Wildtiere in Great Sand Dunes: Welche Tiere du siehst und wo du sie beobachten kannst
Great Sand Dunes besteht nicht nur aus Dünen. Der Nationalpark in Colorado umfasst drei klar voneinander unterschiedene Ökosysteme: die halbtrockenen Grasländer der San Luis Valley, das eigentliche Dünenfeld und die Nadelwälder an den Ausläufern der Sangre de Cristo Range. Drei Lebensräume mit jeweils eigener Tierwelt, die sich manchmal am Sandrand begegnen.
Die fünf wichtigsten Tierarten, die du dir gleich merken solltest, sind Pronghorn, Wapiti, Schwarzbär, Kojote und die Wüstenkängururatte. Vom schnellen Läufer der Grasländer bis zum nachtaktiven Bewohner der Sandflächen unterscheiden sich ihre Lebensweisen grundlegend.
Die bekanntesten Tiere in Great Sand Dunes
Das Pronghorn

Das Pronghorn ist das Tier, das du im Park am leichtesten zu Gesicht bekommst. Es grast ganzjährig in den Grasländern des Tals östlich der CO 150, oft in Gruppen von mehreren Dutzend Tieren. Sein fahlbraunes Fell hebt sich von den trockenen Gräsern ab, und die kurzen, gegabelten Hörner machen es unverwechselbar.
Hinter seinem ruhigen Auftreten verbirgt sich das schnellste Landtier Nordamerikas. Es kann kurzfristig mehr als 85 km/h erreichen und über mehrere Kilometer hinweg 55 km/h halten. Diese Ausdauer geht auf die gemeinsame Evolution mit heute ausgestorbenen prähistorischen Raubtieren zurück. Vom Auto aus wird es dich geflissentlich ignorieren. Wenn du dich ihm zu Fuß näherst, ist es dagegen binnen Sekunden verschwunden.
Der Wapiti

Der Wapiti ist das größte Säugetier des Parks. Ausgewachsene Männchen wiegen zwischen 250 und 330 kg und tragen Geweihe, die am Ende des Sommers mehr als einen Meter breit sein können. Sie halten sich vor allem an den Waldrändern in höheren Lagen an der Sangre de Cristo Range auf und kommen bei Tagesanbruch manchmal bis zum Medano Creek hinunter.
Im September und Anfang Oktober verändert die Brunft den Park. Vor Sonnenaufgang und in der Dämmerung stoßen die Männchen einen schrillen, rauen Ruf aus, der zwischen den Nadelbäumen widerhallt. Wenn du in dieser Zeit unterwegs bist, stell den Wecker auf 5:30 Uhr.
Der Schwarzbär

Der Schwarzbär (Ursus americanus) lebt in den bewaldeten Bereichen des Parks und im angrenzenden Preserve. Als Allesfresser und Opportunist frisst er im Sommer Beeren und im Herbst Eicheln. Zu jeder Jahreszeit gräbt er außerdem gern einen Ameisenbau auf. Sein Fell kann je nach Tier tiefschwarz bis zimtbraun sein, was häufig zu einer Verwechslung mit dem Grizzly führt.
Schwarzbär oder Grizzly? Eine wichtige Unterscheidung

Die Frage kommt jedes Jahr wieder: Gibt es Grizzlys in Great Sand Dunes? Nein. Der Grizzly (Ursus arctos horribilis) ist in Colorado ausgestorben. Die letzte bestätigte Sichtung im Bundesstaat stammt aus den 1970er-Jahren. Alle Bären, die hier vorkommen, sind Schwarzbären.
So kannst du sie äußerlich unterscheiden: Der Grizzly hat einen ausgeprägten Muskelbuckel zwischen den Schultern, ein breites, flaches Gesichtsprofil und lange, helle Krallen, die gut sichtbar sind. Der Schwarzbär hat einen geraden Rücken, eine schmale Schnauze und kurze Krallen. Diese Unterscheidung bestimmt auch, wie du dich bei einer Begegnung verhalten solltest, siehe dazu weiter unten den Abschnitt zur Sicherheit.
Die Wüstenkängururatte

Die Ord's kangaroo rat (Dipodomys ordii) ist der am stärksten spezialisierte Bewohner des Dünenfelds. Ihre überproportional langen Hinterbeine ermöglichen schnelle Sprünge und abrupte Richtungswechsel, mit denen sie Raubtieren entkommt. Den Tag verbringt sie in einem Bau im lockeren Sand und kommt erst nach Sonnenuntergang heraus.
Ihre auffälligste Besonderheit: Sie trinkt niemals. Das gesamte Wasser, das sie braucht, gewinnt sie aus dem Stoffwechsel der Samen, die sie in großen Mengen in ihren Bauen lagert. Ein Tier, das vollständig mit sich selbst auskommt und nicht von Wasserstellen abhängig ist.
Um sie zu beobachten, geh nach 22 Uhr mit einer Stirnlampe auf die Dünen und stell sie auf einen sanften Lichtkegel. Ihre Augen reflektieren das Licht in der Dunkelheit noch aus mehreren Metern Entfernung.
Der Kojote

