Wildtiere in Kobuk Valley: Welche Tiere du siehst und wo du sie beobachten kannst
Kobuk Valley hat weder Straßen noch Ranger, die täglich auf Patrouille sind. Dafür findest du hier arktische Tundra in ursprünglichem Zustand und eine ungewöhnlich dichte Tierwelt. Die fünf charakteristischen Arten, die du kennen solltest, sind Karibu, Braunbär (Grizzly), Grauwolf, Elch und Polarfuchs. Die größte Attraktion bleibt der Zug der Western Arctic Caribou Herd, eine der größten Karibu-Wanderungen Nordamerikas. Das Karibu ist außerdem das Tier, das du im Park am häufigsten siehst, besonders während der Zugzeiten.
Die charakteristischen Tiere von Kobuk Valley
Das Karibu

Das Karibu ist der wichtigste Grund, warum Menschen eine Expedition in diesen abgelegenen Park organisieren. Die Western Arctic Caribou Herd zählt heute etwa 235.000 Tiere. Zweimal im Jahr, im Mai und Juni sowie im August und September, durchqueren die Tiere auf ihrer Wanderung zwischen den Sommergebieten und den Winterweiden das Tal. Die Herden können mehrere Tausend Tiere umfassen, die sich gleichzeitig bewegen. Ein seltenes Schauspiel auf dem nordamerikanischen Kontinent.
Das ausgewachsene Männchen trägt ein großes, verzweigtes Geweih, das du auch aus der Entfernung erkennst. Auch das Weibchen trägt ein Geweih. Das unterscheidet das Karibu von den meisten anderen Hirscharten. Außerhalb der Wanderungen triffst du im ganzen Park auf einzelne Karibus oder kleine Gruppen, besonders auf den höher gelegenen Tundraflächen.
Wo und wann: Die Great Kobuk Sand Dunes und beide Ufer des Kobuk River sind während der Herbstwanderung die wichtigsten Durchzugsgebiete.
Der Braunbär (Grizzly)

Der Alaska-Braunbär ernährt sich je nach Jahreszeit von Pflanzen, Beeren, Insekten und Aas, vor allem aber von Fischen, wenn die Lachse im August und September flussaufwärts ziehen. Ein gesundes Tier wiegt zwischen 250 und 350 kg und kann sich auf den Hinterbeinen bis auf 2,5 m aufrichten. Er ist der dominierende große Landräuber des Parks.
Bären sind von Mai bis Oktober aktiv und halten danach Winterschlaf. Im Frühjahr entdeckst du sie an den Hängen, wo sie nach arktischen Zieseln oder Wurzeln graben. In der Nähe des Kobuk River können sich während der Lachssaison mehrere Tiere an denselben Laichplätzen versammeln.
Wo und wann: An den Ufern des Kobuk River und seiner Zuflüsse hast du vor allem von August bis September die besten Chancen auf eine Beobachtung.
Der Grauwolf

Der Wolf (Canis lupus pambasileus) lebt in Rudeln aus vier bis zwölf Tieren und bewegt sich im gesamten Parkgebiet. Während der Wanderungen folgt er den Karibuherden und ergänzt seinen Speiseplan mit Elchen, Bibern und kleinen Säugetieren. Sein Fell reicht von Hellgrau bis Schwarz.
Eine Sichtung ist nicht garantiert. Wölfe legen große Entfernungen zurück und bleiben von Natur aus unauffällig. An ruhigen Morgen am Flussufer steigen deine Chancen, einen Wolf bei der Jagd zu entdecken. Bei unserem Aufenthalt im September hörten wir vom Camp aus Heulen, ohne je einen Wolf zu sehen. Schon das war ein unvergessliches Erlebnis.
Der Elch

Der Elch (Alces alces gigas) ist der größte Hirsch der Welt. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt leicht mehr als 600 kg, sein Geweih kann eine Spannweite von 1,80 m erreichen. Kobuk Valley bietet ihm mit Flüssen, Feuchtgebieten und Weidengebüsch, von dem er sich besonders gern ernährt, den idealen Lebensraum.
Er bleibt das ganze Jahr über aktiv, auch im Winter. Dabei helfen ihm seine Größe und die Fähigkeit, den Schnee nach erreichbarer Vegetation zu durchwühlen. Im Herbst, während der Brunft im September und Oktober, sind die Männchen unruhig und möglicherweise aggressiv. Ein angreifender Elch ist in den meisten Situationen im Gelände gefährlicher als ein Bär. Halte deshalb denselben Sicherheitsabstand ein.
Der Polarfuchs

Der Polarfuchs (Vulpes lagopus) ist unauffälliger als seine großen Nachbarn und lebt das ganze Jahr über hier. Sein im Sommer braungraues Fell wird im Winter strahlend weiß. Dadurch gehört er zu den am besten getarnten Tieren der Welt. Er ernährt sich von Lemmingen, Eiern, Beeren und Resten, die Wölfe und Grizzlys zurücklassen.
Du triffst ihn vor allem in offener Tundra, manchmal auch in der Nähe von Camps, wo ihn Küchengerüche anlocken. Verwechsle ihn nicht mit dem Rotfuchs, der ebenfalls im Park vorkommt, an seinem charakteristischen orangefarbenen Fell zu erkennen ist und deutlich weiter verbreitet ist.
Braunbär und Schwarzbär in Kobuk Valley unterscheiden

