefern- und Tannenwäldern rund um den Rim. Jeden Herbst versteckt er bis zu 30.000 Samen, um den Winter zu überstehen. Dank seines hervorragenden räumlichen Gedächtnisses findet er die große Mehrheit davon wieder. Ohne ihn könnten sich die Whitebark-Kiefern (Pinus albicaulis), eine Schlüsselart der Hochgebirgswälder, nicht regenerieren. Er ist ihr wichtigster Verbreiter.

Bei einem Abstecher zum Cloudcap Overlook habe ich auf weniger als einem Kilometer Trail fünf Exemplare gezählt. Mit einer Dreistigkeit, die beinahe unverschämt wirkt, fordern sie die Reste von Picknicks ein. Füttere sie nicht. Ein an Menschen gewöhnter Vogel wird schnell aggressiv, außerdem schadet das seinem natürlichen Verhalten.

Regenbogenforelle und Kokanee-Lachs

Siebdruck-Illustration: Regenbogenforellen und Kokanee-Lachse sind im klaren Wasser nahe Cleetwood Cove zu sehen.

Das überrascht viele: Ursprünglich lebten im Crater Lake überhaupt keine Fische. Seine vulkanische Isolation und seine Tiefe von 592 m, der tiefste See der Vereinigten Staaten, hielten ihn bis zum Ende des 19. Jahrhunderts biologisch steril. Dann setzten Mitarbeiter der Fischereibehörde mehrere Arten ein. Zwei überlebten: die Regenbogenforelle (Oncorhynchus mykiss) und der Kokanee-Lachs (Oncorhynchus nerka), eine nicht wandernde Form des Rotlachses.

Vom zugänglichen Ufer und von Wizard Island aus darfst du ohne Oregon State Fishing License angeln. Künstliche Köder dürfen nicht in den See eingebracht werden.

Wo du die Tiere im Park sehen kannst

Die Tierwelt am Crater Lake konzentriert sich auf einige genau abgegrenzte Bereiche.

Rim Village und die unmittelbare Umgebung: Maultierhirsche und Clark-Tannenhäher sind während der geöffneten Saison fast garantiert. Komm bei Tagesanbruch, um die Hirsche zu sehen, bevor die Besuchergruppen eintreffen.

Mazama Village und der Campingbereich: Schwarzbären findest du an den Waldrändern, besonders am Abend. Auch Goldmantelziesel (Callospermophilus lateralis) und Cascade-Squirrels sind hier tagsüber am aktivsten.

Annie Creek Canyon Trail: Dieser 2,5 km lange Trail führt in einen engen, in Vulkangestein eingeschnittenen Canyon hinab. Er ist der bevorzugte Lebensraum der Wasseramsel (Cinclus mexicanus), eines Singvogels, der in die Bäche taucht, um Wasserlarven zu jagen.

Cleetwood Cove Trail und das Seeufer: Ospreys, Weißkopfseeadler und Tauchenten kannst du von diesem Trail aus über dem Wasser sehen. Der Hin- und Rückweg ist 3,2 km lang und überwindet 213 m Höhenunterschied. Dies ist der einzige legale Zugang zum Seeufer.

Wiesen zwischen Mazama Village und dem South Entrance: Dieser Bereich eignet sich besonders gut, um bei Tagesanbruch und in der Abenddämmerung Wapitis zu beobachten, vor allem im September.

Der Wanderführer für Crater Lake enthält die praktischen Details zu jedem Trail, damit du diese Beobachtungstouren vorbereiten kannst.

Wann du die Tierwelt am Crater Lake beobachten kannst

Die wichtigste Regel betrifft die Uhrzeit, nicht nur die Jahreszeit: Die Tiere sind bei Tagesanbruch, also 30 Minuten vor Sonnenaufgang, und in der Abenddämmerung aktiv. Mitten am Tag ziehen sich die meisten Säugetiere in den Schatten oder in den Wald zurück.

