Denalis Tierwelt: Welche Tiere du wo sehen kannst
In Denali leben 39 Säugetierarten und mehr als 169 Vogelarten auf einem Gebiet, das so groß ist wie Belgien. Die fünf Arten, die du vor der Abreise kennen solltest, sind Grizzly, Karibu, Dall-Schaf, Elch und Grauwolf. Alle kannst du von der Denali Park Road aus beobachten, wenn du früh losfährst und weißt, wohin du dein Fernglas richten musst.
Die bekanntesten Tiere Denalis
Die offene Tundra von Denali kommt dir bei der Tierbeobachtung zugute: Dichter Wald bietet den Tieren kaum Verstecke. Einen Grizzly entdeckst du in mehreren hundert Metern Entfernung, und eine Karibuherde hebt sich deutlich von den Hängen ab. Die folgenden Steckbriefe helfen dir bei der Bestimmung und zeigen dir, worauf du draußen achten solltest.
Der Grizzly

Der Grizzly von Denali ist ein an die alpine Tundra angepasster Braunbär (Ursus arctos horribilis). Sein Fell reicht von dunklem Kastanienbraun bis zu Silberblond. Der kräftige Muskelhöcker zwischen den Schultern und die langen hellen Krallen unterscheiden ihn auf den ersten Blick vom Schwarzbären. Im Park leben mehrere hundert Tiere, darunter Weibchen mit ihren im Juni und Juli sichtbaren Jungtieren.
Der Grizzly ist ein Allesfresser: Wurzeln, Polarhörnchen, Wildbeeren und manchmal Aas stehen auf seinem Speiseplan. Im August frisst er sich an Heidelbeeren Reserven für den Winterschlaf an. Dann ist die Wahrscheinlichkeit am höchsten, ihn an einem Hang zu entdecken.
Das Denali-Karibu

Das Karibu (Rangifer tarandus) ist der einzige Hirsch, bei dem sowohl Männchen als auch Weibchen ein Geweih tragen. Die Denali-Herde umfasst mehrere tausend Tiere, die zwischen bewaldeten Wintertälern und offenen Hochflächen im Sommer wandern. Die Denali Park Road quert mehrere ihrer Wanderkorridore. Von einem Bus aus gehört das Karibu zu den Großsäugern, die du am häufigsten siehst.
Im Juli und August ziehen sich die Herden in höhere Lagen zurück, um den Insektenschwärmen zu entkommen. Die Weibchen bringen ihre Kälber im Juni in der offenen Tundra zur Welt.
Das Dall-Schaf

Das Dall-Schaf (Ovis dalli) ist ein vollständig weißes Wildschaf und kommt nur in Alaska und im Yukon vor. Es gehört zu den ersten Tieren, die du schon am Parkeingang sehen kannst, etwa auf den Klippen von Primrose Ridge oder in Igloo Canyon.
Die Widder tragen eingerollte Hörner, die mit etwa acht Jahren eine vollständige Kurve bilden. Weibchen und Lämmer halten sich den größten Teil des Jahres getrennt von den Männchen auf. So beobachtest du sie: Richte dein Fernglas bei Tagesanbruch auf die felsigen Grate. Das Streiflicht hebt ihre weiße Silhouette deutlich vom grauen Fels ab.
Der Elch

Der Alaska-Elch (Alces alces gigas) ist der größte Hirsch der Welt. Ein ausgewachsenes Männchen wiegt leicht mehr als 600 kg, sein Geweih kann fast 2 m Spannweite erreichen. Am ehesten triffst du ihn in bewaldeten und sumpfigen Bereichen des Talbodens, rund um den Nenana River nahe dem Parkeingang und in den Feuchtgebieten von Wonder Lake.
Im Herbst macht die Brunft die Männchen unberechenbar. Halte dann noch mehr Abstand als sonst und bringe, falls nötig, einen Baum oder Felsen zwischen dich und das Tier.
Der Grauwolf

Der Grauwolf (Canis lupus) ist in Denali am schwersten zu beobachten. Mehrere Rudel teilen sich das gesamte Parkgebiet. Du brauchst Geduld: Setz dich frühmorgens auf einen freien Aussichtspunkt, vorzugsweise zwischen Toklat River und Eielson. Bei unserem Besuch im Juli warteten wir zwei Stunden auf einem Grat, bevor wir drei Wölfe sahen, die über die Ebene liefen. Das Warten hat sich eindeutig gelohnt.
Grizzly oder Schwarzbär unterscheiden