Der Kojote ist der unauffällige Akteur im Morgengrauen und in der Dämmerung. Du hörst ihn lange, bevor du ihn siehst. Seine kurzen, abgehackten Laute bei Einbruch der Nacht gehören zur Geräuschkulisse des Parks. Wenn er auftaucht, dann meist am Rand der Grasländer, wo er mit ruhiger Sicherheit dahintrabt.
Ein konkreter Warnhinweis: Ein Kojote, der sich Menschen ohne jedes Zögern nähert, wurde mit ziemlicher Sicherheit von Besuchern gefüttert. Melde ihn sofort im Visitor Center.
Wo du die Tiere in Great Sand Dunes sehen kannst
Jeder Lebensraum des Parks hat seine bevorzugten Arten.
Die Grasländer entlang der CO 150, der Straße, die die US 160 mit dem Park verbindet, sind das ganze Jahr über Pronghorn-Gebiet. Beobachte sie bei abgestelltem Motor aus dem Auto. Sie bleiben an Ort und Stelle, solange niemand aussteigt.
Der Bereich am Medano Creek am Rand des Dünenfelds ist im Frühjahr eine wichtige Wasserstelle. Maultierhirsche, Wapitis und viele verschiedene Vogelarten finden sich dort bei Tagesanbruch ein. Der saisonale Wasserlauf schafft eine beinahe unwirkliche Szenerie: Tiere trinken vor den höchsten Sanddünen Nordamerikas.
Der Montville Nature Trail (etwa 1,6 km vom Visitor Center entfernt) ist am frühen Morgen ein guter Ausgangspunkt für die Beobachtung kleiner Säugetiere und Waldvögel. Der kurze Trail wird im Morgengrauen wenig besucht, was für die Tierbeobachtung besonders wertvoll ist.
Die bewaldeten Bereiche des Preserve neben dem Nationalpark, die du zu Fuß erreichst, bieten die besten Chancen, Wapitis und mit etwas Geduld auch Schwarzbären zu sehen. Die Trails, die in diese Bereiche führen, sind in unserem Wanderführer aufgeführt.
Die Dünen bei Nacht sind nach 22 Uhr ein ideales Revier für Kängururatten, Eulen und Skorpione. Entferne dich von den Lichtern des Dunes Parking Lot, damit sich deine Augen an die Dunkelheit gewöhnen können.
Wann du die Tiere beobachten solltest
Die Regel in Great Sand Dunes ist einfach: Meide im Sommer die Mittagszeit. Die Dünenoberfläche kann mittags 71 °C erreichen. Die Tiere verfolgen dieselbe Strategie wie gut informierte Besucher und suchen Schatten. Am besten beobachtest du sie morgens zwischen 6 und 9 Uhr sowie abends ab 18 Uhr.
Für nachtaktive Tiere wie Kängururatten, Virginia-Uhus und Kojoten gehst du am besten nach 22 Uhr los, weit entfernt von den Lichtern des Campgrounds.
Für die Wapitibrunft ist das Zeitfenster kurz: von Mitte September bis Anfang Oktober. Außerhalb dieses Zeitraums sind Wapitis zwar da, aber deutlich schwerer aufzuspüren.
Für Pronghorn eignet sich das ganze Jahr. Du kannst sie im Januar ebenso wie im Juli beobachten, sofern du früh am Morgen oder am späten Nachmittag ankommst.
Die Einzelheiten zu den Jahreszeiten, Temperaturen, Niederschlägen und Sperrzeiten der Straßen findest du in unserem Guide zur besten Reisezeit.
Raubtiere und große Tiere in Great Sand Dunes
Der Berglöwe (Puma, Puma concolor) steht an der Spitze der Nahrungskette im Park. Er ist nachtaktiv und territorial und jagt Maultierhirsche und Wapitis in den Wäldern des Preserve. Eine direkte Begegnung bleibt sehr selten. Meist sind Spuren im Schnee oder der frische Kadaver eines Huftiers die einzigen Hinweise auf seine Anwesenheit.
Der Schwarzbär ernährt sich überwiegend pflanzlich und wird nur in drei Situationen problematisch: wenn du ihn aus kurzer Entfernung überraschst, wenn er Junge bei sich hat oder wenn er an menschliche Nahrung gewöhnt ist. In allen anderen Fällen zieht er sich zurück, ohne Kontakt zu suchen.
Der Steinadler kreist über den Grasländern und sucht nach Präriehunden, Kaninchen und kleinen Nagetieren. Mit einer Flügelspannweite von 1,8 bis 2,1 m ist er sofort von den deutlich häufigeren Bussarden zu unterscheiden.
Klapperschlangen verdienen eine ausdrückliche Erwähnung. Sie kommen in den felsigen Bereichen des Parks vor, und ihr hämotoxisches Gift erfordert eine schnelle medizinische Behandlung. Übermäßige Sorge ist nicht nötig, Aufmerksamkeit im Gelände aber schon.
Wildtiere sicher beobachten