Juli bis September: optimale Bedingungen. Die Wiesen sind zugänglich, Hirsche und Wapitis stehen auf den Lichtungen, und die Bären sind in den Heidelbeerfeldern aktiv. Auch brütende Vögel sind da, darunter Wanderfalken an den Caldera-Klippen und Turmfalken auf den offenen Wiesen.

September: Die Brunft des Wapitis erreicht ihren Höhepunkt. Vor dem Winter ist die Tierwelt jetzt am aktivsten.

Oktober: Die ersten Schneefelder kommen. Bären befinden sich in der Hyperphagie, also in einer Phase intensiver Nahrungsaufnahme vor dem Winterschlaf, und sind deshalb besonders aktiv. Es sind nur wenige Besucher unterwegs, die Atmosphäre wirkt garantiert wild.

Winter: Rim Drive schließt am 1. November. Hirsche und Wapitis ziehen in weniger verschneite Höhenlagen hinab. Der Zugang ist eingeschränkt, und die Beobachtung wird schwieriger.

Für genaue Informationen zu den Bedingungen in den einzelnen Monaten und zu den Öffnungszeiten der Straßen lies den Führer zu den besten Reisezeiten am Crater Lake.

Raubtiere und große Tiere am Crater Lake

Der Puma (Puma concolor, auch Mountain Lion oder Cougar genannt) kommt im Park vor. Der NPS erhält jedes Jahr einige Meldungen, doch direkte Sichtungen sind selten. Dieses Tier jagt nachts allein und meidet den Kontakt mit Menschen aktiv. Seine Anwesenheit verraten Spuren im Schnee oder hoch oben in Bäumen aufgehängte Hirschkadaver. Wenn du einem begegnest, bleib stehen, mach dich groß, indem du die Arme hebst, sprich mit fester Stimme und lauf nicht weg.

Der Puma ist außerdem das größte Landraubtier des Parks. Der Wapiti ist dagegen das größte Tier nach Körpergröße und Gewicht.

Der Kojote (Canis latrans) ist deutlich sichtbarer. Du hörst ihn bei Tagesanbruch heulen und siehst ihn manchmal am späten Vormittag an den Straßen entlanglaufen. Er reguliert die Bestände von Nagetieren und Hasen. Geh nicht auf ihn zu. Ein an Menschen gewöhnter Kojote kann unberechenbar werden.

Der Virginia-Uhu (Bubo virginianus) ist der größte nächtliche Räuber am Himmel des Parks. Seine Flügelspannweite beträgt fast 1,4 m. Er wird ab Sonnenuntergang aktiv. Ein Hinweis auf seine Anwesenheit: Krähen verfolgen ihn bei Tagesanbruch lautstark. Das verrät oft seinen Sitzplatz.

Die Tierwelt sicher beobachten

Die Regeln des NPS sind eindeutig und nicht verhandelbar.

Vorgeschriebener Mindestabstand: 30 m zu jedem großen Säugetier, also Bär, Hirsch, Wapiti oder Kojote. Verändert das Tier sein Verhalten, sobald du dich näherst, etwa indem es den Kopf hebt, die Richtung wechselt oder schneller wird, bist du zu nah.

Tiere keinesfalls füttern: Ein Bär, der Menschen mit Futter verbindet, wird früher oder später eingeschläfert. Ein Clark-Tannenhäher, der sich an das Stibitzen aus Taschen gewöhnt hat, wird gegenüber Kindern aggressiv. Diese Regel gilt für alle Tiere, auch für Ziesel und Squirrels.

Lebensmittel auf dem Campingplatz sichern: Alle Lebensmittel sowie duftende Kosmetik, Zahnpasta und die Kühlbox müssen in einem zugelassenen Bear-Proof Food Storage Locker oder im verschlossenen Kofferraum des Fahrzeugs aufbewahrt werden. Niemals im Zelt und niemals unbeaufsichtigt auf dem Picknicktisch.

Begegnung mit einem Bären: Lauf nicht weg. Sprich ruhig und laut, mach dich groß und geh langsam rückwärts. Für Wanderungen in dichtem Wald wird Bear Spray empfohlen.