Der Schwarzbär (Ursus americanus) kommt in Denali vor, ist aber deutlich seltener als der Grizzly. Drei zuverlässige Merkmale helfen dir auch aus der Entfernung: Der Grizzly hat einen ausgeprägten Muskelhöcker auf dem Rücken zwischen den Schultern, ein konkaves Gesichtsprofil und lange, helle Vorderkrallen. Der Schwarzbär hat einen geraden Rücken, eine längere Schnauze sowie kurze, dunkle Krallen. Die Fellfarbe ist kein verlässliches Merkmal, denn manche Schwarzbären sind braun.
Wo du Tiere in Denali sehen kannst
Die Denali Park Road ist mit ihren etwa 148 km, also 92 Meilen, der Ausgangspunkt für praktisch jede Tierbeobachtung. Private Fahrzeuge dürfen nur die ersten 24 km bis zum Savage River befahren. Dahinter verkehren ausschließlich offizielle Busse. Dadurch bleibt der menschliche Besucherdruck gering und die Tiere sind vergleichsweise wenig scheu.
Die ergiebigsten Bereiche, Abschnitt für Abschnitt:
- Eingang, Savage River (km 0-24). Elche im Talboden, Dall-Schafe auf Primrose Ridge. Der einzige Abschnitt, der mit dem eigenen Fahrzeug zugänglich ist.
- Igloo Canyon, Sable Pass (km 50-75). Dicht besiedelter Wildtierkorridor mit Grizzlys, Dall-Schafen und gelegentlich Wölfen. Der Bereich von Sable Pass wird jeden Frühling geschlossen, um die Bären nach dem Winterschlaf zu schützen.
- Toklat River (etwa bei km 75). Regelmäßiger Durchzugsbereich der Wölfe. Rastplatz mit Wasserstelle.
- Eielson Visitor Center (km 106). Freier Blick über die Tundra und das Bergmassiv. Grizzlys und Karibus sind häufig in Fernglasentfernung zu sehen.
- Wonder Lake (km 143). Elche in den Feuchtgebieten. Bei aufklarendem Himmel ist die Landschaft besonders eindrucksvoll.
Wenn du über den Savage River hinausfahren möchtest, reserviere deinen Bus weit im Voraus. Sobald die Reservierungen öffnen, sind die Plätze schnell vergeben. In unserem kompletten Denali-Guide findest du die Modalitäten; der Guide zum Unterwegssein im Park erklärt die einzelnen Linien. Einige Trails außerhalb der Busroute bieten ebenfalls unauffällige Beobachtungspunkte. Der Wander-Guide für Denali stellt die dafür am besten geeigneten Wege vor.
Wann du die Tierwelt beobachten solltest (Jahreszeiten und Tageszeiten)
Im Sommer (Juni bis August) gibt es bis zu 20 Stunden Tageslicht. Die Tierwelt ist fast ständig aktiv, doch die erste und letzte Lichtstunde sind weiterhin am ergiebigsten. Die Tiere bewegen sich dann häufiger, und das Streiflicht erleichtert das Entdecken.
Der August ist für Grizzlys wegen der Heidelbeeren und für Karibus, die sich vor der Herbstwanderung in höheren Lagen sammeln, der ergiebigste Monat.
Im September sorgen die Brunft der Elche und die Karibuwanderung für spektakuläre Szenen. Der Park leert sich allmählich, aber bei brünftigen Männchen werden Sicherheitsabstände noch wichtiger.
Im Winter (von Mitte September bis Mai) ist die Denali Park Road gesperrt. Luchse, Hermeline und Polarfüchse sind im Schnee besser zu sehen, doch der Zugang bleibt schwierig und ist erfahrenen Skilangläufern oder Schneeschuhwanderern vorbehalten.
Für Einzelheiten zu jeder Jahreszeit und zu den Wetterbedingungen lies unseren Guide zur besten Reisezeit für Denali.
Raubtiere und große Tiere in Denali
Die drei wichtigsten Raubtiere des Parks sind Grizzly, Grauwolf und Kanadischer Luchs (Lynx canadensis). Der Vielfraß (Gulo gulo) kommt ebenfalls vor, wird aber nur selten gesichtet.
Der Elch ist mit ausgewachsenen Männchen von oft mehr als 600 kg das größte Landtier Denalis. Erwachsene Grizzlys wiegen gewöhnlich 200 bis 300 kg. Wölfe bringen dagegen zwischen 35 und 55 kg auf die Waage.
Bei den Greifvögeln jagt der Steinadler (Aquila chrysaetos) Polarhörnchen in der offenen Tundra. Der Wanderfalke brütet an Felswänden, und der Schnee-Eule (Bubo scandiacus) begegnest du im Herbst.