Der Schwarzbär (Ursus americanus) kommt in mehreren Parks Alaskas vor, doch in Kobuk Valley dominiert der Braunbär. Das zuverlässigste Merkmal zur Unterscheidung im Gelände ist der Muskelhöcker auf den Schultern, der für den Grizzly typisch ist. Das konkave Profil der Schnauze bestätigt die Bestimmung. Der Schwarzbär hat ein gerades Profil, hoch angesetzte, spitze Ohren und keinen Höcker. Im Zweifel behandelst du das Tier wie einen Grizzly. Vorsicht kostet nichts.
Wo du Tiere in Kobuk Valley sehen kannst
Da es weder markierte Wege noch Straßen gibt, erreichst du den Park mit einem Air Taxi ab Kotzebue oder Bettles. Danach geht es zu Fuß oder mit Kajak und Kanu auf dem Kobuk River weiter. Für die Tierbeobachtung zeichnen sich drei Gebiete aus:
Der Kobuk River zieht den größten Teil der großen Wildtiere an. Elche und Braunbären kommen zum Trinken und Fischen an die Ufer. Wer den Fluss mit dem Kajak hinunterfährt, hat einen unauffälligen, geräuschlosen Beobachtungsplatz direkt am Wasser. Ein echtes Fenster in die Wildnis.
Die Great Kobuk Sand Dunes sind ein Durchzugsgebiet für wandernde Karibus und die Raubtiere, die ihnen folgen. Die offene Weite erleichtert Beobachtungen aus großer Entfernung, mit dem Fernglas oder einem Spektiv.
Die Tundrahänge am Talrand bieten im Frühjahr Braunbären beim Graben nach Zieseln und den Karibus während des Sommers Nahrung. Wenn du dich langsam und leise bewegst und den Wind im Rücken hast, steigen deine Chancen auf eine Begegnung deutlich.
Wann du Tiere beobachten kannst
Die Frage nach der idealen Reisezeit behandeln wir ausführlich in unserem Guide „Wann nach Kobuk Valley reisen?“. Hier findest du die wichtigsten Anhaltspunkte für die Tierwelt:
Sommer (Juni bis August): höchste Aktivität. Zahlreiche Zugvögel sind anwesend, darunter Weißkopfseeadler, Schneeeulen, Schneehühner und Küstenseeschwalben. Die Bären fressen sich in der Tundra aktiv Winterspeck an.
Spätsommer und Herbst (August bis September): die ergiebigste Zeit für Säugetiere. Lachse ziehen den Kobuk River hinauf, Bären halten sich an den Ufern auf, Karibus ziehen in dicht gedrängten Kolonnen nach Süden und die Elche kommen in die Brunft.
Arktische Nacht … die eigentlich keine ist: Im Sommer geht die Sonne nicht unter. Die Tiere haben verschobene Aktivitätsrhythmen und bewegen sich zu jeder Uhrzeit des „Tages“. Du kannst deine Beobachtungstouren deshalb über 24 Stunden verteilen, ohne die aktiven Phasen zu verpassen.
Winter: Die Bedingungen sind extrem, aber der Park bleibt geöffnet. Die Karibus haben ihre Winterweiden erreicht. Wölfe und Polarfüchse bleiben aktiv. Das Polarlicht begleitet die langen Nächte.
Raubtiere und große Tiere in Kobuk Valley
In Kobuk Valley leben die beiden größten Landraubtiere Alaskas: der Grizzly und der Grauwolf. Ein drittes Raubtier ergänzt dieses Bild, ist weniger auffällig, aber ebenso beeindruckend: der Vielfraß (Gulo gulo). Dieses einzelgängerische Mardertier ist etwa so groß wie ein kräftiger Dachs und wiegt 10 bis 18 kg. Es kann einem Braunbären standhalten, um ihm einen Kadaver streitig zu machen. Der Vielfraß legt Hunderte Kilometer zurück und wird nur selten gesichtet, sein Vorkommen im Park ist jedoch bestätigt.
Der Kanadische Luchs (Lynx canadensis) hält sich in den bewaldeten Gebieten am Rand des Parks auf. Seine Nahrung besteht hauptsächlich aus Schneeschuhhasen, deren Bestand einem natürlichen Zyklus von etwa zehn Jahren folgt.
Das größte Tier des Parks bleibt der Elch, noch vor dem Grizzly.
Im Kobuk River ziehen jeden Sommer fünf Lachsarten flussaufwärts: Königslachs (Chinook), Ketalachs (Chum), Buckellachs (Pink), Silberlachs (Coho) und Rotlachs (Sockeye). Diese Wanderungen bestimmen die gesamte lokale Nahrungskette. Sie locken Grizzlys, Weißkopfseeadler, Flussotter und Möwen an.
Wildtiere sicher beobachten
In Kobuk Valley gibt es keine Ranger, die täglich auf Patrouille sind. Für deine Sicherheit bist allein du verantwortlich.