Begegnung mit einem brunftigen Wapiti im September: 30 m sind der Mindestabstand, kein bequemer Abstand. Ein Männchen, das mit den Hufen scharrt oder die Ohren nach hinten legt, ist alarmiert. Entferne dich sofort.

Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen

Am Crater Lake lohnt es sich, früh aufzustehen. Der Schwarzbär in den Heidelbeerfeldern von Mazama Village, der Maultierhirsch bei Tagesanbruch in Rim Village, der Wapiti in den Wiesen bei Einbruch der Dunkelheit und der Clark-Tannenhäher auf jedem Trail rund um den Rim sind die am leichtesten zugänglichen Beobachtungen, für die du keine besondere Ausrüstung brauchst. Für die Forelle nimmst du eine Angel mit und steigst nach Cleetwood Cove hinab. Beim Puma brauchst du Geduld. Betrachte eine Sichtung als Bonus.

Unser vollständiger Crater-Lake-Führer enthält alle Informationen, die du für die Planung deines Aufenthalts brauchst.

Häufige Fragen

Gibt es Tiere, die im Crater Lake leben?

Ja. Regenbogenforelle und Kokanee-Lachs, die beide Ende des 19. Jahrhunderts eingesetzt wurden, leben im See. Ursprünglich gab es dort keine Fische. Außerdem beherbergt der See Kolonien von Moosen und einzigartige mikrobielle Gemeinschaften, die in den 1980er-Jahren entdeckt wurden und sich in großer Tiefe bei nahezu vollständiger Dunkelheit entwickeln.

Gibt es Grizzlys am Crater Lake?

Nein. Der Grizzly (Ursus arctos horribilis) lebt nicht in Oregon. Am Crater Lake kommt nur der Schwarzbär (Ursus americanus) vor. Sein Fell kann braun oder zimtfarben sein, was manchmal für Verwirrung sorgt. An seiner Körperform lässt er sich jedoch klar erkennen: gerades Profil, kein Schulterbuckel und eine spitze Schnauze.

Welches Tier ist am Crater Lake am häufigsten?

Maultierhirsch und Clark-Tannenhäher sind die beiden Arten, die du im Alltag am leichtesten beobachten kannst. Auch der Goldmantelziesel (Callospermophilus lateralis) ist rund um die Campingbereiche häufig zu sehen.

Welches ist das größte Tier am Crater Lake?

Der Wapiti (Cervus canadensis). Ein ausgewachsenes Männchen kann mehr als 450 kg wiegen und ein Geweih tragen, das über einen Meter hoch ist.

Welche Raubtiere gibt es am Crater Lake?

Der Puma ist das wichtigste Landraubtier. Der Virginia-Uhu herrscht nachts in der Luft. Der Kojote jagt Nagetiere und Hasen. Wölfe haben sich im Park bisher nicht dauerhaft angesiedelt.

Welche Tiere sind nachts am Crater Lake unterwegs?

Fledermäuse, von denen 13 Arten im Park nachgewiesen sind, der Virginia-Uhu, Waschbären, das Nordamerikanische Stachelschwein (Erethizon dorsatum) und seltener Puma und Kojote. Der Nachthimmel am Crater Lake ist vor Lichtverschmutzung geschützt und liegt auf 2.100 m Höhe. Dadurch bietet er außerdem hervorragende Bedingungen für astronomische Beobachtungen. Ein guter Grund, den Abend draußen zu verlängern.

Warum darf man im Moment nicht im Crater Lake baden?

Baden ist nur bei Cleetwood Cove erlaubt, dem einzigen legalen Zugang zum Seeufer. Informationen zum aktuellen Zustand des Cleetwood Cove Trail findest du in den Verkehrsinformationen für den Park.

Was wurde auf dem Grund des Crater Lake gefunden?

Unerwartete Lebensgemeinschaften: Matten aus Moosen (Drepanocladus spp.) und Cyanobakterien, die in 150 bis 400 m Tiefe wachsen, wo nur sehr wenig Licht ankommt. Diese seit den 1980er-Jahren untersuchten Ökosysteme machen Crater Lake zu einem anerkannten limnologischen Forschungsstandort.