Das Polarhörnchen (Urocitellus parryii) verdient eine eigene Erwähnung: Es ist überall, laut und die wichtigste Beute fast aller Raubtiere des Parks. Wenn du seine Baue an einem Ufer entdeckst, kannst du besser einschätzen, ob sich in der Umgebung Grizzlys oder Füchse aufhalten.
Tierbeobachtung mit Sicherheit
Der NPS schreibt in Denali verbindliche Sicherheitsabstände vor. Konkret gelten folgende Regeln:
- Bären und Wölfe: mindestens 90 m (300 Fuß). Wenn das Tier sein Verhalten ändert und dich ansieht, bist du bereits zu nah.
- Elche und Karibus: mindestens 30 m (100 Fuß). Ein brünftiger Elch oder ein Weibchen mit Kalb kann ohne vorheriges Anzeichen angreifen.
Diese Regeln gelten draußen unbedingt:
- Füttere niemals ein Tier, ganz gleich welcher Art. Ein Polarhörnchen, das an Futter gewöhnt ist, verliert seine Scheu und wird leichte Beute.
- Verstaue bei Wanderungen außerhalb der Busroute alle Lebensmittel und Gegenstände mit Geruch in vorgeschriebenen Bear Canisters.
- Wenn du einem Grizzly begegnest, sprich ruhig, lauf nicht weg und mach dich größer. Bei einem Kontaktangriff, der sehr selten vorkommt, wehrst du dich.
- Wenn du einem Elch begegnest, bringe einen Baum zwischen dich und das Tier und weiche langsam zurück, ohne zu rennen.
Die Parkbusse bieten einen deutlich sichereren Rahmen für die Tierbeobachtung als eine Wanderung auf eigene Faust. Der Fahrer hält an, sobald eine Tierart gesichtet wird, und die Tiere sind an die offiziellen Fahrzeuge gewöhnt. Zu empfehlenswerter Ausrüstung wie Bear Spray, zu den offiziellen Abständen und zum richtigen Verhalten bei einer Begegnung informierst du dich bei den Rangern am Parkeingang.
Kurz zusammengefasst: Diese Arten solltest du nicht verpassen
| Art | Empfohlener Bereich | Beste Zeit |
|---|---|---|
| Grizzly | Sable Pass, Hänge bei Eielson | August |
| Karibu | Toklat, Eielson | Juni bis September |
| Dall-Schaf | Primrose Ridge, Igloo Canyon | Juni bis August |
| Elch | Parkeingang, Wonder Lake | Frühling und Herbst |
| Grauwolf | Toklat, Ebenen bei Eielson | Morgendämmerung, früher Morgen |
| Steinadler | Offene Tundra | Sommer |
Nimm mindestens ein 10×42-Fernglas mit. In Denali entdeckt das bloße Auge die Tiere, das Fernglas bestimmt sie.
Häufige Fragen
Welche fünf Tiere sind für Denali besonders typisch?
Zu den fünf bekanntesten Tieren Denalis gehören Grizzly, Karibu, Dall-Schaf, Elch und Grauwolf. Dieses Quintett wird von lokalen Guides manchmal als „Big 5 Alaskan“ bezeichnet.
Welche Tiere gibt es im Denali-Nationalpark?
Im Denali-Nationalpark leben 39 Säugetierarten, darunter Grizzly, Elch, Karibu, Grauwolf, Luchs, Vielfraß, Rotfuchs, Biber, Polarhörnchen und viele weitere. Außerdem wurden dort mehr als 169 Vogelarten erfasst, darunter Steinadler und Schnee-Eule.
Welches Tier ist in Denali am häufigsten?
Das häufigste Tier in Denali ist das Polarhörnchen, das überall in der Tundra vorkommt. Unter den Großsäugern werden Karibu und Grizzly von den Parkbussen aus am häufigsten gemeldet.
Welches ist das größte Tier Denalis?
Das größte Landtier Denalis ist der Alaska-Elch. Ausgewachsene Männchen wiegen oft mehr als 600 kg, und ihr Geweih kann fast 2 m Spannweite erreichen.
Welche Raubtiere gibt es in Denali?
Zu Denalis Raubtieren gehören Grizzly, Grauwolf, Kanadischer Luchs und Vielfraß. Steinadler und Wanderfalke ergänzen dieses Bild unter den Greifvögeln.
Welche Tiere sind nachts in Denali aktiv?
Nachts sind in Denali vor allem Luchs, Vielfraß und Polarfuchs aktiv. Im Sommer verwischen die fast nicht vorhandenen Nächte Alaskas die Grenze zwischen Tag und Nacht. Morgendämmerung und Abenddämmerung, die hier im Juni mit der Mitte der Nacht zusammenfallen, sind für die meisten Arten weiterhin die aktivsten Zeiten. Unser Guide zur besten Reisezeit für Denali beschreibt die vollständigen jahreszeitlichen Aktivitätsrhythmen.