Halte zu allen großen Säugetieren mindestens 30 m Abstand, also zu Pronghorns, Maultierhirschen, Wapitis und Bären. Wenn das Tier sein Verhalten wegen deiner Anwesenheit ändert, bist du zu nah. Bei einer Bärin mit Jungen oder einem Tier, das gerade frisst, vergrößert sich der Abstand auf 100 m.
Füttere niemals ein Wildtier. Ein Tier, das an menschliche Nahrung gewöhnt ist, stellt eine Gefahr für die Öffentlichkeit dar und muss von Rangern eingeschläfert werden. Tiere im Park zu füttern, ist ein Bundesverstoß.
Sichere Lebensmittel. Gerüche tragen in einem trockenen Tal, in dem oft kein Wind geht, weit. Lebensmittel, Kosmetik und Abfälle gehören Tag und Nacht in einen dicht schließenden Behälter oder in den Kofferraum des Autos, auch auf dem Campground.
Klapperschlangen: Greif niemals in eine Felsspalte, ohne vorher hineinzusehen. Auf Trails außerhalb der Dünen solltest du knöchelhohe Schuhe tragen. Im Falle eines Bisses immobilisierst du das betroffene Körperteil, saugst das Gift nicht aus und gehst sofort in die Notaufnahme.
Skorpione: Schüttle Schuhe und Kleidungsstücke, die auf dem Boden gelegen haben, grundsätzlich aus, bevor du sie wieder anziehst. Das gilt besonders nach einer Nacht auf dem Campground.
Begegnung mit einem Schwarzbären: Sprich bestimmt, mach dich groß und geh langsam rückwärts, ohne zu rennen. Kletter nicht auf Bäume. Schwarzbären klettern deutlich besser als du. Wenn du im Waldgebiet wanderst, nimm Bärenspray mit.
Für die vollständigen Parkregeln zu Feuer, Drohnen und Übernachten abseits ausgewiesener Plätze fragst du im Visitor Center am Parkeingang nach.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen und dort findest du sie
Pronghorns in den Grasländern an der CO 150, das ganze Jahr über morgens und abends. Wapitis am Waldrand an der Sangre de Cristo Range, während der Brunft im September und Oktober. Schwarzbären im bewaldeten Preserve, ganzjährig vorhanden und im Herbst leichter zu sehen. Kängururatten nach 22 Uhr auf den Dünen, im Frühjahr und Sommer. Kojoten überall, im Morgengrauen und in der Dämmerung. Berglöwen kommen im ganzen Park vor, aber eine Begegnung ist reine Glückssache. Für die komplette Reiseplanung ist unser kompletter Great-Sand-Dunes-Guide der beste Ausgangspunkt.
Häufige Fragen
Welche Tiere leben in den Sanddünen von Great Sand Dunes?
Die Dünen selbst beherbergen spezialisierte Arten: die Wüstenkängururatte, die nachtaktiv ist und nie trinkt, an lockeren Sand angepasste Käfer und Skorpione. Die angrenzenden Grasländer und Wälder bieten einer deutlich größeren Tierwelt Lebensraum: Pronghorns, Wapitis, Maultierhirsche, Schwarzbären, Kojoten, Steinadler und Berglöwen.
Gibt es Bären im Nationalpark Great Sand Dunes?
Ja, Schwarzbären (Ursus americanus) leben im Park und im angrenzenden Preserve. In Colorado gibt es keine Grizzlys. Die Art ist dort seit mehreren Jahrzehnten ausgestorben. Schwarzbären sind weniger aggressiv als Grizzlys, aber dieselben Vorsichtsmaßnahmen gelten auch hier: Lebensmittel sichern, Sicherheitsabstände einhalten und im Wald Bärenspray mitnehmen.
Welches Tier ist in Great Sand Dunes am häufigsten?
Das Pronghorn ist vermutlich das Tier, das am häufigsten beobachtet wird. Gruppen grasen das ganze Jahr über in den Grasländern, die du bei der Anfahrt zum Park von der CO 150 aus sehen kannst.
Welches ist das größte Tier in Great Sand Dunes?
Der Wapiti ist mit ausgewachsenen Männchen von 250 bis 330 kg das größte Säugetier des Parks. Er hält sich vor allem in den höher gelegenen Wäldern des Preserve auf.
Welche Raubtiere gibt es in Great Sand Dunes?
Der Berglöwe ist das Spitzenraubtier. Er wird selten gesichtet, kommt aber definitiv vor. Schwarzbär und Steinadler ergänzen das Bild. Der Kojote ist das sichtbarste Raubtier, jagt aber vor allem kleine Nagetiere und Kaninchen.
Welche Tiere sind nachts in Great Sand Dunes unterwegs?
Nachts wird eine tagsüber unauffällige Tierwelt aktiv: Kängururatten, Skorpione, Klapperschlangen, Virginia-Uhus und Kojoten sind nach Sonnenuntergang unterwegs. Wenn du nach 22 Uhr mit Stirnlampe auf die Dünen gehst, hast du die besten Chancen, diese nachtaktiven Arten zu sehen.