Vorgeschriebener Mindestabstand: 50 m zu Bären und Elchen, 25 m zu allen anderen Säugetieren. Wenn das Tier aufhört zu fressen, dich anstarrt oder sich in deine Richtung dreht, bist du zu nah. Geh langsam zurück, ohne zu rennen und ohne dem Tier den Rücken zuzuwenden.
Braunbären: Nimm Bear Spray (Bärenspray, mindestens 225 g) mit und übe, es schnell zu ziehen. Sprich im Gelände in der Gruppe laut, damit die Tiere dich bemerken. Stell dich niemals zwischen eine Mutter und ihre Jungen. Wenn der Bär angreift, lauf nicht weg. Mach dich groß, sprich ruhig und setze das Bear Spray in weniger als 10 m Entfernung ein.
Elche: Ein Elchangriff kann tödlich enden. Wenn das Tier angreift, bring einen Baum oder Felsen zwischen dich und den Elch. Anders als ein Bär bricht ein Elch den Angriff normalerweise ab, sobald du in Deckung bist.
Füttere niemals ein Tier, unabhängig von seiner Art. Ein Tier, das an menschliche Nahrung gewöhnt ist, verliert sein natürliches Misstrauen und muss schließlich meistens eingeschläfert werden.
Aufbewahrung von Lebensmitteln: Deine gesamten Lebensmittel, dein Geschirr und deine Kosmetik musst du in einem zugelassenen Bear Canister aufbewahren oder mindestens 4 m über dem Boden und 2 m vom nächsten Baumstamm entfernt aufhängen. Diese Regel gilt nachts und bei jeder Abwesenheit vom Camp.
Der komplette Kobuk-Valley-Guide erklärt die vorgeschriebene Ausrüstung für einen unabhängigen Aufenthalt im Park ausführlich.
Kurz zusammengefasst: Welche Arten du nicht verpassen solltest und wo du sie suchst
Karibu: Great Kobuk Sand Dunes und Ufer des Kobuk River während der Wanderungen im Mai und Juni sowie im August und September. Grizzly: Ufer des Kobuk River, besonders im August und September während der Lachssaison. Grauwolf: offene Tundra zu jeder Jahreszeit, vor allem früh am Morgen. Elch: Feuchtgebiete und Weidengebüsch das ganze Jahr über, Brunft im September und Oktober. Polarfuchs: Tundra, zu jeder Jahreszeit zu sehen, mit weißem Fell im Winter und braungrauem Fell im Sommer.
Um deine Beobachtungstouren im Gelände zu planen, lies den Wander-Guide für Kobuk Valley. Einen Überblick über den Park, bevor du aufbrichst, gibt dir der komplette Kobuk-Valley-Guide, der alle wichtigen Informationen bündelt.
Häufige Fragen
Welche Tiere leben in Kobuk Valley?
In Kobuk Valley leben Karibus auf saisonaler Wanderung, Braunbären (Grizzlys), Grauwölfe, Elche, Polarfüchse, Vielfraße, Kanadische Luchse, Flussotter, Biber, zahlreiche Zugvögel sowie fünf Lachsarten im Kobuk River.
Welche Tiere leben außerhalb von Kobuk Valley in Alaska?
Zu den Tieren Alaskas außerhalb von Kobuk Valley gehören außerdem Walrosse, Stellersche Seelöwen, Eisbären an der arktischen Küste, Dall-Schafe, Rocky-Mountain-Ziegen und mehrere Robbenarten. Die Tierwelt Alaskas unterscheidet sich je nach Region und Ökosystem erheblich.
Welche Tiere findet man in Kotzebue, Alaska?
In Kotzebue und Umgebung findest du Polarfüchse, Rotfüchse, durchziehende Karibus, Braunbären und Küstenvögel. Kotzebue ist der wichtigste Ausgangspunkt für den Flug mit dem Air Taxi nach Kobuk Valley.
Welches ist das größte Tier in Kobuk Valley?
Das größte Tier in Kobuk Valley ist der Elch. Ein ausgewachsenes Männchen kann mehr als 600 kg wiegen und am Widerrist über 2 m groß sein. Damit ist er der größte Hirsch der Welt.
Welche Raubtiere gibt es in Kobuk Valley?
Zu den Raubtieren in Kobuk Valley gehören Braunbär (Grizzly), Grauwolf, Vielfraß und Kanadischer Luchs. Braunbär und Grauwolf sind die beiden größten Landraubtiere des Parks.
Welche Tiere sind nachts in Kobuk Valley draußen?
Im Sommer bewegen sich Karibus, Elche, Wölfe und Polarfüchse unter der arktischen Mitternachtssonne zu jeder Uhrzeit. Die Grenze zwischen Tag und Nacht spielt dann praktisch keine Rolle. Im Winter bleiben Wölfe und Polarfüchse auch nachts aktiv. Eulen, darunter Schneeeulen, jagen hauptsächlich in der Morgen- und Abenddämmerung.